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Verständnis, Unmut und große Sorgen

Die Tische bleiben leer: Lokale - wie hier am Ludwigsburger Marktplatz - müssen wieder schließen. Archivfoto: Ramona Theiss
Die Tische bleiben leer: Lokale - wie hier am Ludwigsburger Marktplatz - müssen wieder schließen. Archivfoto: Ramona Theiss
Die vom kommenden Montag an geltenden verschärften Coronamaßnahmen stoßen im Landkreis Ludwigsburg auf ganz unterschiedliche Resonanz, wie erste Reaktionen auf die Beschlüsse zeigen.

Kreis Ludwigsburg. Kommunalpolitik: Vor dem Hintergrund der auch im Landkreis Ludwigsburg unvermindert ansteigenden Infektionszahlen hält es Landrat Dietmar Allgaier durchaus für richtig, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nun deutlich verschärft werden sollen. Die Zahl der bestätigten Coronafälle erhöhte sich gestern um 193 auf 4665; die Sieben-Tage-Inzidenz kletterte auf 127 (plus 7,6). Soweit er die Beschlüsse kenne, gingen sie in die richtige Richtung, sagte Allgaier gestern Abend unserer Zeitung. Nun werde zunächst einmal geprüft, ob eine neue Allgemeinverfügung für den Landkreis nötig sei, oder ob die Landesverfügung ausreiche.

Gastronomie: „Ich halte die Schließung der Gastronomiebetriebe für übertrieben. Wir sind nun wirklich nicht das Problem. Was in unseren Häusern passiert, ist nachvollziehbar“, kommentierte Burkhard Schork, der Chef de Cuisine des Romantik-Hotels und Restaurants Friedrich von Schiller die neuen Einschränkungen für seine Branche. Zusammen mit seiner Frau Regina betreibt er seit 1988 das Unternehmen am Marktplatz in Bietigheim-Bissingen. Gleich gestern wurde das während des ersten Lockdowns entwickelte To-go-Angebot wiederbelebt. Die Mitarbeiter sind seit dem Frühjahr in Kurzarbeit. „Das ist eine ordentliche Maßnahme, die wirklich hilft“, sagte Schork. Verlängert werden müsse die bis zum Jahresende geltende Mehrwertsteuersenkung. Von den gestern angekündigten Hilfen des Bundes hält der Gastronom dagegen nichts. „Das ist nur politisches Gewäsch“. Regine Schork macht die andauernde Ungewissheit, wie es weitergeht, inzwischen zu schaffen. So geht es auch Pia Heidler, Geschäftsführerin des Café Provinz in Marbach. „Das macht psychisch mürbe“, sagte sie, zeigte aber durchaus ein gewisses Verständnis für die neuerlichen Beschränkungen. „Vielleicht ist es das nötige Warnsignal an alle, die sich bis jetzt noch nicht vernünftig verhalten“, sinniert sie. Seit 1985 betreibt Heidler die kleine Kultkneipe. Den ersten Lockdown habe sie dank der Soforthilfe gerade so überstanden. „Und zwei, drei weitere Wochen Schließung müsste ich mit staatlicher Unterstützung jetzt auch überbrücken können“, hofft sie. Größere Betriebe hätten es da schwerer als sie.