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Fest

Tradition trifft Veränderungen

„Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte“ – das diesjährige Maientagsmotto, ein Zitat von Gustav Heinemann, könnte passender nicht sein. Die Vaihinger halten an festlichen Traditionen fest, stehen Veränderungen aber dennoch offen gegenüber.

Die Trommler sorgen für eine besondere Stimmung.
Die Trommler sorgen für eine besondere Stimmung.

Vaihingen. Noch schnell flechtet eine junge Vaihingerin ihrer Mitschülerin die Haare, ein Junge schaut an der Weste seines Flößerkostüms herunter und überprüft, ob die Knöpfe auch geschlossen sind – bei der Eröffnung des Maientages auf dem Vaihinger Rathausplatz will sich schließlich jeder von seiner besten Seite präsentieren. „Es ist ein bisschen frisch“, hört man es immer wieder in der Menge murmeln. In der Tat kann das Wetter im Vergleich zum vergangenen Maientag nicht mithalten. Die Sonne verschwindet öfter hinter den Wolken und es tröpfelt vom Himmel. Doch das tut der Stimmung auf dem festlich geschmückten Marktplatz und während des traditionellen Umzugs keinen Abbruch.

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Vaihingen Maientag

„55 Wochen mussten wir auf den Maientag 2019 warten“ sagt Oberbürgermeister Gerd Maisch in seiner Eröffnungsrede. Auf dem Platz tummeln sich auch viele Teilnehmer des Festumzugs, die mit ihren teils aufwendigen Kostümen in eine andere Zeit entführen.

Vieles beim Maientag ist Bestandteil fester Traditionen. Doch in diesem Jahr ist besonders der Festablauf am gestrigen Pfingstmontag von Veränderungen geprägt. „Den Festzug ohne Gottesdienstpause zu gestalten, war in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder ein Thema“, so Maisch. Nun wolle man sich „dieser Herausforderung stellen“, denn „Veränderungen gehören nun einmal zum Leben dazu“. So ging es gestern bereits um 9.Uhr mit dem Gottesdienst los. „Der Festumzug beginnt dann um 10.30 Uhr und geht in einem Rutsch zum Rondell durch“, erklärt Maisch den Zuschauern auf dem Marktplatz.

88 Gruppen und rund 2500 Teilnehmer verwandeln Vaihingens Straßen kurz darauf in ein Meer aus Kostümen und Flaggen. Von überall her tönt Musik durch die Gassen, die einzelnen Teilnehmer des Umzugs erhalten Beifall von den Zuschauern. Neben zahlreichen Süßigkeiten werden auch Blumen, Sträuße und Kräuter verteilt.

Während Gaugraf Walacho oder Graf Gottfried von Vaihingen anmutig durch die Straßen ziehen, wecken auch die Grundschüler der Stadtteile die Aufmerksamkeit. Passend zum jeweiligen Necknamen schlüpfen sie in die verschiedensten Rollen. Von „Schnecka“ (Aurich) über „Milchsäule“ (Enzweihingen) bis hin zu Eseln (Roßwag) ist alles vertreten.

Der Fanfarenzug des Musikverein Tamm sorgt auch für Stimmung, als der Regen zwischenzeitlich stärker wird. Während die Zuschauer ihre Schirme aufspannen, geben sich die Zugteilnehmer unbeeindruckt von den kurzen Schauern.

„Ist es denn schon vorbei“, fragt ein Kind seine Mutter, als sich eine große Lücke zwischen den Zugteilnehmern auftut. Tatsächlich scheint der Umzug für ein paar Minuten unterbrochen. Doch nach kurzer Wartezeit gibt es noch einmal viel Unterhaltung: Während die verschiedenen Abteilungen des TSV Ensingen, der SG Vaihingen/Enzweihingen, des VfB Vaihingen und des TSV Enzweihingen sportliche Kostproben liefern, reißen das Samba Ensemble der CJD Jugendmusikschule Vaihingen und die Tanzschule DLC das Publikum noch einmal mit. Die laute Musik und die gute Laune lassen auch den ein oder anderen müde gewordenen Zuschauer wieder freudig mitklatschen.

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