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Viele sind skeptisch, aber halten sich trotzdem daran

Seit gestern gilt beim Einkaufen sowie in Bus und Bahn eine verschärfte Maskenpflicht. Alltagsmasken aus Stoff sind hier nicht mehr erlaubt. Nur sehr wenige Fahrgäste halten noch an ihrer bisherigen Gewohnheit fest, wie eine Tour im Kreis gezeigt hat.

Artur Morast aus Ingersheim ist mit FFP2-Maske unterwegs. Foto: Holm Wolschendorf
Artur Morast aus Ingersheim ist mit FFP2-Maske unterwegs. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Murr, Ortsmitte, kurz nach neun. An der Bushaltestelle warten zwei Fahrgäste. Während der Mann schon eine FFP2-Maske trägt, holt die Frau erst dann ihre Stoffmaske heraus, als der Bus kommt. Der Fahrer lässt sie unkommentiert einsteigen. Noch ist das eine Grauzone, denn erst ab Februar wird bei Verstößen ein Bußgeld erhoben.

Marbach, Bahnhof. Eine 74-Jährige, die wie weitere Befragte ihren Namen nicht angeben möchte, wartet auf die S-Bahn in Richtung Stuttgart. Sie fahre selten, aber schon länger mit OP-Maske. „Die habe ich mir gleich am Anfang gekauft. Da wusste ich noch nicht, dass es solche Unterschiede gibt.“ Das Maskentragen schaffe eine unglaubliche Distanz. „Ich nehme an, dass es schützt, bin mir da aber nicht ganz sicher. Ich glaube, dass uns viel diktiert wird, was nicht unbedingt sein muss.“

Die S4 nimmt Fahrt auf. Eine 52-jährige Mitarbeiterin des öffentlichen Dienstes erzählt, dass sie schon länger eine FFP2-Maske trägt. „Meine Eltern hatten eine übrig, die haben sie mir gegeben.“ Die behandle sie pfleglich und hänge sie zum Trocknen auf. „Man muss ja auch keine Ressourcen verschwenden.“ Laut Forschern lassen sich nicht als wiederverwendbar gekennzeichnete FFP2-Masken durch mindestens einwöchiges Trocknen an der Luft bis zu fünfmal aufbereiten. Normalerweise fahre sie häufiger Bahn, aber derzeit durch das Homeoffice nur ein- oder zweimal in der Woche. Die Verschärfung finde sie in Ordnung: „Jetzt wo ansteckendere Mutationen rumgehen, ist das wohl sinnvoll. Das hätte natürlich auch schon vergangene Woche sein können.“

Die Bahn ist nun auf der Höhe von Freiberg. Timo Striegel fährt jeden Tag nach Ludwigsburg, wo er als Osteopath arbeitet. Schon vor der Verschärfung hat er sich für eine FFP2-Maske in der Bahn entschieden: „Weil wir sie auch in der Praxis schon länger tragen müssen.“ Die neuen Maskenregeln befürworte er daher.

Zwischen den Stationen Favoritepark und Kornwestheim erklärt ein 22-Jähriger aus der Modeindustrie, warum er zum ersten Mal eine OP-Maske trägt und ihm Stoffmasken lieber waren: „Die OP-Maske rutscht öfter und ist an den Seiten luftdurchlässiger als meine Stoffmaske.“ Die Verschärfung könne er verstehen, wisse aber nicht, ob sie so viel besser ist. Ein Aerosolforscher empfiehlt übrigens, in diesem Fall eine Stoffmaske über der OP-Maske zu tragen, damit diese enger ans Gesicht gedrückt wird.

Ludwigsburg, Zentraler Omnibusbahnhof, Viertel nach zehn. Ulrike Porzer aus Kornwestheim wartet auf den Bus. Bisher habe sie eine Stoffmaske getragen, nun ist sie auf FFP2 umgestiegen. „Ich bin sehr gespalten“, sagt sie zur Verschärfung. Wenn jeder eine Stoffmaske trage und damit die anderen schütze, müsse das doch reichen. Auch seien FFP2-Masken sehr teuer und nicht umweltfreundlich. Als „Skeptiker“ wolle sie aber nicht verstanden werden. Ein Arbeitskollege sei schwer an Covid-19 erkrankt gewesen. Die wohl ansteckenderen Mutationen gelte es noch besser zu erforschen.

Auch am S-Bahnsteig haben sich die Masken durchgesetzt. Anders als im Sommer werden sie nicht beim Aussteigen heruntergerissen. Nur Raucher nehmen sie ab. Und vereinzelt jemand, um kurz Luft zu holen.

Formulierung „medizinische Masken“ sorgt für Verwirrung

Vermutlich mit dem Ziel der Vereinfachung werden derzeit FFP2-Masken fälschlicherweise oft als medizinische Masken bezeichnet. So ist etwa in einer Pressemitteilung des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart von einer „Tragepflicht von medizinischen Masken (FFP2- oder OP-Masken)“ die Rede. Auch das baden-württembergische Verkehrsministerium schreibt, dass „ein medizinischer Mund- und Nasenschutz“ erforderlich ist. Im Weiteren heißt es, dass darunter eine OP-Maske oder ein Atemschutz der Standards FFP2, KN95, N95 oder eines vergleichbaren zu verstehen ist. Streng genommen sind FFP2-Masken jedoch keine medizinischen Masken. Darauf hat Alexander Meyer von den Mylius Apotheken in Ludwigsburg im Gespräch hingewiesen. Bei seinen Kunden sorge das für Verwirrung. Auf Verpackungen von FFP2-Masken ist häufig angegeben, dass es sich um nichtmedizinische Masken handelt, da sie für den Arbeitsschutz gedacht sind. Nur OP-Masken sind medizinische Masken. FFP2-Masken sind aber mitgemeint und dürfen getragen werden.

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