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Verdi: Zehn-Punkte-Plan für Arbeitsschutz

Mehr Transparenz bei Regierungsentscheiden gefordert – Kitas im Kreis verteilen schon Masken an Personal

Erzieher können nicht immer Abstand zu den Kindern halten. Archivfoto: Julian Stratenschulte/dpa
Erzieher können nicht immer Abstand zu den Kindern halten. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Kreis Ludwigsburg/Stuttgart. Für die Kindertageseinrichtungen (Kitas) forderte die Gewerkschaft Verdi gestern besseren Arbeitsschutz unter Coronabedingungen. Auch sollen die Entscheidungsprozesse der Landesregierung darüber, wann Notbetreuung eingerichtet wird, transparenter werden. Kitas im Land und auch im Kreis Ludwigsburg seien unter den aktuellen Zuständen belastet.

„Die Auslastung der Einrichtungen liege im Südwesten durchschnittlich bei 40 Prozent, zum Teil sogar bei 70 oder 80 Prozent“, sagt Martin Gross, Landesbezirksleiter von Verdi. Zudem will die Landesregierung ab nächster Woche wieder in den Normalbetrieb zurückkehren. Zu früh wie die Gewerkschaft findet. „Wir brauchen konkrete Vorgaben vom Land, wie der Betrieb in den Kitas laufen soll“, sagt Hanna Binder, stellvertretende Landesbezirksleiterin von Verdi. Dafür hat die Gewerkschaft einen Zehn-Punkte-Plan formuliert. Demnach sollen beispielsweise an die Kitamitarbeiter FFP2-Masken verteilt werden und eine Maskentragepflicht für Externe und Eltern auf dem Kitagelände erlassen werden. Zudem wird empfohlen, wo es geht, Homeoffice zu ermöglichen, etwa für Elterngespräche. Das Land soll dabei für passende Endgeräte sorgen, oder die Mitarbeiter finanziell unterstützen, wenn sie ihr eigenes benutzen.

Auch soll, wie im ersten Lockdown, klar festgelegt werden, wer die Notbetreuung in Anspruch nehmen darf. Zudem seien die Entscheidungsprozesse der Landesregierung in den vergangenen Monaten undurchsichtig gewesen, wann Notbetreuung eingerichtet wird. Dafür müsse man in Stuttgart Inzidenzwerte festlegen, anhand derer bestimmt wird, ob in Notbetreuung oder in Normalbetrieb gearbeitet wird, fordert Verdi. Letztlich solle laut Hanna Binder eine Kita erst geöffnet werden, wenn sie alle zehn Punkte umgesetzt hat. Die „Erzieher richtig zu schützen ist wichtig, da diese nicht immer Abstand zu den Kindern halten können“, so Binder.

Die Erzieher richtig zu schützen, liegt im Moment bei den Kommunen als Träger, so auch in Asperg. Stephanie Knorpp ist für die Fachbereichsleitung der Kindertageseinrichtungen der Kommune zuständig: „Wir haben eine Auslastung in den Einrichtungen zwischen 15 und 30 Prozent. Kitas sind teils wegen mangelnder Nachfrage auch geschlossen.“. In Asperg gebe es keinen Mangel an Erzieherinnen, so dass der Betrieb in normalem Umfang funktioniert. Doch die Bedürfnisse aller Mitarbeiter zu berücksichtigen, sei eine Herausforderung. „Fünf Erzieherinnen gehören einer Risikogruppe an und arbeiten daher nicht mehr direkt mit den Kindern“, so Knorpp. Sollte am Montag wieder ein Normalbetrieb starten, sieht Knorpp die Kitas in Asperg gerüstet. Ab kommender Woche werden zusätzlich zu den OP-Masken auch FFP2-Masken verteilt. „Ich denke, dass wie auch jetzt ohnehin nicht alle Eltern ihre Kinder in Betreuung geben werden.“

Auch im Kinderhaus Steinstraße in Steinheim ist man nur zu rund 40 Prozent ausgelastet, sagt Leiterin Christine Klotz. Zum Schutz von Kindern tue man einiges, gerade nach einem Coronafall vor Weihnachten. „Die Mitarbeiter bekommen von der Stadt FFP2-Masken gestellt“, so Klotz. Zudem wird bei den Kindern jeden Morgen Fieber gemessen. Teambesprechungen erfolgen per Zoom. Wegen Personalmangel ist jetzt schon die Betreuungszeit um zwei Stunden gekürzt worden. „Einen Normalbetrieb werden wir nicht stemmen können.“

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