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Viel Potenzial auf den Dächern

Mehr Photovoltaik ist immer möglich.
Mehr Photovoltaik ist immer möglich.
Die Stadt hat Klimaschutz priorisiert und möchte die Emissionen der Liegenschaften bis 2040 um 80 Prozent gegenüber 1999 reduzieren. Auch bei der Gartenschau-Bewerbung reklamierte sie eine Vorreiterrolle im Klimaschutz. Dafür gibt es noch viel zu tun, vor allem bei der Solarenergie gibt es noch Potenzial.

Marbach. Die Ist-Analyse im Klimaschutzkonzept, das Dr. Kristina Rang von der Ludwigsburger Energieagentur (LEA) in der Gemeinderatssitzung präsentierte, zeigt eine große Schwäche: Der Energieverbrauch der Stadt wird mit 45 Prozent durch private Haushalte bestimmt, 27 Prozent entfallen auf den Verkehr sowie elf Prozent auf das verarbeitende Gewerbe, im Rest sind auch die kommunalen Gebäude enthalten. Bei den Energieträgern dominieren die Kraftstoffe aus dem Verkehr, das Erdgas, Strom und Heizöl. Jeder Einwohner verursacht durchschnittlich sieben Megawattstunden. Die Co-Emissionen lagen 2016 bei 85000 Tonnen, also bei 5,45 Tonnen pro Einwohner. Verantwortlich dafür sind größtenteils der Strom und die Kraftstoffe.

2016 wurden 18333 Megawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, 80 Prozent stammt aus Wasserkraft, 16 Prozent aus Biomasse und Photovoltaik, dies entspricht 30 Prozent des Stromverbrauchs. Bei der Wärme wurden sieben Prozent des gesamten Bedarfs (8334 Megawattstunden) aus klimaschonenden Quellen gewonnen. „Da sieht die Bilanz nicht so schön aus“, so Rang. Ein Großteil wird über Biomasse gedeckt (81 Prozent), der Rest durch Solarthermie-Anlagen.

Bei den Co-Emissionen steht Marbach mit 5,45 Tonnen besser da als der Landesdurchschnitt mit 9,4 Tonnen, beim Einsatz von erneuerbaren Energien oder beim Verbrauch liegt Marbach im Durchschnitt.

Nachholbedarf identifiziert

Potenzial sieht Rang bei der Energieeinsparung, bei der Energieeffizienzsteigerung und im Ausbau der erneuerbaren Energien. Das größte Potenzial gebe es bei den Gebäuden, etwa bei der Dämmung und der Heiztechnik. Im Bereich der erneuerbaren Energien liegt der größte Schatz in der Solarenergie, sowohl für Photovoltaik als auch für Solarthermie. Es bestehe ein technisches Potenzial von 60000 Megawattstunden durch Photovoltaikanlagen sowie 68500 durch Solarthermieanlagen.

Die LEA hat daraus einen Handlungsfaden mit 21 Maßnahmen erarbeitet. Themenfelder sind die Entwicklungsplanung, die kommunalen Gebäude, die Ver- und Entsorgung, die Mobilität, die interne Organisation und die Kommunikation. Gleich die erste Maßnahme soll eine Kampagne zur Nutzung der Potenziale von Photovoltaik und Solarthermie sein. Die privaten Eigentümer sollen sensibilisiert werden, die Kommune hat eine Vorbildfunktion. Um die Wärmewende voranzubringen sind Nahwärmenetze wie in der Altstadt das Ziel. Aber auch E-Ladestationen, Pedelecs oder ein dichterer Takt beim ÖPNV stehen auf der Maßnahmenliste. Energieberatung, Umweltbildung in den Schulen oder die Teilnahme am European Energy Award gehören zu den Aufgaben, die ein Klimaschutzmanager übernehmen kann, dessen bereits vom Gemeinderat beschlossene Stelle jetzt ausgeschrieben werden soll.

Kritik aus dem Gemeinderat

„Das Konzept liest sich so, als ob Marbach sehr engagiert sei, es taucht immer wieder das Wort ,bereits‘ auf“, kommentierte Hendrik Lüdke (Puls). Aber in den vergangenen Jahren wäre noch mehr möglich gewesen, entsprechende Anträge aus seiner Zeit als Grünen-Stadtrat seien vom Gemeinderat aber abgelehnt worden, zum Beispiel die Umweltbildung an Schulen und Kitas. Wenn in der Innenstadt immer noch mehr Parkplätze entstünden und Radwege, zum Beispiel entlang der Poppenweiler Straße, nicht realisiert würden, könne er die positive Selbsteinschätzung der Verwaltung beim Thema Mobilität nicht verstehen. „Wir müssen den Individualverkehr reduzieren“, so Lüdke. „Den ÖPNV unterstützen und keine Neubaugebiete mehr ausweisen ist die bessere Alternative fürs Klima“, findet Lüdke.

„Es fehlt uns noch jemand, der uns an die Hand nimmt“, betonte Dr. Michael Herzog (Freie Wähler). Ohne Fördergelder könne man nichts bewegen. Er hat zudem die Befürchtung, dass durch den Ukraine-Krieg die Klimaschutzziele nicht erreicht werden, „aber vielleicht ist es auch eine Chance, dass die erneuerbaren Energien schneller ausgebaut werden“, hofft er. Gerade deshalb müsse sich die Stadt den Klimaschutz leisten, so Heike Breitenbücher (CDU). Sie wunderte sich zudem, warum der Solaranteil in der Stadt so niedrig sei. Auch Ernst Morlock (SPD) spricht von einer Herkulesaufgabe – finanziell und personell – bei 21 Maßnahmen in drei Jahren.

„Wir sollten da anfangen, wo es großes Potenzial gibt, also bei den privaten Haushalten und beim Verkehr, insbesondere beim örtlichen Radverkehr“, betonte Barbara Esslinger (Grüne). Auch die Kommunikation nach außen spiele eine große Rolle. Auch sie spielte auf frühere Anträge an: „Wir könnten schon weiter sein.“