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Laurents Hörr

Traum vom Rennenfahren

Rennfahrer zu sein, ist für viele Motorsportfans ein Kindheitstraum. Der Gerlinger Laurents Hörr hat sein Hobby zum Beruf gemacht und fährt erfolgreich in der LMP3-Klasse. Doch der Einstieg in die Welt der Pferdestärken ist nicht einfach.

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Gerlingen. Beim Thema Rennsport denken viele erst einmal an die Formel 1. Dort zu fahren, ist allerdings ein nahezu unerreichbares Ziel. „Vom ersten Training als Kind bis zum ersten Formel-1-Rennen muss man mindestens 20 Millionen Euro investieren, es können aber auch 100 sein“, sagt Laurents Hörr. Der 21-Jährige ist, seit er im März sein Studium beendet hat, hauptberuflich Rennfahrer – allerdings nicht in der Formel 1. Der Gerlinger fährt hauptsächlich beim Michelin-Le-Mans-Cup um die Spitzenposition. Derzeit führt er im Gesamtklassement der sogenannten LMP3-Klasse. LMP steht für Le.Mans-Prototyp. Diese Autos werden extra für diese Rennserie gebaut. In der höchsten Klasse, der LMP1, geht es um die Langstreckenweltmeisterschaft mit legendären Rennen wie den 24 Stunden von Le Mans.

Dort will auch Hörr irgendwann fahren. Doch auch schon in der LMP3-Klasse ist es schwer, zu bestehen. Das Niveau ist hoch und die Kosten vor allem zu Beginn der Karriere ebenfalls. „Jeder, der den Traum hat, Rennfahrer zu sein, muss erst einmal Geld haben oder sich überlegen, wir er an Geld kommt“, sagt Hörr. Er selbst kann seine Kosten durch Sponsoren decken, außerdem hat er ein eigenes Kartteam mit Schülern, die er trainiert und dafür honoriert wird. „Ich muss privat kein Geld investieren. Das könnte ich auch nicht“, stellt er klar. Auch erwachsenen Hobbyfahrern gibt er Tipps.

Hörrs Weg war quasi vorgezeichnet. Bereits sein Vater Oliver Dutt war ebenfalls Rennfahrer und hat einen eigenen Rennstall. Dutt half vor allem in den Anfangsjahren mit seinem Wissen und seinen Kontakten. Einen Mechaniker konnte sich Laurents Hörr zunächst sparen. Auch die Infrastruktur und Ausrüstung waren vorhanden.

„Wäre mein Vater nicht auch schon Rennfahrer gewesen, hätten wir uns das nicht ermöglichen können“, weiß Laurents Hörr. Mit fünf Jahren saß er das erste Mal in einem Kart. „Es hat Spaß gemacht und immer besser geklappt. So habe ich mich gesteigert“, berichtet er. Doch nicht nur sein Vater steht ihm mit Rat und Tat zur Seite. Die Familie ist seit Jahren eng mit Marc Lieb befreundet. Der Ludwigsburger fuhr bis vor zwei Jahren als Werksfahrer für Porsche in der LMP1-Klasse und gewann mit seinem Team 2016 die Langstreckenweltmeisterschaft. „Was Marc erreicht hat, ist auch mein Ziel: die Königsklasse gewinnen“, betont Hörr.

Für dieses Ziel verbringt er pro Jahr etwa 45 Wochenenden auf der Rennstrecke und macht so oft es geht Sport, er fährt Fahrrad oder geht ins Fitness-Studio. Sein zweites Hobby, das alpine Skifahren, hat er dafür aufgegeben. „Viele Leute unterschätzen, was man beim Fahren leisten muss. Man braucht viel Kraft, viel Konzentration und viel Körperspannung.“ Bei einem Rennen fährt der Gerlinger schon mal über eine Stunde hinweg mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von bis zu 180 Kilometern pro Stunde. Angst vor einem Unfall hat er nicht: „Man sollte Respekt haben vor dem, was man tut. Aber keine Angst, sonst ist man blockiert.“ Von früheren Weggefährten bekommt er meist positive Rückmeldung. „Als Kind wird man oft für den Berufswunsch Rennfahrer belächelt. Viele sind erstaunt und freuen sich für mich.“

Zwei Rennen sind es im Le Mans-Cup noch für ihn und seinen französischen Teamkollegen François Kirmann, dann könnte er mit seinem Team DKR Engineering seinen bisher größten Erfolg feiern, den Gesamtsieg der Rennserie. Dafür sollte er im September im belgischen Spa und im Ende Oktober im portugiesischen Portimão seine Führung verteidigen. Ein Muss, wie Hörr sagt: „Das ist ganz klar das Ziel.“

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