Logo

Über das Putzen zum Profi-Boxen

Ungewöhnliche Erfolgsgeschichte des Ludwigsburgers Leonardo Di Stefano Ruiz

Jung-Profi mitgroßem Ehrgeiz: Leonardo Di Stefano Ruiz am Boxsack...
Jung-Profi mitgroßem Ehrgeiz: Leonardo Di Stefano Ruiz am Boxsack...

Ludwigsburg.. Ein Traum wird wahr für Leonardo Di Stefano Ruiz. Der Ludwigsburger Boxer wird erstmals in seiner Karriere einen Profikampf in den USA absolvieren. Am 27. März steigt er in Houston (Texas) in den Ring. Der Gegner steht noch nicht fest, „aber ich freue mich schon riesig“, sagt Di Stefano Ruiz.

Im Nova Physio Training Club in der Ludwigsburger Bismarckstraße fließt der Schweiß. Ruiz schlägt mit maximaler Geschwindigkeit auf den Boxsack ein, danach geht es ans Seilspringen. Schwerpunkt ist die Kraftausdauer: Täglich joggt der 24-Jährige morgens bis zu zehn Kilometer. Nachmittags heißt es dann Medizinbälle stoßen, mit dem Hammer auf einen Traktorreifen schlagen, auf hohe Gegenstände springen. Danach stehen acht Stunden Schlaf an.

Leonardo Di Stefano Ruiz ist in der europäischen Boxszene kein unbeschriebenes Blatt: Ende vergangenen Jahres wurde er Europameister der Global Boxing Union und Eurasienmeister der World Boxing Federation in der Superwelter-Gewichtsklasse bis 69,8 Kilogramm. Nach acht Jahren im Amateurbereich mit 39 Siegen aus 45 Kämpfen schloss Di Stefano Ruiz im Februar 2019 bei der EF Management und Promotion-Agentur seinen ersten Profivertrag ab. Dessen Inhaber Enis Fejza hatte Ruiz bereits vor zehn Jahren in der Fitness und Kampfsportakademie in Neckarweihingen beim Boxtraining kennengelernt.

Offensiver Boxstil macht Furore

Durch seinen Onkel Jose Manuel, einen ehemaligen Boxer, hatte „Leo“ im Alter von 14 Jahren mit dem Kickboxen in Ludwigsburg begonnen. Die Rahmenbedingungen waren alles andere als optimal: Leos Vater, aus Italien stammend, wurde schwer krank. Seine Mutter, eine Spanierin, musste mit Putzen das Leben von Leonardo und seiner Schwester Maria finanzieren. „Ich habe nach dem Training immer beim Putzen mitgeholfen. Meine Mutter hat mir im Gegenzug meine Boxausstattung finanziert“, erinnert sich Leo.

Aufgeben kam für das ehrgeizige Talent nicht infrage. Dreimal am Tag trainierte der Italo-Spanier an seinem offensiven Boxstil: morgens vor der Schule, mittags und abends im Fitnessraum. Nach der Hauptschule folgten zwei abgebrochene Ausbildungen. Dass Leonardo überhaupt dem Boxen verbunden blieb, ist seiner heutigen Frau Isabel zu verdanken. „Sie hat mich bei jedem Training unterstützt und meine ersten Boxstiefel finanziert. Damals war ich sechszehn“, erinnert er sich.

Das erste Profiangebot bekam Ruiz im Dezember 2018: Durch seinen variablen Kampfstil waren in Bilbao spanische Promoter auf den Ludwigsburger aufmerksam geworden. Das Problem: Seine Frau war schwanger und Ruiz wollte Ludwigsburg nicht verlassen. Doch sein Freund Enis Fejza hatte eine Idee: Der Manager stellte ihn bei seiner Firma ein. „Leo und ich haben Kontakt mit Deutschlands bekannten Promoter Rainer Gottwald geknüpft“, sagt Fejza. Gottwald, der auch den Karlsruher Vincent Feigenbutz managt, organisierte den ersten Profikampf. Ruiz gewann, nun folgt der Kampf in Amerika. „Wir sind ambitioniert und wollen den nächsten Schritt gehen“, will Fejza das Talent weiter unterstützen. Ruiz ist es recht, „denn Boxen ist mein Leben“, weiß er heute.

Autor: