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Verzicht auf Präsenzgottesdienste zu Ostern: Ludwigsburger Gemeinden uneinig

Wie bereits im vergangenen Jahr fallen die Ostergottesdienste 2021 wohl der Pandemie zum Opfer. Zumindest möchte die Regierung mit den Religionsgemeinschaften ins Gespräch gehen und darum bitten, auf Präsenzgottesdienste zu verzichten. In Ludwigsburg nimmt man diese Ankündigung unterschiedlich auf.

Wenn es nach der Regierung geht, sollen die Kirchen in diesem Jahr zu Ostern leer bleiben. Bei den Kirchen stößt das auf Ablehnung. Foto: Philipp Schulze/dpa
Wenn es nach der Regierung geht, sollen die Kirchen in diesem Jahr zu Ostern leer bleiben. Bei den Kirchen stößt das auf Ablehnung. Foto: Philipp Schulze/dpa

Ludwigsburg. Die evangelische Kirche in Baden-Württemberg will an Präsenzgottesdiensten zu Ostern festhalten. Die Bitte von Bund und Ländern, darauf zu verzichten, „hat uns sehr erstaunt“, teilte ein Sprecher der Landeskirche in Stuttgart mit. Gisela Vogt, Pfarrerin der Friedenskirchengemeinde und stellvertretende Dekanin in Ludwigsburg, sieht das anders. „Überraschend kam es nicht“, sagt sie. Sie sei sich bewusst, dass Kollegen anders darüber denken, aber für sie gebe es keine Alternative zum Verzicht auf Präsenzgottesdienste in diesem Jahr. „Wir sind als Kirche ein Teil der Gesellschaft. Wenn alle daheim bleiben sollen, müssen wir dazu unseren Beitrag leisten“, sagt Vogt. Natürlich sei es schade – schließlich ist Ostern ein wichtiges Fest für Christen weltweit und schon im vergangenen Jahr sind die Ostergottesdienste ausgefallen oder konnten nur online stattfinden.

„Völlig überraschend“ hingegen kam für Ekkehard Graf, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Marbach, die Ankündigung der Politik. „Noch letzte Woche habe ich in einem Gespräch mit dem Brustton der Überzeugung davon gesprochen, dass uns die religiöse Versammlungsfreiheit in diesem Land wohl nie wieder genommen wird. Da habe ich mich getäuscht“, sagt Graf. Er habe gedacht, dass Bund und Länder seit dem ersten Lockdown dazugelernt haben. Seit Mai 2020 habe sich das Hygienekonzept für die Gottesdienste bewährt – gerade auch in den Weihnachtstagen, an denen die Inzidenz höher lag als aktuell. „Daher bin ich vollkommen erstaunt, dass nun die Ostergottesdienste nicht präsentisch gefeiert werden sollen.“ Dennoch: Es sei wichtig, sich solidarisch zu zeigen. Deshalb ist Ekkehard Graf einverstanden, wenn die Kirchen der Bitte von Bund und Ländern nachkommen.

Auch die katholische Kirche spricht sich für Präsenzgottesdienste zu Ostern aus. „Zu Weihnachten haben wir gezeigt, wie wir mit Vorsicht Messe feiern können. Darauf wollen wir Ostern nicht verzichten“, schrieb der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, am Dienstag auf Twitter. Alexander König, Pfarrer in Ditzingen und Dekan des katholischen Dekanats Ludwigsburg, stimmt dem voll zu. „Ich verstehe die Bitte der Regierung, auf Präsenzgottesdienste zu verzichten, in keiner Weise“, sagt er. An Weihnachten gebe es viele Bräuche und Riten für die Familie, die zu Hause unter dem Christbaum gefeiert werden können. An Ostern gebe es so etwas nicht, so König. „Ohne Gottesdienste fällt das Fest und die Osterfreude einfach aus.“ Und noch etwas ärgert Alexander König: An Weihnachten sei von September bis Dezember öffentlich diskutiert worden, an Ostern über Nacht entschieden. „Daran sehen wir, dass es bei der Weihnachtsdiskussion nicht um den Glauben und die Feste in den Familien ging, sondern um den Kommerz und die Bilanz vor Jahresende“, so der Pfarrer.

Videos und Livestreams im Internet gebe es auch jetzt schon, so König. Jedoch merke man, dass die Möglichkeit nicht so gerne genutzt wird, weil alle bereits wegen Konferenzen und für den Fernunterricht lange Zeit am Bildschirm sitzen. Auch die evangelische Kirche hat bereits virtuelle Gottesdienst im Angebot. „Werden die Klickzahlen mitberechnet, haben wir in Summe sogar mehr Gottesdienstteilnehmer als früher“, sagt Ekkehard Graf. Außerdem weiß er von etlichen Gemeinden, die gerade für Ältere Ostergrüße vorbereitet haben. „Sollten tatsächlich keine präsentischen Gottesdienste stattfinden, so werden wir wie schon im vergangenen Jahr mit vielen kreativen Angeboten dafür sorgen, dass es auf jeden Fall Ostern wird“, so Graf.

Auch die Ludwigsburger Gesamtkirchengemeinde hat sich schon vor Wochen mit möglichen Einschränkungen zu Ostern beschäftigt, so Gisela Vogt. An alle Haushalte der Gemeinde werde ein Leporello mit der Liturgie vom Palmsonntag bis Ostern verteilt. Darin enthalten ist ein täglicher Impuls. „So kann jeder die Passionszeit für sich, aber doch irgendwie in Gemeinschaft erleben“, erläutert Vogt. Weitere Angebote würden jetzt in den Gemeinden ausgearbeitet, zum Beispiel Gottesdienste über Zoom oder Streams von Kirchenmusik.

Bisher hat es noch keine Verlautbarung vom Oberkirchenrat in Stuttgart gegeben, wie weiter vorgegangen werden soll. Was auch entschieden wird, Gisela Vogt hofft auf eine gemeinsame Entscheidung – zumindest für Ludwigsburg. Ob alle Gemeinden der Stadt die gleiche Strategie für die Ostergottesdienste fahren, bleibe jedoch abzuwarten.

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