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Vereine fühlen sich benachteiligt

Alles schon mal da gewesen. Ab Montag haben auch die Sportvereine wieder geschlossen. Die Vereinsgaststätten sind zu, ebenso wie die Sportzentren. Für manche Vereine ist der erneute Lockdown finanziell nur schwer zu verkraften.

Kinderturnen im Vereinssportzentrum in Besigheim.Archivfoto: Ramona Theiss
Kinderturnen im Vereinssportzentrum in Besigheim. Foto: Ramona Theiss
So sehen große und moderne Vereine aus: Das Sport-Quadrat in Bietigheim.Archivfoto: Alfred Drossel
So sehen große und moderne Vereine aus: Das Sport-Quadrat in Bietigheim. Foto: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Die Unsicherheit schwingt immer mit. „Klar sind wir ein gesunder Verein, aber solche Maßnahmen sind nur bis zu einem gewissen Grad tragbar. Die langfristigen Schäden sind heute noch überhaupt nicht absehbar“, sagt Jan Bodmer, Geschäftsführer des TSV Bietigheim. Er vertritt den größten Verein in der Stadt und hat daher auch eine große Verantwortung.

Und er hat ein Vereinssportzentrum. Hier können die Mitglieder, aber auch andere Personen Sport treiben, von der Rückengymnastik bis zum Rehasport. Leisten können sich das meist nur die ganz großen Vereine, und das Geschäft ist risikoreich. Es müssen neue Hallen und Gebäude erstellt, Geräte angeschafft und die Trainer angestellt werden.

Damit lässt sich zwar Geld verdienen, doch in Coronazeiten kann es auch viel Geld kosten. „Wir wissen schon, wie das geht. Wir haben noch die Schilder und Plakate vom Frühjahr. Wir machen dann Online-Angebote“, erzählt er vom Programm in der nächsten Woche. Doch eines will ihm nicht in den Sinn: Warum muss der Turn- und Sportverein in Bietigheim zumachen, wenn es keinen einzigen Corona-Fall im Verein gab. Und andere Bereiche des öffentlichen Lebens dürfen weiterlaufen.

Bei Thomas Eeg sieht es ähnlich aus. Er ist Geschäftsführer des Sportvereins Salamander Kornwestheim mit über 7000 Mitgliedern. Damit gehört man zu den Großen im Südwesten. Doch das kleine Corona-Virus macht auch ihm gehörig Angst. „Sport ist nicht der Treiber bei der Infektion. Die Leute haben unser Hygienekonzept angenommen. Doch der Sport ist mal wieder besonders betroffen. Der Lockdown ist für uns schon ein besonderer Einschnitt“, so Eeg. Die Mitarbeiter in dem eigenen Vereinssportzentrum werden vorerst noch weiter bezahlt, doch über kurz oder lang müssten auch sie wieder in die Kurzarbeit.

Klar könnten jetzt Projekte angegangen werden, die sonst bei laufendem Betreib nicht gemacht werden könnten, Dinge wie die Digitalisierung des Vereins oder ein neues Zusammenstellen der Angebote. Doch auf Dauer könne der Betrieb nur mit den Gebühren der Teilnehmer weiter betrieben werden. Auch die Gebühren aus dem Tagesbetrieb seien wichtig. „Doch glücklicherweise haben wir viel Solidarität von unseren Mitgliedern erfahren. Irgendwie sind wir doch eine große Familie.“

In Besigheim sieht es ähnlich aus. Der jetzige Ausgang sei zwar zu befürchten gewesen, doch das mache die Sache nicht besser. „Wir können auf unsere Erfahrungen vom Frühjahr zurückgreifen. Wir müssen die gleichen Fehler nicht mehr machen. Doch am Ende wird der gesamte Sport lahmgelegt“, sagt Torsten Fischer, Geschäftsführer der Sportvereinigung Besigheim (SpVgg). Dabei sei Sport sehr gut geeignet, um das Immunsystem hochzuhalten. Man prüfe aktuell alles, um wenigstens einen kleinen Teil des Betriebs aufrecht zu erhalten. Das Ergebnis würde sich in den nächsten Tagen zeigen. Am Ende müsse die Gesellschaft sich fragen, wie sie die Sache vom Eis bekomme.

Auch bei der SpVgg gibt es ein Sportvereinszentrum. Und auch dieses muss jetzt geschlossen werden. Die Mitarbeiter würden zumindest vorerst weiterbeschäftigt. Schließlich würde man sie auch benötigen. „Doch bei der Unterstützung der Bundesregierung werden bisher nur Wirtschaftsbetriebe bedacht. Wir wissen nicht, ob die Sportvereine auch dabei sind“, so Fischer.

In Ludwigsburg weiß man vorerst noch nicht wie es weiter gehen soll. Der MTV ist der mitgliederstärkste Verein in Ludwigsburg mit rund 7500 Mitgliedern und einer der größten Sportvereine in Baden-Württemberg. Auch hier hat man sich in der Vergangenheit ein Sportzentrum zugelegt, und jetzt muss man hier ohne Einnahmen für die Kosten aufkommen. „Die Ansteckungsgefahr ist bei uns sehr gering. Das liegt auch an unserem Hygiene-Konzept. Aber nur der Profisport darf einfach weitermachen. Das verstehe ich nicht“, sagt Geschäftsführer Ralph Schanz.

Dem MTV würden auch die Pachteinnahmen aus dem Betrieb des Vereinsheims fehlen. Denn auch das Restaurant sei von dem Lockdown betroffen. An anderen Stelle dürfe aber munter weitergefeiert werden und auch in den Schulen oder im Bus sei es nicht möglich, die Abständen zu wahren. „Es ist schwer vorstellbar, dass die Coronakrise in vier Wochen vorbei ist. Wir brauchen ein richtiges Konzept, um durchzukommen“, so der Geschäftsführer.

Fast 24 Millionen Menschen sind in Deutschland Mitglied eines Sportvereins.

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