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Ungenehmigter Zaun als Stein des Anstoßes

An diesem bislang ungenehmigten Zaun stört sich Stadtrat Hendrik Lüdke. Foto:privat
An diesem bislang ungenehmigten Zaun stört sich Stadtrat Hendrik Lüdke. Foto:privat
Ausschuss erteilt nachträglich sein Einvernehmen, weil kein Präzedenzfall geschaffen werde – Kritik an Höhe und Optik

Marbach. Die beiden Stadträte der „Parteiunabhängigen Liste Solidarität“ (Puls) im Marbacher Gemeinderat sehen sich gerne als Vertreter einer klar ökologischen Linie. Dennoch ist Hendrik Lüdke jetzt ein geflochtener Holzzaun in der Torgasse ein Dorn im Auge. Weil die von Lüdke als „Totholzzaun“ bezeichnete Einfriedung ohne Baugenehmigung errichtet wurde und mit 1,80 Metern deutlich höher ist als die im geltenden Bebauungsplan vorgeschriebenen 1,20 Meter. Das findet der Stadtrat umso empörender, als sich der Zaun auf einem von der Stadt gepachteten Grünstreifen befindet.

Das „illegal errichtete Ungetüm“ behindere in diesem Bereich der Altstadt den Blick auf die Alexanderkirche, spitz herausragende Äste gefährdeten die Kinder auf dem benachbarten Spielplatz, Radfahrern werde die Sicht auf die Einmündung des Postwegs versperrt, so Lüdkes Kritikpunkte. Die hat in ähnlicher Weise auch eine Anwohnerin vorgebracht und so musste jetzt der Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) des Gemeinderats entscheiden, ob er den Zaun nachträglich genehmigt. Denn eine Baugenehmigung gab es für die Einfriedung bislang tatsächlich nicht, wie Bürgermeister Jan Trost bestätigt.

Erst die Beschwerde der Nachbarin, die sich im Übrigen auch an das Regierungspräsidium gewendet hatte, brachte das Verfahren ins Rollen. Darüber habe die Verwaltung die Ausschussmitglieder aber schon vor zwei Monaten informiert und gleichzeitig angekündigt, über die Genehmigung nach der Sommerpause öffentlich zu beraten. Man habe „größtmögliche Transparenz“ herstellen wollen, so Trost weiter. Das sagt er vor allem, weil Lüdke darauf anspielt, dass der Bürgermeister und die Pächterin gemeinsam im Vorstand des Stadtmarketingvereins sitzen. Er hoffe, so Lüdke, dass die Bauherrin daraus keinen Vorteil gegenüber Otto Normalbürger habe. Dieses Konstrukt findet Trost „an den Haaren herbeigezogen“, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagt.

Die entscheidende Instanz seien die Stadträte im AUT, und die haben nun auch eine Entscheidung getroffen: Mit 6:2Stimmen und zwei Enthaltungen wurde der Zaun genehmigt. Weil es in der näheren Umgebung schon lange Zäune und Hecken auf den Grundstücken anderer Eigentümer gebe, die höher als 1,20 Meter seien, und mit der Genehmigung des neuen Zauns kein Präzedenzfall geschaffen werde, so der Tenor.

Trost verweist zudem darauf, dass es auf dem Grundstück schon „viele Jahre“ einen ähnlichen Zaun gebe und ein solches Exemplar nun auch auf der seit dem vergangenen Jahr von der Stadt gepachteten Fläche stehe. Gleichwohl bekam die Bauherrin die Auflage, den Zaun „mit wildem Wein oder Efeu“ zu begrünen.