Logo

Vernetzte Hilfe bei Sucht und Gewalt

Die Tochter aus behütetem Haus schien das große Los gezogen zu haben: Der Ehemann war ein erfolgreicher Manager, es fehlte an nichts. Doch es gab die Einsamkeit zu Hause im goldenen Käfig mit Kind. Zuerst waren es Tabletten, später kam Alkohol dazu. Sie rutschte still in die Sucht und ließ sich gehen. Ihr Mann hatte nur noch abfällige, demütigende Bemerkungen für sie übrig und warf sie eines Tages aus dem Haus. Sie landete sprichwörtlich auf der Straße, schlief auf der Parkbank. Bis sie in einer Kneipe einen Mann kennenlernte, der sie zu sich nach Hause nahm.

350_0900_15352_COST2iq20030.jpg
Süchtig und Opfer von Männergewalt: Vernetzte Hilfe kann die Rettung sein. Foto: Archivfoto: dpa
Ludwigsburg. Ein neues Martyrium begann. In dieser fatalen Zweckbeziehung gab es statt Gefühle nur Schläge. Ihr Alkoholkonsum nahm außerdem bedenkliche Ausmaße an. Auf Entzug und Therapien folgten Rückfälle. Schwer misshandelt und in einem katastrophalen körperlichen Zustand wurde sie schließlich eines Tages von der Polizei ins Notzimmer des Vereins Frauen für Frauen gebracht. Die Leiterin des dortigen Beratungszentrums bei häuslicher Gewalt, Adelheid Herrmann, nahm sich ihrer an. Es gab fortan nicht nur Hilfen zur Überwindung der Sucht, auch die Gewalterfahrung kam als neuer Aspekt hinzu. Inzwischen ist die Frau weitgehend stabil.

Das von Adelheid Herrmann geschilderte Fallbeispiel macht deutlich, wie wichtig es ist, Hilfsangebote besser zu vernetzen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Suchtkranke nicht ins Frauenhaus aufgenommen werden, sie aber ebenfalls Gewalterfahrung haben und entsprechende Unterstützung brauchen. „Wir würden uns hier über mehr Kooperationen freuen“, sagt Stephane Nawrot, Leiterin des neuen, beim Beratungszentrum bei häuslicher Gewalt angesiedelten Projekts Leiko (Leitlinienkonzept). Das Ziel: Frauen mit psychischen Problemen, Suchterkrankungen sowie mit geistigen und körperlichen Behinderungen in das Hilfesystem einzubinden. Wie Nawrot betont, geht es nicht um das Schaffen einer weiteren Einrichtung, sondern um die bessere Vernetzung bestehender Strukturen. Hätte das im geschilderten Fallbeispiel funktioniert, wäre frühzeitig zweigleisig gefahren worden. Also nicht nur Suchthilfe, sondern auch Beratung, um einen Weg raus aus Gewalt und Abhängigkeiten zu finden. Das Projekt „Leiko“ wird von der Aktion Mensch gefördert und läuft bis September 2018.

Damit den guten Wünschen nach mehr Zusammenarbeit der Hilfesysteme auch Taten folgen, finden nun im Frühjahr drei Fachtage statt. Start ist am Donnerstag, 16. März, mit dem Themenbereich häusliche Gewalt und Sucht. Am Donnerstag, 6. April wird der Bereich häusliche Gewalt und Frauen mit Behinderung erörtert und am 5. Mai folgt ein Fachtag zu häuslicher Gewalt und psychischen Erkrankungen. Bei den ganztägigen Veranstaltungen findet nicht nur ein intensiver Erfahrungsaustausch mit renommierten Expertinnen statt, es sollen auch Leitlinien für eine bessere Versorgung der betroffenen Frauen entwickelt werden.

Info: Informationen zu den Fachtagen gibt es bei Stephane Nawrot, Telefon (07141 2983264, E-Mail s.nawrot@frauenfuerfrauen-lb.de.