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Viele Lücken im Zivilschutz

Steffen Gabler vom Bereich Liegenschaften im Löchgauer Bunker, einem von elf nutzbaren Schutzräumen im Kreis Ludwigsburg. Er wird derzeit als Tiefgarage genutzt. Die Sanitäranlagen hängen direkt an den Parkbuchten. Fotos: Alfred Drossel
Steffen Gabler vom Bereich Liegenschaften im Löchgauer Bunker, einem von elf nutzbaren Schutzräumen im Kreis Ludwigsburg. Er wird derzeit als Tiefgarage genutzt. Die Sanitäranlagen hängen direkt an den Parkbuchten. Fotos: Alfred Drossel
Unter anderem werden Gasmasken hier vorgehalten.
Unter anderem werden Gasmasken hier vorgehalten.
Der Krieg in der Ukraine ruft auch das Landratsamt auf den Plan. Denn für den Ernstfall ist man hier kaum gerüstet. Selbst ein großflächiger Stromausfall würde derzeit die Zivilschützer vor kaum beherrschbare Probleme stellen.

Kreis Ludwigsburg. Mit dem brutalen Überfall Russlands auf die Ukraine stellen sich auch bei uns viele Menschen die bange Frage: Wo kann ich Schutz suchen, falls der Krieg auch nach Deutschland kommt?

„Bis vor wenigen Monaten war das ein undenkbares Szenario“, sagt Kreisbrandmeister Andy Dorroch. Doch nun spielen auch die Experten im Landratsamt bislang ausgeschlossene Fälle durch. Klar ist: Bei einem Atomkrieg gibt es keinen wirksamen Schutz. Atomsichere Bunker existieren im Kreis Ludwigsburg nicht. Aber auch im Falle eines konventionellen Angriffes, wie ihn derzeit die Menschen in der Ukraine erleben, sieht es düster aus.

Im Kreis stehen derzeit noch elf Bunker zur Verfügung, die für rund 7300 Menschen Platz bieten. Allerdings sind viele von ihnen zweckentfremdet. In manchen lagern Aktenordner, andere werden als Archive genutzt. „Vielleicht sind momentan fünf sofort nutzbar“, schätzt Dorroch.

Aber auch gegen konventionelle Raketen, wie sie derzeit von den russischen Streitkräften eingesetzt werden, würden diese Bunker keinen Schutz bieten. „Die Sprengkraft der modernen Bomben ist viel zu hoch dafür.“ Maximal könnten Splitter abgewehrt werden.

Da könne man sich genauso in Tiefgaragen oder Kellern verbarrikadieren. Einen Anspruch auf einen Platz im Bunker habe man ohnehin nicht.

Vorbereitung auf Stromausfall

Viel stärker treibt die Experten im Landratsamt die Sorge vor einem großflächigen Stromausfall um. Wie stark die Menschen davon betroffen sein können, hat man vor einigen Wochen in Marbach gesehen, als bei einem Brand Verteilerkästen in Mitleidenschaft gezogen wurden und die halbe Stadt ohne Strom auskommen musste. „Der Stromausfall ist aktuell eine der größten Bedrohungsszenarien“, sagt Dorroch. Schon aktuell wäre Deutschland von Hackerangriffen bedroht. „Wir merken das etwa bei den internationalen Satellitenverbindungen“, verrät der Kreisbrandmeister. Sollte durch einen solchen Cyberkrieg die Stromversorgung lahmgelegt werden, wären Industrie und Bevölkerung gleichermaßen betroffen.

Deshalb wird zurzeit ein Konzept erarbeitet, um die Erstversorgung sicherzustellen. So sollen alle Feuerwehrhäuser in der Kommunen als Anlaufstelle besetzt sein, um Erste Hilfe zu leisten und die Kommunikation aufrecht zu erhalten. Denn ohne Strom auch kein Smartphone. Viele Gemeinden hätten schon jetzt Satellitentelefone angeschafft, um unabhängig zu bleiben. In ersten Übungen werde trainiert, wie die Kommunen sich im Ernstfall zu verhalten hätten. Ein echtes Zentrum für den Katastrophenschutz, in dem Menschen auch Zuflucht finden könnten, sucht man im Kreis jedoch noch vergebens.

Den Bürgern rät Dorroch zur Eigenverantwortung. „Man sollte durchaus einen Notvorrat anlegen, der auch zehn Tage hält“, so der Kreisbrandmeister. In den kommenden Tagen wird zum Zivilschutz ein Flyer im Kreis verteilt, in dem die wichtigsten Infos zum „Verhalten in Krisensituationen“ zusammen gefasst sind.