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Vereine buhlen um Mitglieder

„Wir haben massive Einbußen. Durch Corona sind uns vor allem im Jugendbereich fast die Hälfte der Mitglieder weggebrochen.“ Nicht nur der Jugendleiter Karate des SGV Murr, Frank Hitz, berichtet von einem großen Mitgliederschwund bei den Jugendlichen, sondern auch der Jugendwart des GSV Höpfigheim. Von einem Trend spricht man im Sportkreis Ludwigsburg aber nicht.

Die Coronapandemie und damit zusammenhängend geschlossene Sportplätze haben die Vereine vor Herausforderungen gestellt. Foto: dpa/Bernd Thissen
Die Coronapandemie und damit zusammenhängend geschlossene Sportplätze haben die Vereine vor Herausforderungen gestellt. Foto: dpa/Bernd Thissen

Kreis Ludwigsburg. „Viele andere Interessen wie Spielkonsole oder Handy“, nennt Jugendleiter Patrick Hoffmann als Grund dafür, warum der GSV Höpfigheim ebenfalls massiv um Jugendliche werben muss. Die Einbußen durch die sportfreie Zeit während Corona hielten sich zwar in Grenzen, aber es sei sehr schwierig, neue Mitglieder zu gewinnen. Den 14- bis 18-Jährigen sei das Moped oder die erste Freundin wichtiger als der Fußballverein. Bei den Jüngeren sei der Sport zwar wichtig, aber das Angebot auch sehr groß. „Der Bewegungsdrang ist bei den Zehnjährigen schon da, aber sie wechseln auch viel, zum Handball, zum Tischtennis“, weiß Hoffmann. Auf dem Land sei es tendenziell noch schwieriger. Von der D- bis zur A-Jugend habe Höpfigheim Spielgemeinschaften, da der Verein keine eigene Mannschaft zusammenbringt. Es bestehe aber die Möglichkeit, als Gast in Freiberg oder Pleidelsheim zu kicken und dann zu den zwei Höpfigheimer Herrenmannschaften zurückzukommen. Aber natürlich sei das Ziel, schon in der Jugend Mannschaften zu bilden. Deshalb wirbt der GSV Höpfigheim derzeit verstärkt auch in den sozialen Medien um neue Mitglieder. Flyer sollen noch folgen. Hoffmann sieht aber auch die Eltern in der Pflicht: „Es besteht eine Tendenz, sich vom Sport abzuwenden. Die Eltern haben eine Verantwortung, für einen körperlichen Ausgleich zu sorgen“, findet er. Zu viele Kinder hätten einfach auch keine Lust, da müsse das Elternhaus die Freude an der Bewegung wecken – ohne sie zu überlasten. „Die Kinder müssen teilweise vom Klavier zum Fußball hetzen und dann auch noch Hausaufgaben machen“, sagt Hoffmann.

Über die Kinder will auch der SGV Murr die Erwachsenen werben. Die Idee ist, zeitgleich zum Kindertraining einen Anfängerkurs für Erwachsene anzubieten. Ende September möchte man starten, mit einer groß angelegten Werbung soll das Interesse geweckt werden, so Frank Hitz.

In der Kindersportschule des TSG Steinheim nehmen indes die Anfragen eher zu, obwohl hier Kosten entstehen. Auch im Kinderturnen habe man trotz eingeschränktem Betrieb keine Einbußen, so der Vorsitzende Ulrich Hammerle. Da im Fußball derzeit der Spielbetrieb nur eingeschränkt laufe, müsse man den Herbst abwarten. „Wir haben zwar Abgänge, aber es ist nicht so, dass uns die Kinder in Scharen davonlaufen.“

„Wir haben auch Schwund, das lässt sich nicht beschönigen, aber bei uns treten eher die Erwachsenen aus unserem Sportvereinszentrum aus“, sagt Uwe Schober von der Spielervereinigung Besigheim. Während Corona habe man diese Austritte nicht durch Neueintritte kompensieren können, aber das habe sich nun wieder etwas stabilisiert. Bei den Erwachsenen bestehe eher die Gefahr, dass sie Sport ohne Verein machen. Im Fußball oder beim Kinderturnen verzeichne man indes Zuwächse. „Wir haben aber auch versucht, während aller Lockdowns den Kontakt zu den Kindern zu halten“, sagt Schober. Man habe Videos offeriert, sei raus in die Natur, habe in der Stadthalle ein Programm angeboten. Das werde man auch im Herbst fortführen und versuchen, verstärkt Sport im Freien anzubieten. Hierfür sieht Schober einen Bedarf, weniger dagegen für Hybridangebote von Kursen im FitCom. Die während Corona gedrehten Videos stünden aber weiter zum Abruf zur Verfügung. Bei den Erwachsenen gehe der Trend auf jeden Fall mehr in Richtung Gesundheitskurse oder Gerätetraining.

Der Mitgliederschwund ist da“, bestätigt auch der Präsident des Sportkreises Ludwigsburg, Matthias Müller. 7681 Mitglieder haben die Vereine im Sportkreis Ludwigsburg im Vergleich von 2020 auf 2021 verloren. Die Abnahme bei den Jugendlichen bis 18 Jahren beläuft sich auf 5142 Mitglieder, insgesamt sind es noch 60545 Jugendliche. Zum Vergleich: Bei den Älteren gab es einen Anstieg von 36435 auf 36879, 83482 Mitglieder sind Frauen.

Matthias Müller nennt für den Rückgang zwei Gründe: Die geburtenschwachen Jahrgänge zum einen und zum anderen seien in der Pandemie viele Jugendliche ausgetreten. Die Vereine hätten keine Angebote in der Halle machen können, auch die Kooperationen mit den Schulen seien ausgefallen. Dies merke man beim Turnen, wo die Mitgliederzahl um 2155 aus 26072 zurückging, aber auch beim Fußball mit einem Rückgang von 760 auf 11462.

In den vergangenen 14 Tagen verzeichneten die Vereine wieder eine leichte Zunahme, besonders die Schwimmvereine hätten Zuwachs. Die Mitgliederzahl steigt beim Schwimmen um 1148 auf insgesamt 2728. Auch Tennis- und Handballvereine legten zu. „ Events wie Handball-WM oder ein Olympiasieg im Tennis machen gleich immer etwas aus“, weiß Müller. Die Probleme im Fußball sieht er auch in der Mannschaftsgröße begründet: „Da braucht man elf Mann, weshalb es inzwischen viele Spielgemeinschaften gibt.“ Aber auch da hofft er auf Entspannung nach den Sommerferien. Die mitgliederstärksten Vereine im Sportkreis sind die Sektion Ludwigsburg des Deutschen Alpenvereins (7121 Mitglieder), der MTV Ludwigsburg (6621) und der Sportverein Salamander Kornwestheim (6467).

Die Vereinsfitnesszentren wie das Funsportzentrum in Kornwestheim oder das Fitcom in Besigheim hätten über Online-Angebote ihre Mitglieder gehalten, diese seien es auch gewohnt, in Kursen gemeinsam Sport zu machen. Schwieriger werde es aber, neue zu gewinnen. „Die Erwachsenen wollen flexibel sein und joggen gehen kann ich, wann ich will“, sagt Matthias Müller.

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