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Porträt

Torsten Liebig (SPD) - Florettfechten für eine bessere Welt

Torsten Liebig will das Streben nach mehr sozialer Gerechtigkeit wieder als sozialdemokratischen Markenkern profilieren

Ein Faible für Fachwerk und ein Gespür für Ungerechtigkeit und Ungleichheit: Torsten Liebig will im Wahlkreis Vaihingen mit sozialpolitischen Akzenten punkten. Foto: Holm Wolschendorf
Ein Faible für Fachwerk und ein Gespür für Ungerechtigkeit und Ungleichheit: Torsten Liebig will im Wahlkreis Vaihingen mit sozialpolitischen Akzenten punkten. Foto: Holm Wolschendorf

Asperg/Markgröningen. Torsten Liebigs Wahlkampf wird kein Spaziergang. Der Wahlkreis Vaihingen ist strukturell schwierig für die ohnehin nicht erfolgsverwöhnte Südwest-SPD. Jahrzehntelang tiefschwarz, zuletzt vom wertkonservativen Grünen Markus Rösler geholt, gelang nur Wolfgang Stehmer von 2006 bis 2011 ein kurzes rotes Zwischenspiel in dem der Fläche nach größten, der Einwohnerzahl nach aber kleinsten Wahlkreis des Landkreises. Zehn Jahre nach dem Ende dieser Episode, tritt mit Liebig ein junger Kandidat für die SPD an – mit einem klar sozialdemokratischen Profil, mit intellektueller Kontur und einem nüchternen Blick auf die wenig rosigen Umfrageergebnisse seiner Partei. Er stehe für „eine progressive Politik“, wolle im Wahlkampf zeigen, „dass es Alternativen, andere Themen und wichtigere Fragen gibt als die Zukunft des Dialekts“ und damit „so viele Stimmen wie möglich für die SPD holen“, so der 32-Jährige, den die Jusos soeben als ihren stellvertretenden Kreisvorsitzenden bestätigt haben.

Das ist eine Kampfansage an die aktuellen Abgeordneten Markus Rösler und Konrad Epple (CDU), die sich beide in einer überfraktionellen Landtagsinitiative um die heimische Mundart sorgen (wir berichteten). Auch Torsten Liebig – in Ludwigsburg aufgewachsen und in Asperg lebend – ist Schwabe. Aber einer, der Hochdeutsch kann. Und ein paar Fremdsprachen, inklusive Arabisch, dazu.

Als Treffpunkt für den geplanten Winterspaziergang hat sich Liebig den Markgröninger Marktplatz ausgesucht. Er habe „ein Faible für Fachwerk“, begründet er seine Wahl. Außerdem sei er vor allem im Sommer sehr viel mit dem Rad im Wahlkreis unterwegs gewesen – und auf dem Weg von Asperg durchs Enztal nach Vaihingen und in den Stromberg sei Markgröningen nun mal die erste Station. Unser Gespräch findet dann allerdings digital statt, nicht der Pandemie, sondern des Wetters wegen. Digitale Formate – damit muss auch Liebig nicht nur in diesem Wahlkampf leben: Weite Teile seines Berufs erledigt er derzeit im Homeoffice, sein Büro im Stuttgarter Verkehrsministerium – wo er sich seit 2018 um Themen des ÖPNV kümmert – sieht er momentan seltener. Es ist dieser Job, der ihn nach Studien in Jena, Lille, Montpellier, Marburg und Paris ins Schwabenland zurückbrachte, eigentlich hatte Liebig mit einer Diplomatenlaufbahn geliebäugelt. Drei akademische Abschlüsse hat er im Lauf seiner Studien gemacht: Er ist Politologe, Nahostwissenschaftler und Absolvent der von de Gaulle gegründeten Elite-Hochschule ENA, an der Frankreichs politische und administrative Spitzenkräfte ausgebildet werden. Wenn sich Liebig nach dem Besuch dieser Kaderschmiede für französische Präsidenten und Premierminister einen Verwaltungswissenschaftler nennt, so muss man von Understatement sprechen.

Die deutsch-französische Freundschaft ist ein Anliegen, das sich Torsten Liebig schon vor dem Studium zu eigen machte. Seinen Wehrdienst absolvierte er in Oberschwaben und im Allgäu, heute ist er Reserveoffizier der Deutsch-Französischen Brigade. Als er zur Bundeswehr ging, gab es zwar die allgemeine Wehrpflicht noch, „ein bisschen unangepasst“ sei die Entscheidung fürs Militär damals aber schon gewesen, erinnert sich Liebig. Er habe sich gesagt, „dass man die Streitkräfte nicht den Rechten überlassen darf“. Die Demokratie bedürfe des Schutzes, und in Putins Russland habe er auch damals schon eine Bedrohung gesehen. Dass er bei der Bundeswehr in der Presseauswertung arbeitete, vertiefte seine politischen Kenntnisse weiter.

Denn Politik hat Torsten Liebig schon als Schüler interessiert. Durch die Lektüre eines Buchs über die Ermordung John F. Kennedys sei er schon mit elf Jahren „ganz von allein bei der Politik gelandet“. Die Studienwahl war da konsequent, die des zweiten Fachs Nahostwissenschaften wesentlich durch zwei politische Zäsuren in seiner frühen Jugend geprägt – den 11. September und den Irakkrieg. Dass er nicht bei der Analyse verharren, sondern auch selbst politisch handeln will, wurde ihm durchs politische Kabarett bewusst: Die Kabarett-Sendungen im Fernsehen, die er sich gern mit seinen Eltern ansah, hätten zwar „amüsant dargestellt, wenn politisch etwas schief ging. Aber so ändert man nichts!“

Liebigs Konsequenz: Eines Tages im Jahr 2008 ging er nach der Schule schnurstracks ins damalige Haus der SPD in der Ludwigsburger Bärenstraße und meldete sich an. Und warum ausgerechnet bei der über 150 Jahre alten SPD? Ihn treibe, sagt Liebig, „ein im Grunde sehr naiver Impuls: Ich will die Welt ein bisschen besser machen. Ungleichheit und Ungerechtigkeit machen mich auf eine direkte und sehr persönliche Weise betroffen“. So ist es der sozialpolitische Markenkern der Sozialdemokratie, den Torsten Liebig im Wahlkampf wieder profilieren will. Ganz praktisch, mit Themen wie bezahlbarem Wohnen und kostenloser Kita. Und das nicht mit dem Säbel, sondern mit dem Florett – der Waffe, mit der er in seiner Freizeit ficht: Auf der Planche gelte es, körperlich fit und geistig hellwach zu sein, sagt er, im Fintieren müsse die Parade schon angelegt sein. Das, so Liebig, sei ein gutes Training für die politische Debatte. „Ich spreche auch im Wahlkampf nur über Dinge, über die ich Bescheid weiß.“ Als Teamplayer beweist er sich bei seinem zweiten Hobby: als Mitglied einer Musicaltruppe. Da führt er zwar auch mal Regie – als Sänger aber reiht er sich in den Chor ein.

Weitere Informationen zur Landtagswahl bieten wir Ihnen auf www.lkz.de/landtagswahl-2021. Auf unserem Instagram-Kanal (@ludwigsburgerkreiszeitung) unter dem Highlight „Landtagswahl“ finden Sie zudem kurze Porträts der Kandidaten in Videoform.

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