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Verkehrsminister zeigt sich zurückhaltend

Zugausfälle, Unpünktlichkeit sowie Personalmangel sind bei den Regionalbahnen inzwischen weitgehend passé. Verkehrsminister Winfried Hermann hat gestern eine positive Bilanz beim Personennahverkehr gezogen. Bei den gestrichenen Zughalten der Frankenbahn gibt sich der Grünen-Politiker bedeckt.

Er hält an einigen Bahnhöfen wie hier in Besigheim. Oft braust der Regionalexpress – sehr zum Ärger der Pendler – aber einfach durch. Daran ändert sich vorerst nichts. Archivfoto: Ramona Theiss
Er hält an einigen Bahnhöfen wie hier in Besigheim. Oft braust der Regionalexpress – sehr zum Ärger der Pendler – aber einfach durch. Daran ändert sich vorerst nichts. Foto: Ramona Theiss

Besigheim/Stuttgart. Das Ministerium habe in den vergangenen Monaten „sehr viel darum gekämpft, die Qualität im Schienenpersonennahverkehr zu steigern“, teilte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gestern in einer Online-Pressekonferenz mit. Entsprechend gut ist das Zeugnis ausgefallen, das er den meisten Regionalbahnen ausgestellt hat. „Wir verbuchen insgesamt eine deutliche Verbesserung. Bei den Betreibern fallen deutlich weniger Züge aus“, sagte der Politiker in Stuttgart. Die Bahnen könnten allerdings noch pünktlicher und zuverlässiger unterwegs sein. Probleme sieht das Ministerium vor allem bei Angeboten zwischen Stuttgart und Tübingen sowie bei der Breisgau-Bahn im Großraum Freiburg. Doch wie sieht’s bei der Frankenbahn aus, dem Sorgenkind des nördlichen Landkreises?

Wie mehrfach berichtet sind mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember drei frühmorgendliche Zughalte in Nordheim und Lauffen (beide im Landkreis Heilbronn) sowie in Kirchheim, Walheim und Besigheim zugunsten einer schnelleren Verbindung für die Pendler von Heilbronn nach Stuttgart weggefallen. Nachdem diese Streichungen auf massive Proteste gestoßen waren, fanden Vertreter der betroffenen Kommunen und des Verkehrsministeriums eine Lösung, die allerdings auf einem kleinen gemeinsamen Nenner basiert: Der 6.40-Uhr-Zug aus Heilbronn bedient seit Mitte Januar wieder Zwischenhalte, zwischen 6 und 8 Uhr fährt in jeder Stunde ein schneller Zug. Zudem fahren zwischen 6 und 7 Uhr drei Züge, die viele Halte bedienen. „Dass jetzt wieder ein Regionalexpress zusätzlich überall hält, ist ein Kompromiss“, sagte Hermann.

Doch damit wollen sich die Frankenbahn-Pendler nicht zufrieden geben: Ihre Onlinepetition, dass wieder alle Züge an den Bahnhöfen halten sollen, läuft weiter. Ihr haben sich mittlerweile mehr als 2700 Unterzeichner angeschlossen. Warum sich das Verkehrministerium „nicht gesprächsbereit“ zeige, wie der Initiator der Petition gemeint hat und mit der Causa Frankenbahn nun an Ministerpräsident Winfried Kretschmann herangetreten ist? „Es ist nicht so, dass das Verkehrsministerium nichts zu tun hat“, entgegnete Hermann. „Bei uns kommen täglich hunderte von E-Mails an.“ Zwei Mitarbeiter seien nur damit beschäftigt, diese zu beantworten.

Bei der Frage, ob die gestrichenen Zughalte der Frankenbahn bei einem kommenden Fahrplanwechsel wieder aufgenommen werden würden, bediente sich der Verkehrsminister eines schwäbischen Sprichworts: „Da ein Hemd nur vier Zipfel hat, ist es unmöglich, es an fünf Zipfeln zu packen.“ Hermann sagte jedoch zu, „der Sache noch einmal nachzugehen“. Schließlich sei das Verkehrsministerium bemüht, das Angebot im öffentlichen Personennahverkehr weiterhin nachhaltig zu verbessern.

Grundsätzlich hat Hermann dem Bahnverkehr im Land ein positives Zeugnis ausgestellt. Denn nach monatelangen Zugausfällen und Verspätungen herrscht auf den meisten Strecken der Bahn wieder so etwas wie Normalbetrieb. Nach langem Streit um neue Züge, technische Mängel und fehlende Lokführer ist der Regionalverkehr nach Hermanns Einschätzung wieder in der Spur. Es sei gelungen, das Angebot deutlich zu erweitern, einen großen Teil der Züge zu erneuern und mit einem modernen Angebot vom WLAN über die Klimaanlage bis zum Ökostrom auszustatten, sagte Hermann. „Dabei war Baden-Württemberg früher einmal die Altmaterialsenke der Deutschen Bahn.“

Vor dem Wechsel der Betreiber seien die ältesten und störanfälligsten Fahrzeuge eingesetzt worden, sagte der Grünen-politiker. Mit dem Start der privaten Betreiber wie Go-Ahead und Abellio seien die Pünktlichkeitswerte zwar eingebrochen. Sie hätten inzwischen aber das frühere Niveau zum Großteil wieder erreicht und übertroffen, obwohl das Angebot ausgebaut worden sei. Die meisten Übergangskonzepte und Startschwierigkeiten seien überwunden. „Auch bei den Betreibern landen zahllose Beschwerden und Beschimpfungen“, sagte Hermann. „Die Kritik bleibt bei uns allen nicht ungehört. Sie ist wie ein Stachel, es noch besser zu machen.“ Und es sei, betonte der Minister „vieles deutlich besser geworden“.

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