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Verteidiger wollen die Aufhebung der Haftbefehle

Prozess wegen über 65 Kilogramm Marihuana – Staatsanwaltschaft: Drogen sollten per Laster zugestellt werden – Angeklagte machen keine Aussagen

kreis ludwigsburg. Genau 65,5 Kilo Marihuana stellte die Polizei am 16. Mai vergangenen Jahres anlässlich einer Razzia in Murr sicher. Der Wert des Rauschgiftes wird mit 250000 Euro angegeben und sollte zu einem Ludwigsburger Dealer weitergereicht werden. Der Empfänger der Drogen sowie ein 32-Jähriger aus Bietigheim und zwei weitere mutmaßlich Ludwigsburger sowie Leonberger Beteiligte sitzen jetzt auf der Anklagebank am Stuttgarter Landgericht – und schweigen.

Es war an jenem 16. Mai der ganz große Erfolg der Polizeidienststellen Heilbronn, Ludwigsburg und Böblingen. Im Zuge monatelanger verdeckter Ermittlungen hatten die Fahnder dann schließlich Mitte April von der geplanten Lieferung des Marihuanas erfahren, wie später in einer Presseerklärung bekanntgegeben wurde.

Ein Fahrer einer internationalen Spedition in Bietigheim sollte mit seinem Laster die Drogenkartons ausliefern. Die Kriminalpolizei hatte sich jedoch auf die Lauer gelegt – und die Männer bei der Drogenübergabe auf frischer Tat festnehmen können. Auch das Rauschgift konnte sichergestellt werden.

Die Ermittler hatten beobachtet, wie einer der Angeklagten, ein 34-Jähriger aus Bietigheim-Bissingen, das Rauschgift mit dem Laster zustellte. Nachdem die Kartons, in denen die Ware verpackt war, in Murr umgeladen wurden, mit der Absicht, sie an andere Dealer auszuliefern, erfolgte der Zugriff der Polizei.

In den Behältern sollen laut Anklage genau 65,5 Kilo Marihuana sichergestellt worden sein. Verkaufswert: rund 250000 Euro.

Bereits am Freitag begann das Verfahren gegen die vier Männer, die aus Albanien, Italien und Serbien stammen. „Gemeinschaftliches Handeltreiben mit großen Mengen Rauschgift“, so der Vorwurf. Bereits Anfang letzten Jahres sollen die Angeklagten sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen haben, um diesen großen Deal durchzuziehen, wie es in der Anklage heißt. Dazu kam es allerdings nicht mehr. Die Kartons mit der heißen Ware liegen jetzt in der Asservatenkammer der Stuttgarter Staatsanwaltschaft und sollen nach Abschluss des Verfahrens vernichtet werden.

Jedoch soll dieser Groß-Deal nicht der einzige sein, den die Anklagebehörde zumindest einem der vier Männer anlastet. Vor einer anderen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts sei derzeit ein Fall anhängig, in dem es um noch größere Mengen Rauschgift geht, wie die Staatsanwaltschaft am Prozessauftakt nebenher wissen ließ. Der Grund: Die Verteidiger hatten beantragt, diese Sache ebenfalls mit zu verhandeln. Ob es dazu kommt, ist noch nicht entschieden.

Die vier Angeklagten machten am gestrigen ersten Verhandlungstag keine Angaben zu dem Vorwurf. Hingegen beantragten drei der Verteidiger, das Verfahren gegen ihre Angeklagten auszusetzen und die Haftbefehle aufzuheben, weil angeblich in der Anklageschrift nicht alle Vorwürfe „konkretisiert“ worden seien. Es sei vor allem nicht klar deutlich beschrieben, wer von den Beschuldigten wann und mit wem die Lieferung besprochen und vereinbart hätte.

Auch aus diesem Grund sei die Anklageschrift rechtlich nicht haltbar und das gesamte Verfahren auszusetzen. Das Gericht lehnte diese Anträge, insbesondere die Aufhebung der Haftbefehle, ab und vertagte den Prozess auf den 11. Juni.

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