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Technikunterricht aus dem Cockpit

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. So zeigt Lehrerin Juliane Ossadnik, wie man auch digital einen spannenden Technikunterricht gestalten kann.

Im Technikunterricht bekamen die Achtklässler erklärt, wie das Cockpit der Robin 2160 funktioniert. Fotos: privat
Im Technikunterricht bekamen die Achtklässler erklärt, wie das Cockpit der Robin 2160 funktioniert. Foto: privat
Juliane Ossadnik filmt sich für die Schüler vor dem Flugzeug.
Juliane Ossadnik filmt sich für die Schüler vor dem Flugzeug.

Freiberg. Sie lernen den Umgang mit Holz, Kunststoff und Metall, bekommen Einblick in logische Schaltungen und bedienen dabei alle möglichen Maschinen. Wenn sich Realschüler und Gemeinschaftsschüler für Technik als Profilfach ab der 7. Klasse entscheiden, ist Spannung vorprogrammiert. Doch auch hier hat Corona Schülern und Lehrern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Statt gemeinsam oder in Einzelarbeit Geräte zu planen und herzustellen oder beispielsweise eine Brücke zu bauen, ist vorwiegend digitaler Theorieunterricht angesagt. „Weil nicht jeder eine Bohrmaschine, einen Hammer oder eine Laubsäge zu Hause hat, heißt es: Bemaßung, DIN-Normen lernen und virtuelle Stromkreise bauen. Nicht gerade das, was man sich unter Technikunterricht so vorstellt“, sagt Juliane Ossadnik, an der OPS Lehrerin für Musik, Informatik, Technik und Biologie. Ungefähr 75 Prozent des Technikunterrichts bestehen normalerweise aus praktischer Arbeit. Seit der Schulschließung im Dezember können Schüler und Lehrkräfte nur davon träumen und müssen sich mit theoretischem Stoff begnügen. „Das kann auf die Dauer ganz schön zäh werden“, sagt Juliane Ossadnik.

Doch die pfiffige Lehrerin hat sich Gedanken gemacht, wie sie etwas mehr Pep in den Technikunterricht bringen und somit für mehr Abwechslung bei ihren Schülern sorgen kann. Zumal die Motivation bei ihren Achtklässlern zuletzt stark nachgelassen habe. Also ist sie zu ihrem Großvater gefahren, der in seinem Berufsleben Bautechniker war. In einer Videokonferenz durften ihn die Schüler mit ihren Fragen löchern. „Das war schon eine willkommene Abwechslung“, sagt Juliane Ossadnik, die den Jugendlichen auch technische Berufe vorgestellt hat. Zwischendurch hat sie sich mit ihnen auch getroffen, um ihnen kleine Bausätze auszuteilen, bei denen wenig Werkzeug benötigt wird. So konnten die Jugendlichen zu Hause beispielsweise mit einer Zitrone oder einer Kartoffel Stromkreise herstellen und damit LEDs zum Leuchten bringen.

Doch das Highlight sollte erst noch folgen. Denn Juliane Ossadnik hat seit 2019 eine Privatpilotenlizenz und ist leidenschaftliche Fliegerin. Was lag da näher, als ihr Hobby in den Technikunterricht einzubauen? Also schnappte sie sich ihre Unterlagen, eine Kamera und ein Handy und machte sich auf den Weg zum Flugplatz, auf dem sie sich oft in ihrer Freizeit aufhält. Das Flugzeug, welches im Mittelpunkt des Unterrichts stehen sollte, ist eine Robin 2160 aus dem Jahr 1978 und im Besitz ihres Flugsportvereins. Die Maschine ist für zwei Personen ausgelegt und gehört zur Kategorie der STOL-Flugzeuge, wobei STOL für Short Take-Off-Landing-Performance steht. „Das Flugzeug ist also in der Lage, in nur wenigen Hundert Metern in der Luft zu sein, was einen Start und eine Landung an kurzen Plätzen möglich macht“, sagt Juliane Ossadnik.

Da staunten die 13 Schüler der Klasse freilich nicht schlecht. Zumal sie noch kurz vor der Schulschließung Ende des vergangenen Jahres selbst kleine solarbetriebene Flieger aus Metall bauten. „So ein Flugzeug ist ein Wunder der Technik“, sagt die Techniklehrerin und erklärte ihren Schülern beispielsweise die Flügelform, was für den nötigen Auftrieb sorgt und wie man beim Fliegen Sprit sparen kann. Spannend freilich auch der Sicherheitscheck, den sie demonstrierte und dabei zeigte, „dass man tatsächlich alles an dem Flugzeug prüft“. Staunen bei den Kids auch, als sich die Lehrerin ins Flugzeug setzte und ihnen das Cockpit mit den vielen Knöpfen und Instrumenten erklärte. Sie erzählte anhand einer Karte, wie man navigiert und wie das Seitenruder funktioniert. Per Videofunktion übertrug Juliane Ossadnik das Ganze in die Zimmer der Jugendlichen. Die blieben gespannt bei der Sache, obwohl der Technikunterricht an diesem Tag drei ganze Schulstunden gedauert hat. Am Ende startete die Lehrerin mit dem besonderen Hobby sogar noch das Flugzeug. In die Luft ging es allerdings erst später, als der Unterricht beendet und die Kamera und das Smartphone, das sie für die Navigation benötigt, abgeschaltet waren.

Dass dieser Unterricht etwas ganz Besonderes war und die Schüler ordentlich begeisterte, blieb in der Schule nicht lange verborgen. Also hat sich Juliane Ossadnik dazu bereit erklärt, auf Wunsch auch die Schüler zweier Kolleginnen virtuell mit auf den Flugplatz zu nehmen.

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