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„Umsatzsprünge bis zu zehn Prozent“

Technologiekonzern Bosch erwartet stark wachsende Geschäfte mit vernetzten Anwendungen – Präsentation auf der digitalen Hannover-Messe

Fabrik der Zukunft: Rolf Najork, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, steht hier neben einem Robotiksystem mit Namen „Smart Item Picking“. Das System sortiert verschiedene Objekte in Boxen. Foto: Christoph Schmidt/dpa
Fabrik der Zukunft: Rolf Najork, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, steht hier neben einem Robotiksystem mit Namen „Smart Item Picking“. Das System sortiert verschiedene Objekte in Boxen. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Gerlingen. Rund zehn Jahre steht der Begriff Industrie 4.0 in der Öffentlichkeit. Die Technologie dahinter hat in der Industrie schon vieles verändert und vereinfacht – die ganz großen Umwälzungen stehen nach Ansicht des Branchenriesen Bosch aber noch an.

Der Technologiekonzern Bosch setzt in den kommenden Jahren auf stark wachsende Geschäfte mit vernetzten Anwendungen für die Industrie. Für die Zeit nach der Coronapandemie strebe man in diesem Bereich Umsatzsprünge von bis zu zehn Prozent jährlich an, sagte der für Industrietechnik zuständige Bosch-Geschäftsführer Rolf Najork. Vergangenes Jahr erwirtschaftete Bosch rund 700 Millionen Euro mit vernetzten Lösungen für die Fertigung, wegen der Pandemie etwas weniger als 2019. Betrachtet man die vergangenen zehn Jahre seit Einführung des Begriffs Industrie 4.0, kommt Bosch hier auf rund vier Milliarden Euro Umsatz. „Wir haben das Industrie-4.0-Potenzial früh erkannt und sind Vorreiter. Wir ernten jetzt, was wir gesät haben“, sagt Najork.

Die Zahl seiner Kunden in diesem Bereich beziffert das Gerlinger Unternehmen derzeit auf 500. Vor allem intelligente Software zur Produktionssteuerung, vernetzte Antriebs- und Steuerungstechnik, flexible Robotik und digitale Assistenzsysteme fänden viele Abnehmer. „Es gibt schon heute quasi kein Unternehmen mehr, das seine Prozesse nicht mit einem extremen Maß an IT plant und seine Fertigung entsprechend optimiert“, sagt Najork. Doch das Wachstumspotenzial für die nächsten Jahre sei im Bereich Industrie 4.0 noch deutlich größer.

Schon bald werde es in vielen Industriezweigen nicht mehr hauptsächlich darum gehen, bestehende Produktionsanlagen zu vernetzen, also schlicht zu optimieren. „Stattdessen müssen die Firmen ihre Produktionsanlagen ganz neu entwerfen.“ Der Trend gehe hin zu selbst lernenden Robotiksystemen, die „modular aufgebaut sind, Energie induktiv laden, die verschiedensten Dinge herstellen und über den schnellen Mobilfunkstandard 5G miteinander kommunizieren“, sagte Najork. Als Beispiele nannte er die Lebensmittel-, die Mode- und die Medizinbranche, hier werde die Zahl individualisierter Produkte bald stark zunehmen.

Bei der Digitalisierung seiner eigenen Standorte sieht sich Bosch auf einem guten Weg. Inzwischen habe ein Großteil der weltweit 240 Werke Industrie-4.0-Anwendungen „in relevantem Umfang“ im Einsatz, sagte Najork. Etwa 85 Prozent aller Teilefertigungen und Montagelinien beim Gerlinger Unternehmen seien heute vernetzt. Die Bosch-Werke verfügten über rund 120000 vernetzte Maschinen und mehr als 250000 vernetzte Endgeräte, wie integrierte Kameras oder Roboter.

Der Begriff Industrie 4.0 steht für die vierte industrielle Revolution, die Menschen, Maschinen und Produkte mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie miteinander vernetzen soll. Im Kern lassen sich auf diesem Weg etwa Produktionsabläufe vereinfachen, Lieferwege beschleunigen und Kosten einsparen, aber auch mit wenig Aufwand stark individualisierte Lösungen herstellen.

Auf der digitalen Hannover-Messe (siehe Infokasten rechts) will Bosch die Entwicklung von zehn Jahren Industrie 4.0 nachzeichnen und die Fabrik der Zukunft präsentieren: technisch flexibel, intelligent vernetzt, ökologisch nachhaltig und wirtschaftlich erfolgreich. „Das volle Potenzial von Industrie 4.0 lässt sich nur gemeinschaftlich und global erschließen. Mensch und Maschine müssen ‚eine Sprache sprechen‘. Dafür sind unternehmensübergreifende und internationale Standards notwendig“, erklärt Najork.

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