Logo

22 Uhr

Tierheim Ludwigsburg: 24/7 für Tiere in Not

Es ist später Abend im Tierheim Ludwigsburg. Im Hof dösen die Hunde Bella und Ivan. Die beiden haben irgendwann den Wachdienst für diesen Teil des Tierheimgeländes übernommen, weil viele Tierheime in Deutschland das Ziel von Einbrüchen wurden. Sie sind nicht die einzigen Diensthabenden. Auch Ursula Gericke, Leiterin des Tierheims am Kugelberg in Hoheneck, ist noch im Einsatz. Sie betreut das Notruftelefon des Tierheims.

350_0008_2645482_Hund_Lui_1
Neben Haustieren wie Terrier Lui nimmt das Tierheim Ludwigsburg auch Wildtiere auf. Doch nicht immer ist das Tierheim die richtige Anlaufstelle. Foto: Privat
350_0008_2645479_Mauswiesel_1
Foto: Privat
350_0008_2645483_Amsel_Jungvogel
Foto: Privat
22 Uhr. Der Tierschutzverein Ludwigsburg e.V. hat vor vielen Jahren eine Notrufnummer eingerichtet und ist somit auch nachts, an Wochenenden, Sonn- und Feiertagen in Notfällen erreichbar. „Leider ist nicht jedem klar, wann ein Tier in Not ist“, erklärt Ursula Gericke. Manchmal melden sich Leute, die nachts eine Katze gesehen haben. „Im Regelfall ist dann gar nichts zu unternehmen“, sagt Gericke. Dass eine Katze nachts unterwegs ist, liegt in der Natur der Katze. Entscheidend ist, ob eine Notlage vorliegt. Ist die Katze verletzt? Macht sie einen verwahrlosten Eindruck, weil sie zum Beispiel abgemagert oder sehr struppig ist? Kann man diese Fragen mit ‚Ja‘ beantworten, handelt es sich um einen Notfall. Doch selbst dann ist es nicht immer erforderlich, sofort das Tierheim zu verständigen. Ein verletztes Tier sollte direkt in die Tierklinik. Da Klinik und Tierheim bei herrenlosen verletzen Tieren eng zusammenarbeiten, wird die Klinik Kontakt mit dem Tierheim aufnehmen.

Sieht man einen Hund, der ohne Begleitung unterwegs ist, kann man außer der Polizei auch eine der Tierhilfe-Initiativen aus dem Kreis Ludwigsburg verständigen: Zum Beispiel „Tier-Engel unterwegs“, „Vermisste Tiere Kreis Ludwigsburg“ oder die „Tierrettung Ludwigsburg“. Sowohl die Polizei als auch die mobilen Teams dieser Organisationen können die Identifikationschips von Hunden auslesen und so in vielen Fällen den Besitzer schnell ermitteln. Erst wenn der Besitzer nicht ausfindig gemacht werden kann oder nicht erreichbar ist, kommt das Tierheim ins Spiel. Ist der Hund verletzt, muss er sofort in eine Tierklinik.

Hochsaison hat der Tierheimnotdienst ab April bis in den Herbst hinein. „Wenn das Frühjahr kommt, nehmen die Notfälle deutlich zu“, berichtet Ursula Gericke. Hauptursache für Notrufe sind dann Singvögel, Greifvögel und kleine Wildtiere. Die Belastungen für das Tierheim sind enorm. Im Jahr 2020 kamen allein bis Mitte Juli 210 Vögel ins Tierheim. Die Versorgung ist aufwendig. Die Kleinsten müssen in eine Wärmebox. Alle 30 Minuten brauchen sie tagsüber Futter. Jungvögel, die flügge sind, aber eine Verletzung haben, müssen aufgepäppelt und anschließend ausgewildert werden. Greifvögel werden notversorgt und kommen frühestmöglich in eine der Greifvogelstationen.

Ohne den Notdienst im Tierheim hätten diese Tiere keine Anlaufstelle, denn viele werden abends oder sonntags gebracht. So zum Beispiel das etwa 12 Tage alte Mauswiesel, das kaum jemand als ein solches erkennen würde. Der Winzling kam an einem Sonntagnachmittag. Innerhalb von 90 Minuten gesellten sich zwei Babyamseln, eine Blaumeise und ein Buchfink dazu – fünf hilfsbedürftige Tiere in eineinhalb Stunden Notdienst.

In Baden-Württemberg gibt es keine Aufnahmestationen für Wildtiere und es nehmen sich nur wenige Einrichtungen oder Privatleute dieser Tiere an. „Wir als Tierheim sind deshalb über Monate am Limit. Wir sehen politischen Handlungsbedarf, damit diese Aufgaben endlich umfassend finanziell und strukturell unterstützt werden“, fordert der erste Vorsitzende des Vereins, Christoph Bächtle.

Neben der Notversorgung kümmert sich der Notdienst mitunter auch darum, die Folgen von missglückten Tiervermittlungen aufzufangen. So zum Beispiel beim vermeintlichen Mischling Lui. Er wurde von seiner vormaligen Besitzerin aus Ungarn geholt. Doch das Zusammenleben klappte nicht. Es folgt ein Telefonat zur Notdienstzeit, das Tierheim nimmt den Hund auf. Ein DNA-Test ergibt, dass Lui doch kein Labradormix ist. Zu 80 Prozent ist er ein American Staffordshire Terrier und damit ein sogenannter Listenhund. Das bedeutet ausführliches Training, denn Lui muss einen Wesenstest absolvieren, um vermittelt werden zu können. Diesen hat er inzwischen bestanden und sucht nun ein neues Zuhause. Interessenten wenden sich bitte an das Tierheim – am besten außerhalb des Notdienstes. (red)

Kontakt

Tierheim Ludwigsburg
Am Kugelberg 20
71642 Ludwigsburg
Telefon: (0 71 41) 25 04 10
Mail allgemein:
info@tierheim-lb.de
Anfragen Hunde:
info@tierheim-lb.de
Anfragen Katzen:
katzen@tierheim-lb.de
Anfragen Kleintiere:
kleintiere@tierheim-lb.de

Mehr Infos und Tierprofile:
www.tierheim-lb.de