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Unterschriften gegen Verkehrslärm

In Markgröningen kämpft eine Interessengruppe für Tempolimits und stationäre Blitzer – und erhöht jetzt die Schlagzahl

Verkehr quält sich durch die Markgröninger City: Für viele Anwohner ist die Lage kaum zu ertragen. Archivfoto: Drossel
Verkehr quält sich durch die Markgröninger City: Für viele Anwohner ist die Lage kaum zu ertragen. Foto: Drossel

Markgröningen. In der Feinstaubliga spielt Markgröningen keine Rolle mehr. Tempo 30 auf dem Innenstadtring und Durchfahrtsverbote für Lastwagen haben laut Bürgermeister Rudolf Kürner dazu geführt, dass Messanlagen abgebaut worden sind. „Die Werte wurden seit Jahren nicht mehr überschritten“, sagt er.

Dass viele Markgröninger trotzdem unter Blechlawinen, Brummis und Bleifüßen leiden, leugnet kaum jemand in der Stadt. Vor Weihnachten ging eine Bürgerinitiative an den Start, der sich Markgröninger und Unterriexinger angeschlossen haben. „Wir Anwohner der Hauptverkehrsachsen leiden nachhaltig unter dem ständig wachsenden Verkehr, der durch Markgröningen und Unterriexingen fließt oder leider sehr häufig auch steht“, sagt die Sprecherin Gabriele Wilms. „Mit Porsche in Sachsenheim und dem geplanten Standort in Schwieberdingen fürchten wir eine weitere, drastische Zunahme an Autos und vor allem auch an LKW-Durchgangsverkehr.“

400 Unterzeichner sind dabei

Wilms und ihre Mitstreiter, zu denen unter anderem das Unterriexinger Bürgerforum zählt, haben klare Vorstellungen, was in der Stadt passieren muss: Tempo 30 auf allen Straßen zumindest zwischen 22 Uhr und 6 Uhr, ständige stationäre Blitzer an den Ortseingängen und zwischen den Teilorten und eine konsequentere Überwachung des LKW-Durchfahrtsverbotes. Zudem wollen sie Poller, damit Gehwege an der Graf-Hartmann-Straße, Paulinenstraße oder der Unterriexinger Engstelle nicht überfahren werden können.

Dem Bürgermeister hat die Initiative jetzt eine Liste mit knapp 400 Unterschriften überreicht. „Hätte Corona uns nicht ausgebremst, wären noch deutlich mehr Unterschriften zusammengekommen“, sagt Wilms.

Kürner scheint den Forderungen der Initiative grundsätzlich positiv gegenüberzustehen. „Wir sind aber bei der Umsetzung auf das Landratsamt und die Polizei angewiesen“, sagte er im jüngsten Gemeinderat. Neue stationäre Blitzer auf Höhe des Musikerviertels, an Eingangsstraßen oder Richtung B.10 seien in der Vergangenheit immer abgelehnt worden. Er kündigte aber einen neuen Anlauf bei der nächsten Verkehrsschau an, die in Kürze in Markgröningen stattfinden soll.

Für viele Markgröninger scheint das jedoch zu wenig zu sein. „Wir haben den Eindruck, dass Sie das Thema langweilt“, rief eine Anwohnerin der Möglinger Straße der Verwaltung in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats zu. Das wollte Kürner so nicht stehenlassen. Er verwies darauf, dass das Rathaus etwa für den Enzabstieg und Einbahnstraßenregelungen an der Münchinger Straße und Möglinger Straße kämpfe.

Außerdem setzt Kürner weiterhin auf die Vervollständigung der Ortsumfahrung. Die hält er nach wie vor für ein Erfolgsmodell, das dazu geführt habe, dass heute rund 6000 Fahrzeuge weniger durch die Stadt fahren würden. „Sie ist 2023 zur Planung in das Kreisstraßenprogramm aufgenommen“, so der Rathauschef. „Wir bemühen uns, gemeinsam etwas zu erreichen.“

Der Lückenschluss ist in Markgröningen und Unterriexingen allerdings umstritten. Eine weitere Bürgerinitiative kritisiert und bekämpft ihn seit Jahren. „Wir wollen die Vollendung auch nicht“, sagt Bärbel Öftering vom Unterriexinger Bürgerforum, weil sie dann auf ihren Ort noch mehr Verkehr zurollen sieht.

Die Fraktionen unterstützen offenbar die Forderungen der Unterschriftensammler. Der CDU-Fraktionschef Erich Hutflus hofft mit Blick auf das Landratsamt und die Polizei, dass „steter Tropfen den Stein höhlt“. Der SPD-Fraktionschef Pedro Fernandes bezeichnet die Praxis der Verkehrsschau als „Zumutung. Das Prozedere dauert zu lange“. Für die Freien Wähler ist es ein Erfolg, dass auf der Bahnhofstraße Flüsterasphalt verlegt worden ist. FDP und GAL drängen auf Lösungen, die schnell umsetzbar sind. Die GAL-Stadträtin Katja Drobac-Liebmann: „Wenn wir Fahrradwege verbessern, vertreibt das auch den Verkehr.“

Und da wäre ja noch die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Ludwigsburg, die heiß diskutiert wird und langsam näher rückt.

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