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Martin Bernhard (rechts) hat sich klar gegen Dauerkandidat Ulrich Raisch durchgesetzt. Foto: Andreas Essig
Martin Bernhard (rechts) hat sich klar gegen Dauerkandidat Ulrich Raisch durchgesetzt. Foto: Andreas Essig
Vor der Bürgermeisterwahl am 25. September trafen Amtsinhaber Martin Bernhard und Dauerkandidat Ulrich Raisch aufeinander

Tamm. Während es draußen regnete, tröpfelte es im Tammer Bürgersaal nur. Das Interesse an der Vorstellung der Kandidaten für die Bürgermeisterwahl hielt sich in Grenzen: Nur etwa 40 Bürger wollten hören, was die Kontrahenten, Amtsinhaber Martin Bernhard und der ewige Aspirant Ulrich Raisch, zu sagen hatten. „Vielleicht liegt der Besuch ja am Wetter“, mutmaßte der Vorsitzende des Wahlausschusses und ehrenamtliche stellvertretende Bürgermeister Dr. Alfred Richter. Wahrscheinlicher aber dürfte sein, dass Bernhard bereits seit acht Jahren die Geschicke Tamms auf der Entwicklung von der Gemeinde zur Stadt lenkt.

„Ein Highlight in meiner Amtszeit“, so der studierte Architekt, Jahrgang 1959. Mit Begeisterung und ungebremst wolle er weiter mit allen für diese Stadt arbeiten. Hochmotiviert und ambitioniert geht der Vater dreier Kinder und Opa von sechs Enkeln ins Rennen. Er erklärt in 15 Minuten sein Programm, das auf acht Säulen basiert, nachzulesen auch in seiner an alle Tammer Haushalte verteilten Broschüre.

Viele Projekte für Infrastruktur und Energieversorgung

„Acht Jahre sind wie im Flug vergangen“, sagt Bernhard. Zahlreiche Projekte seien abgeschlossen worden, einige Leuchtturmprojekte auf den Weg gebracht wie das Wärmenetz, der Radwegausbau, der Neubau des Feuerwehrgerätehauses und der Grundschule Hohenstange. Aber auch der Neubau und die Planung mehrerer Kitas, der barrierefreie Ausbau von Bushaltestellen sowie viele Projekte im Ehrenamt seien angepackt werden. Zudem stehe das Wohngebiet Calwerstraße kurz vor der Erschließung. „Für all das haben ganz viele beigetragen. Dafür sage ich von Herzen danke.“

Bernhard will nach vorne blicken. Unter anderem Kinder sollen optimale Startmöglichkeiten bekommen. „Kinder und jungen Menschen gehört die Zukunft unserer Stadt.“ Das Rückgrat Tamms sei eine funktionierende Infrastruktur mit zukunftsfähiger Mobilität. Innenentwicklung vor maßvoller Außenentwicklung müssten Credo sein. Dabei sollten ökologische Aspekte in der Stadtplanung noch mehr Bedeutung gewinnen. Beispiel für intelligente Raumplanung sei die Teilüberbauung des P&R-Parkplatzes und der Bebauung südlich des Rathauses. Im Hinblick auf die Klimaänderung sei es wichtig, „grüne Oasen“ zu schaffen und die Landschaft nicht zuzubauen.

Sozialer Zusammenhalt wichtig

„Schaue ich nach vorne, so freue ich mich auf den zentral gelegenen künftigen Bürgergarten als Wohlfühlort der Kommunikation für alle Generationen.“ Neben all den Veränderungen gelte es aber auch, die historischen Gebäude zu bewahren. Vereine und das Ehrenamt seien der Kitt der Stadtgemeinschaft, nannte Bernhard zahlreiche Beispiele: Bürgerbus, Repaircafe, TafF, die Kulturwerkstatt und die vielen Vereine. „Die bereichern Tamm menschlich. Auch die Kirchen und die Feuerwehr. Den Senioren gilt ein weiteres Augenmerk des Amtsinhabers, etwa mit dem Seniorenkino oder einem eigenen Treffpunkt auf der Hohenstange.

Um all das leisten zu können, müsse eine solide Finanzpolitik weiterhin die Basis sein. „Ein Leben auf Kosten kommender Generationen ist für mich keine Option.“ Er plädiert deshalb für eine behutsame Erweiterung des Zweckverbandsgebietes Laiern.

„Ich hoffe sie spüren: Ich möchte weiterhin gemeinsam mit Ihnen die Zukunft unserer Stadt gestalten“, so Bernhard am Ende. Der Anfang in den vergangenen acht Jahren sei gelungen.

Raisch ohne Wahlprogramm

In der anderen Ecke steigt Ulrich Raisch in den Ring. Speziell zu Tamm verliert er kein einziges Wort. Wahlprogramm? Fehlanzeige. Der Pädagoge fabuliert von drohender Diktatur und der Bürgerpflicht, die Demokratie zu verteidigen. 63-Mal trat er bereits zu einer Wahl an. „Ich kenne jede Stadt unter 20000 Einwohner im Landkreis doppelt“, sagt er.

Beim letzten Mal in Tamm 2014 holte er 0,8 Prozent. Raisch selbst rechnet sich auch an diesem Wahltag, dem 25. September, keine Chance aus. „Ich kandidiere, damit die Wähler eine Alternative haben.“ Und das auch in Sersheim, wo er am selben Tag ebenfalls antritt.