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Tauziehen um die Kelter

Seit Jahren wirft die Stadt ein Auge auf die Untere Kelter, um hier weitere Büros für Mitarbeiter zu schaffen. Jetzt werden die Pläne konkreter – doch Konflikte sind vorprogrammiert.

Untere Kelter in Markgröningen: Die Stadt will die Immobilie sanieren lassen und weitere Büros für Mitarbeiter schaffen. Foto: Holm Wolschendorf
Untere Kelter in Markgröningen: Die Stadt will die Immobilie sanieren lassen und weitere Büros für Mitarbeiter schaffen. Foto: Holm Wolschendorf

Markgröningen. Vor zwei Jahren kauft die Stadt Markgröningen ein Grundstück neben der Unteren Kelter. Das Geschäft geht nicht ohne Hintergedanken über die Bühne. Die Fläche soll nach Angaben des Bürgermeisters Rudolf Kürner helfen, die historische Immobilie besser zu erschließen und barrierefrei zu gestalten. Allerdings hat Kürner mit der Unteren Kelter noch weitergehende Pläne, die in diesem Halbjahr konkretisiert werden sollen.

Seine Verwaltung brauche dringend moderne Büros für die Mitarbeiter. Unter dem Dach der Kelter sitzt bereits der Stadtbaumeister Klaus Schütze mit seinem Team. Das Erdgeschoss ist die Heimat des örtlichen Obst-, Wein- und Gartenbauvereins (OWG). Dazu kommt ein Gewölbekeller, in dem während des Schäferlaufs Feste gefeiert werden. Doch beides steht jetzt auf dem Spiel, wenn die Kelter neben dem Rathaus der zweite große Verwaltungssitz in der Stadt werden sollte.

Zwei Modelle will Kürner schon in den kommenden Wochen dem Gemeinderat präsentieren. „Wir wollen zeigen, wie das Rathaus künftig funktioniert, wenn die Kelter von der Verwaltung wie bisher genutzt wird – oder wenn die Kelter vollständig von der Verwaltung genutzt wird“, sagt der Schultes unserer Zeitung.

Besonders der zweite Punkt birgt Konfliktpotenzial in sich. Die beiden größten Fraktionen, Freie Wähler und CDU, lehnen es ab, aus der Unteren Kelter einen reinen Verwaltungssitz zu machen. „Wir fordern alle Beteiligten auf, keine Luftschlösser zu bauen, sondern die vorhandenen Büros an den bestehenden Standorten zeitgemäß und nach und nach zu sanieren“, sagte der Freie Wähler Matthias Reutter in seiner Haushaltsrede. Der CDU erscheint es als „völlig falsch, jetzt mit einem Konzept Vorgaben zu machen“. Sie erinnert daran, dass Kürners mehr als 30-jährige Amtszeit in Markgröningen 2022 enden wird – und dann Rücksicht auf die Ideen des oder der Neuen genommen werden sollte.

Darüber hinaus steht auch nicht zu erwarten, dass der OWG in dieser Angelegenheit klein beigeben und sich so einfach vertreiben lassen wird. Der Vorsitzende Erwin Herrmann verweist auf einen uralten Mietvertrag mit der Kommune, den einst die Weingärtnergenossenschaft abgeschlossen hatte. „Uns wäre es am liebsten, wenn die Kelter auch in Zukunft so genutzt werden würde, wie bisher“, sagt Herrmann. Mit der Stadt sei der OWG zwar in Gesprächen. „Wir würden uns aber einen intensiveren Austausch wünschen.“ Der Markgröninger Bürgermeister zeigt sich unterdessen überzeugt, dass es bessere Lösungen für das Gebäude geben kann.

Immerhin ist da ein Punkt, der zwischen allen Parteien unstrittig ist: dass die Kelter dringend runderneuert werden muss. „Wir wollen, dass 2021 mit der Sanierung des Gebäudes gestartet wird. Es wurde bereits unsinnig viel Zeit und Geld vertan“, sagt der Freie Wähler Reutter.

Von Vorteil ist, dass die Immobilie im Geltungsbereich des Sanierungsgebiets StadtkernV liegt. „Die Stadt plant, das Gebäude in der Laufzeit dieses Sanierungsgebiets, also bis Ende 2024, umfassend zu modernisieren“, sagt Kürner – und dass die künftige Unterbringung der Verwaltung dabei Berücksichtigung findet. Markgröningen könne damit rechnen, dass das Land das Projekt mit 51 Prozent bezuschusst.

Wenn es nach dem Rathauschef geht, dann wird die Sanierung der Kelter noch im laufenden ersten Halbjahr beraten – und beschlossen. Vom Vorschlag der CDU, auf einen neuen Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin zu warten, hält der amtierende Schultes nichts. „Das bedeutet, dass der Faden erst Anfang 2023 wieder aufgenommen würde und mit einer Sanierung der Kelter bis Ende 2024 nicht zu rechnen ist.“

Fest steht, dass die Stadt bei einer Umsetzung des Vorhabens nicht so billig wegkommen würde wie beim Kauf der Kelter am 18. Oktober 1828. Damals musste sie dem Land laut Chronik 150 Gulden auf den Tisch legen, samt Zins zu fünf Prozent.

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