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Und endlich lässt Schiller grüßen

Schäferlaufstadt Markgröningen, Urmenschstadt Steinheim und Schillerstadt Marbach auf den Ortsschildern? Zumindest für zwei Kommunen geht dieser Traum, den Befürworter identitätsstiftend nennen, jetzt in Erfüllung. Archivfotos: Drossel, Wolschendorf,
Schäferlaufstadt Markgröningen, Urmenschstadt Steinheim und Schillerstadt Marbach auf den Ortsschildern? Zumindest für zwei Kommunen geht dieser Traum, den Befürworter identitätsstiftend nennen, jetzt in Erfüllung. Archivfotos: Drossel, Wolschendorf,
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Städte und Gemeinden im Südwesten dürfen ihren amtlichen Namen Zusatztitel hinzufügen – Marbach und Markgröningen werden wohl noch in diesem Jahr mit Schiller und dem Schäferlauf auf ihren Ortsschildern für sich werben. Steinheim indes will gar nicht Urmenschstadt sein.

Kreis Ludwigsburg. In Markgröningen kommt vor einem Monat doch noch ein Hauch Schäferlauf-Feeling auf. Vor dem Rathaus lässt Bürgermeister Rudolf Kürner eine neue Fahne hissen, Trommeln und Fanfaren sind zu hören, viele Markgröninger haben ihre Häuser in den Farben der Stadt geschmückt: gelb und blau. „Ich freue mich über diesen Lokalpatriotismus – und über den nächsten regulären Schäferlauf im kommenden Jahr“, so Kürner. Für lokale Geschichtsforscher und Denkmalpfleger gehört er zu Markgröningen wie das Marzipan zu Lübeck oder die Berliner Luft zur Hauptstadt.

Ein Bonbon gibt es aber bereits in diesem Jahr. Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt das baden-württembergische Innenministerium am Montag, dass Markgröningen im vierten Quartal den Zusatz „Schäferlaufstadt“ auf seinen Ortschildern aufbringen lassen dürfe. Das gleiche gelte für „Schillerstadt“ und Marbach. Damit sollen die beiden Kommunen ihre Einzigartigkeit unterstreichen und identitätsstiftend wirken können, heißt es aus Stuttgart. Sie werden die Genehmigung schon bald schwarz auf weiß erhalten.

„Der Schäferlauf ist unsere Marke“, sagt der Markgröninger SPD-Fraktionschef Pedro Fernandes dazu. Tatsächlich hat die Unesco ihm 2019 den Kulturerbestatus verliehen. Den Plan, eines der schönsten Heimatfeste Württembergs als Zusatznamen auf den Ortsschildern zu tragen, hatte die Kommunalpolitik kurz vor der Sommerpause geschmiedet.

In Schillers Geburtsstadt Marbach ist das Thema ein Dauerbrenner. Hier kämpft die Kommunalpolitik seit Langem für einen zweiten Namen auf den Ortsschildern. Bereits 2008 äußerte die Stadt beim Landesinnenministerium den Wunsch, den Zusatz „Schillerstadt“ offiziell und dauerhaft führen zu dürfen – zu gerne hätte Marbach die Bezeichnung zum Schillerjahr 2009 eingeführt, als an den 250. Geburtstag des Dichters erinnert wurde. Das Ministerium lehnte ab. Die Begründung: Schiller habe die prägende Zeit seines Wirkens woanders verbracht, es sei daher zu berücksichtigen, dass Konflikte zwischen Städten mit vergleichbarem Anspruch auf Schiller wie Mannheim, Weimar oder Ludwigsburg vorgezeichnet wären. Dass Marbach als Geburtsstadt des Dichters auf ein Alleinstellungsmerkmal verweisen kann, wurde nicht berücksichtigt.

Nach der Änderung der Gemeindeordnung wagte die Stadt im Februar dieses Jahres einen neuen Versuch – endlich mit Erfolg. „Wir freuen uns, dass wir Schillerstadt sein dürfen“, sagte Bürgermeister Jan Trost am Montag auf Nachfrage. Alles andere wäre seiner Meinung nach hanebüchen gewesen, werde in der Begründung der Änderung der Gemeindeordnung die Schillerstadt doch explizit erwähnt.

Anders stellt sich die Lage in Steinheim dar. „Es wäre wie ein Etikettenschwindel“, hatte der Grünen-Fraktionschef Rainer Breimaier den Antrag der Freien Wähler auf den Namenszusatz Urmenschstadt in der Februarsitzung des Gemeinderats kommentiert. Der Wunsch der Freien Wähler, den am 24. Juli 1933 gefundenen rund 400000 Jahre alten Schädel mehr Bedeutung zukommen zu lassen, stieß auf wenig Gegenliebe und wurde abgelehnt. Der Steinheimer Steppenelefant sei die Identifikationsfigur und der Sympathieträger und nicht der Schädel, argumentierte die CDU. Im Gegensatz zu Marbach, wo Schiller omnipräsent sei, fehle es in Steinheim an der Substanz, fanden die Grünen. Falscher Zeitpunkt, zu wenig Personal in der Verwaltung für die Ausarbeitung des Antrags, argumentierte indes die SPD. „Ich sehe aktuell keine Not“, sagte auch Bürgermeister Thomas Winterhalter. Und bekräftigt dies gestern auf Nachfrage: „Wir haben derzeit wichtigere Themen.“

In Markgröningen haben sie derweil bereits die Kosten für die neuen Schäferlaufstadt-Ortsschilder berechnet: etwa 220 Euro pro Stück. Die Freien Wähler schlagen vor, die alten Exemplare zu versteigern, bevor sie verschrottet werden, um noch den einen oder anderen Euro für die Stadtkasse herauszuholen. Solche Überlegungen gibt es in Marbach noch nicht, aber die Schilder werden ausgetauscht, sobald der Bescheid da sei, so Trost.