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Verspätetes Konzept mit vielen Ideen für die Marbacher Innenstadt

Die seit Oktober laufenden Bauarbeiten in der Marktstraße halten viele Kunden von einem Besuch der Innenstadt ab; das Citymanagement will jetzt gegensteuern. Archivfoto: Ramona Theiss
Die seit Oktober laufenden Bauarbeiten in der Marktstraße halten viele Kunden von einem Besuch der Innenstadt ab; das Citymanagement will jetzt gegensteuern. Archivfoto: Ramona Theiss
Citymanagement will während der Sanierung der Fußgängerzone Besucher mit einem Bündel von Veranstaltungen anlocken

Marbach. Mit einem fast hörbaren Aufatmen haben die Stadträte im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats gestern das Konzept aufgenommen, mit dessen Hilfe die Marbacher Innenstadt während der Sanierung der Fußgängerzone belebt werden soll. „Spät kommt es, doch es kommt“, spielte Sebastian Engelmann (Grüne) auf Schillers Wallenstein an; „endlich“ liege ein vielversprechendes Papier vor, meinte Michael Herzog (Freie Wähler).

Dass dieses Konzept erst jetzt auf dem Tisch liegt, wo der erste Abschnitt der auf gut zwei Jahre terminierten Sanierung schon abgeschlossen ist, hat Gründe: Wie mehrfach berichtet, ist Citymanagerin Heike Büttner seit Monaten krankgeschrieben. Ihren Job machen nun der von der Stadtverwaltung dafür abgestellte Ari Mostafa und seit Anfang März die Freiberuflerin Andrea Hahn, die unter anderem im Stadtmarketingverein und im Schillerverein aktiv ist. Mit Unterstützung von Kulturamt und Stadtmarketingverein haben beide in den vergangenen vier Wochen das von den Stadträten so schmerzlich vermisste Konzept auf die Beine gestellt.

Themenabende, Weinlaube und Open Air-Kino

Dessen Komponenten zielen darauf ab, mit Hilfe von Veranstaltungen möglichst viele Besucher in die Innenstadt zu locken – verbunden mit der Hoffnung, dass Einzelhandel und Gastronomie davon profitieren. Das Konzept ruht auf drei Säulen. Unter dem Arbeitstitel „Baustellenmärkte“ sollen an jedem ersten Dienstag im Monat Flohmärkte oder Märkte mit regionalen Anbietern stattfinden – und zwar nachmittags. Andrea Hahn will damit auch testen, ob der Wochenmarkt mittelfristig vom Mittwochmorgen auf den Dienstagnachmittag verlegt werden könnte. Aktuell bieten mittwochs gerade noch vier, fünf Stände ihre Waren an, nachmittags könnte man eventuell mehr Berufstätige ansprechen, so die Überlegung. Die CDU-Fraktionschefin Heike Breitenbücher reizvoll findet: „Man muss auch mal etwas Neues ausprobieren, die Baustellenphase ist dafür durchaus geeignet.“

Die zweite Säule trägt den Arbeitstitel „Freitag.6“. Dahinter steht die Idee, zweimal monatlich am frühen Freitagabend ein Veranstaltungspaket unter einem bestimmten Motto anzubieten. Da könne Livemusik und Tanz auf dem Programm stehen, die Gastronomen ihre Angebote auf das Motto abstimmen, Vereinen eine Plattform geboten werden, um sich zu präsentieren. Als Beispiele nennt das Konzept Abende, die auf ein europäisches Land abgestimmt sind, der Kelterplatz könnte zum Open Air-Kino werden, eine Weinlaube auf dem Burgplatz ist ebenso vorstellbar wie ein Chorwettstreit oder ein Oldieabend.

Säule Nummer drei: Mit den Kindern sollen deren Eltern in die Innenstadt gelockt werden– deshalb soll es samstags unter dem Stichwort „Baustellenkids“ verschiedene Aktionen geben, etwa einen Tag rund ums Wasser oder um das Thema Erde; auch hier hofft das Team des Citymanagements auf die Unterstützung der örtlichen Vereine sowie generell auf die Mitwirkung möglichst vieler Aktiver aus der Stadt.

Vom Land soll ein Zuschuss kommen

Das hat nicht nur, aber auch finanzielle Gründe. Für einen Appel und ein Ei werden die Aktionen nicht zu haben sein. Deshalb wird die Stadtverwaltung einen Förderantrag auf 50000 Euro aus dem „Sofortprogramm Einzelhandel/Innenstadt“ des Wirtschaftsministeriums stellen; allerdings muss die finanziell klamme Kommune 40 Prozent der Summe selbst beisteuern. Für Heinz Reichert (SPD) ist das kein Problem: „Jeder Euro ist hier gut investiert, wir wären auch bereit, die Summe aufzustocken.“ Aktuell sei ein Gang durch die Fußgängerzone „deprimierend“, da müsse dringend etwas getan werden.

Michael Herzog lobte den „Mix aus einmaligen und regelmäßig wiederkehrenden Angeboten“ , ebenso, wie die geplante Kooperation mit Annette Fiss, die vor kurzem zur Gartenschaumanagerin gewählt wurde und Marbach aus ihrer Zeit bei den Weingärtnern schon gut kennt. Auch Hendrik Lüdke (Puls) fand „viele gute Gedanken“ im Konzept und appellierte an die Einzelhändler, nun auch mitzumachen und „aufhören, herumzunörgeln.“