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Test-Bestätigung lässt auf sich warten

Es war der 13. August, als ein Besigheimer mit seinem Sohn aus dem Mallorca-Urlaub heimkehrte. Die Balearen waren zu diesem Zeitpunkt noch kein Risikogebiet. Die Familie ließ sich dennoch testen – freiwillig. Es folgten Stunden der Ungewissheit und des Ärgers.

Besigheim. Heute vor einer Woche, am vergangenen Donnerstag, landete der Flieger aus Spanien am Stuttgarter Flughafen. Der Vater und sein Sohn hatten keine Symptome, dennoch war klar, dass sie sich auf Corona testen lassen werden. Also folgten sie am Flughafen der Beschilderung zur Teststelle, diese verlief aber im nirgendwo außerhalb des Terminals. Da den Besigheimern die Reise in den Knochen steckte, suchten sie nicht weiter, sondern fuhren erst einmal nach Hause. Später am Tag rief der Vater die Corona-Hotline an, um herauszufinden, wo sie sich testen lassen könnten. „Uns konnte dort niemand weiterhelfen“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Einen Tag später, am Freitag, wurde Mallorca zum Risikogebiet erklärt.

Am Samstagmorgen fuhren die Besigheimer zum Stuttgarter Hauptbahnhof zur Teststation. Die Proben wurden genommen, jedem ein QR-Code ausgehändigt und die Familie fuhr nach Hause. Nicht allerdings, ohne sich vorher nach den Quarantänebestimmungen zu erkundigen. „Wir mussten das alles nachfragen“, sagt der Vater. Vor Ort wären sie sonst nicht darüber informiert worden. „Aber wir wollten Sicherheit haben. Wir haben uns freiwillig testen lassen, hatten keine Symptome und waren ja nicht aus einem Risikogebiet gekommen. Deswegen habe ich nachgefragt.“ Die Antwort: Aus ärztlicher Sicht sei es sinnvoll, wenn man sich isoliere – „aber rein rechtlich hätten wir es wohl nicht müssen“.

Die Besigheimer begaben sich jedoch in Quarantäne. Ohnehin hätten sie sich nicht nur im Urlaub immer an alle Regeln gehalten. Auch die Reise auf die Balearen habe man sich zuvor gut überlegt. Da es immer geheißen habe, das Flugzeug sei sicher, und es für Mallorca zu dieser Zeit auch keine Reisewarnung gegeben habe, wurde die Reise angetreten. Zumal eine kostenfreie Stornierung nicht möglich gewesen wäre – „die Kosten wären bei 2000 Euro gelegen“.

Am frühen Montagmorgen konnte der Vater in der App „Mein Laborergebnis“ sein Testergebnis abrufen: negativ. Unter der Zugangsnummer für den Sohn stand, dass das Testergebnis noch in Bearbeitung sei. Erst am Mittag, gegen 14.30 Uhr, erfuhren die Besigheimer per App, dass der Sohn positiv getestet wurde. Der Vater rief sofort beim Kinderarzt an, der ihn gleich ans Gesundheitsamt weiterverwies.

Denn grundsätzlich ist es so, dass die Laborergebnisse ans jeweilige Gesundheitsamt übermittelt werden, das dann beim positiv Getesteten anruft. Doch der Anruf der Behörde in Besigheim blieb am Montag aus. Und auch die telefonische Nachfrage des Vaters brachte keinen Antworten: „Dort wurde mir gesagt, dass bisher nichts bekannt sei.“ Also bat der Besigheimer darum, dass das Gesundheitsamt klären solle, ob das Ergebnis des Sohnes stimme. Es verstrichen etwa eineinhalb Stunden, bis der Rückruf der Behörde kam: Man wisse immer noch nichts. Die Familie müsse bis morgen warten. „Wir sitzen hier in der Ungewissheit“, ärgert sich der Vater an diesem Abend im Gespräch mit unserer Zeitung. Seine Freundin, die mit im Urlaub war und ebenfalls negativ getestet wurde, müsste eigentlich am nächsten Morgen wieder arbeiten. Stattdessen haben alle die Selbstisolation verlängert, bis sie eine endgültige Bestätigung des Tests haben. Dass die Informationskette nicht einwandfrei funktioniert, ärgert den Mann: „In Bayern ging’s in die Hose. Bei uns jetzt auch?“ Dabei sei es doch so wichtig, schnell Klarheit zu haben.

Erst am nächsten Morgen kam der Anruf der Ludwigsburger Behörde: Der Test des Sohns ist positiv. Das Gesundheitsamt hatte die betreffende Meldung nämlich auch erst am Vormittag erhalten – und dann unverzüglich gehandelt, wie Dr. Andreas Fritz, Sprecher des Landratsamts Ludwigsburg, auf Nachfrage mitteilt. Für die Teststelle am Hauptbahnhof Stuttgart sei man nicht zuständig, auch über die Organisation und Abläufe in Stuttgart könne man nichts sagen. Aber: „Das Labor ist verpflichtet, bei einem positiven Corona-Ergebnis unverzüglich das jeweilige Gesundheitsamt zu informieren.“ Das regelt das Infektionsschutzgesetz. Wenn dieses Gesundheitsamt nicht zuständig ist, schickt es die Meldung an das für den Wohnort des Patienten zuständige Gesundheitsamt. „Wir nehmen dann unverzüglich, auch am Wochenende, Kontakt zum Patienten auf“, teilt Andreas Fritz mit. Es könne vorkommen, dass die Labore bei der Mitteilung an den Patienten schneller seien. Das sei aber nicht zu ändern.

Die Labore müssten keinen Kontakt mit dem Patienten aufnehmen, das sei üblicherweise die Aufgabe des Gesundheitsamts beziehungsweise die des einsendenden Arztes. Fritz: „Gegen eine Erstinformation durch das Labor ist aus unserer Sicht nichts einzuwenden – allerdings sollte klar sein, dass die letztendlichen Maßnahmen durch die zuständigen Stellen, also Gesundheits- und Polizeibehörden, umgesetzt werden.“

Da das Gesundheitsamt den positiven Coronatest des Sohns bestätigt hat, müssen sich sein Vater und dessen Freundin jetzt erneut testen lassen.

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