Logo

Über die Freude am Leben

Das Glasperlenspiel zeigt als Neuproduktion Stefan Vögels „Arthur und Claire“

Spielfreude und Harmonie: Gerhard Teichmann als Arthur und Franziska Budig als Claire im Glasperlenspiel. Foto: Mark Schuler/p
Spielfreude und Harmonie: Gerhard Teichmann als Arthur und Franziska Budig als Claire im Glasperlenspiel. Foto: Mark Schuler/p

Asperg. Eine groteske Situation: In einem Hotel in Amsterdam quartieren sich zwei Menschen zufällig in nebeneinanderliegenden Zimmern ein, die ihrem Leben ein Ende machen wollen. Hier Arthur, Endfünfziger, Lehrer, Lungenkrebs im Endstadium, daneben Claire, Mitte dreißig, sie saß am Steuer, als ein Autounfall ihren Mann und ihre Tochter das Leben kostete. Das ist die Situation, die sich dem Zuschauer in der neuesten Produktion der Theatergruppe des Glasperlenspiels, „Arthur und Claire“ von Stefan Vögel, präsentiert.

Eine Geschichte, aus der man sowohl eine ziemlich alberne Boulevardkomödie machen kann, ebenso allerdings auch ein hochbrisantes Beziehungsdrama, wahlweise auch eine an den Grundfragen des Daseins rüttelnde Seelenforschung oder eine schmalzige Kuschelstory, denn im weiteren Verlauf halten die beiden sich nicht nur gegenseitig vom Selbstmord ab, sondern sie beginnen auch nach einem Zug durch die Stadt eine Liebesaffäre.

Souverän auf Kurs

Regisseurin Margarete Volz, schon vielfach bewährtes Mitglied der Glasperlenspiel-Theatergruppe, verfällt aber in keine Extreme. Sie zeigt ein gut anzuschauendes Unterhaltungsstück, das dabei aber Tiefgang entwickelt, das eine gewisse Leichtigkeit trotz des eher ernsten Grundthemas bewahrt. Sie konzentriert und fokussiert Text und Geschehen, lässt ihre beiden Hauptdarsteller ausdrucksstark spielen, so dass eine Aufführung ganz nach Art des Hauses entstanden ist – unterhaltsames Laientheater mit einem gewissen Anspruch.

Dazu trägt natürlich auch wieder Gerhard Teichmann, tragender Darsteller vieler Produktionen des Theaterhauses, bei. Er gibt seinen Arthur als recht zerknirschten, selbstmitleidigen und etwas spießigen Miesepeter, der sich im Laufe der Gespräche mit Claire als schlimmer Finger entpuppt, der in seinem Leben so manches angestellt hat, was er nun zu bereuen scheint. Souverän wie immer hält er auch in dieser Rolle strikt den Kurs. Im gegenüber Franziska Budig in der Rolle der Claire, die unter dem Eindruck der neuen Verliebtheit aufzublühen scheint und im Gegensatz zum resignativen Lehrer so etwas wie die neue Freude am Leben verkörpert.

Budig lässt sehr viel Potenzial erkennen, schafft insgesamt einen adäquaten Widerpart zur starken Figur Teichmanns, auch wenn sie in ihrem Ausdruck noch zuweilen etwas schwankend wirkt, mal ein wenig zu viel Power gibt, dann wieder ein wenig schwächelt. Aber vor allem wirkt auf die Zuschauer die Spielfreude und Harmonie der beiden. Da Margarete Volz ihnen viel Raum lässt, sich zu entfalten, kommen die Figuren sehr lebensnah und beweglich über die Rampe.

Ein schöner Abend, der eigentlich nur durch coronabedingte Kompromisse ein wenig leidet. So sollte man sich vielleicht für nicht spielbare Szenen etwas mehr einfallen lassen als das Hochhalten eines Pappschildes („Umarmung“). Hier täte etwas mehr Fantasie gut, während es tatsächlich gar nicht geht, dass die entscheidende Szene nur gelesen statt gespielt wird. In solchen Fällen muss eine theatergerechte Lösung gefunden werden, zumal diese vorletzte Szene den Schluss der Geschichte von Arthur und Claire markieren sollte. Die dann noch wie angeklebt wirkende Schlussszene, moralisierend, schmalzig, sinnlos erklärend, sollte man sich komplett schenken.

Autor: