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Vierte Spur für Autofahrer

Der Seitenstreifen auf der A81 zwischen Ludwigsburg-Süd und Zuffenhausen dient seit Montag als vierte Fahrspur, wenn der Verkehr stockt. Die Umsetzung hat mehr als zehn Jahre auf sich warten lassen.

Machen am Montag den Weg für die Nutzung des Seitenstreifens auf der A 81 frei: Verkehrsminister Winfried Hermann (links) und Staatssekretär Steffen Bilger. Foto: Ramona Theiss
Machen am Montag den Weg für die Nutzung des Seitenstreifens auf der A 81 frei: Verkehrsminister Winfried Hermann (links) und Staatssekretär Steffen Bilger. Foto: Ramona Theiss

Möglingen. Die Möglinger Bürgermeisterin Rebecca Schwaderer feiert ihren Geburtstag am Montag an der Autobahn zwischen Häckselplatz und Wasserturm. Lastwagen, Wohnmobile und Sportwagen auf dem Weg nach Zuffenhausen rauschen an ihr vorbei. Zu den Gratulanten zählen der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), der Ludwigsburger Staatssekretär und CDU-Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger und der Asperger Bürgermeister Christian Eiberger. Einige Brummifahrer hupen herzhaft, als sie die Stelle passieren.

Die Gruppe an der A81 hat sich getroffen, um ein Verkehrsprojekt einzuweihen, auf das viele von ihnen seit gut zehn Jahren warten: Die Freigabe des Seitenstreifens zwischen den Anschlussstellen Ludwigsburg-Süd und Zuffenhausen, die der stark belasteten Trasse zumindest temporär eine vierte Spur beschert, wenn der Verkehr ins Stocken gerät. Die Idee: Staus und Unfälle vermeiden und die Kapazität erhöhen.

„Es hat ein bisschen gedauert“, räumte der Abgeordnete Bilger am Montag ein. Der CDU-Politiker kann sich noch erinnern, wie er 2009 während seiner ersten Bundestagskandidatur mit Anwohnern und Kommunalpolitikern in Ludwigsburg für mehr Lärmschutz entlang der Autobahn demonstriert hat.

Dass zwischen den beiden Anschlussstellen jetzt zu Stoßzeiten eine weitere Spur zur Verfügung steht, die im Verwaltungsdeutsch unter temporärer Seitenstreifenfreigabe (TSF) firmiert, soll laut Bilger einen Trend weiter anfachen: den Verkehr intelligent und modern zu steuern.

Rund 3,8 Millionen Euro hat der Bund in den rund 4,3 Kilometer langen Streckenabschnitt investiert, den jetzt 16 Kameras im Blick haben. Diese liefern Bilder an die Verkehrsleitzentrale in Stuttgart, die dann die vierte Spur freigibt, wenn sich die Karawanr staut und keine liegengebliebenen Fahrzeuge die Trasse blockieren. Statt eines roten Kreuzes erscheinen auf den Schilderbrücken grüne Pfeile. Laut Bilger kommen erst zehn Prozent der Autobahnen in Deutschland in den Genuss dieser Technik.

Auf der A81 soll das nur der Anfang sein. Nach Angaben der Leiterin der Autobahn-Niederlassung Südwest, Christine Baur-Fewson, könnte die temporäre Seitenstreifenfreigabe im Laufe des Jahres bis Feuerbach erweitert werden, danach ist der Abschnitt weiter nördlich an der Reihe. Erfasst wäre eine Strecke von rund zwölf Kilometern. Der Kostenpunkt: etwa 7,5 Millionen Euro.

Lob kam am Montag auch von Verkehrsminister Hermann. Der Grünenpolitiker bezeichnete das Vorhaben auf der A81 als „sinnvolle Antwort“ auf Staus und als Baustein zur Digitalisierung des Verkehrsmanagements. „Mit dieser Technologie gelingt es, zeitweilige Verkehrsspitzen besser abzuwickeln – ganz ohne Inanspruchnahme neuer Flächen für den Straßenbau“, so Hermann.

Als Vorbild taugt das Projekt in den Augen des Ministers dennoch nicht. Der Grund: die lange Zeit bis zur Umsetzung. „Wenn man rund zehn Jahre dafür braucht, dann stimmen die Verfahren nicht.“ Bund, Land und Regierungspräsidium müssten sich Fragen lassen, wie man solche Vorhaben künftig besser und schneller realisieren könne. Als Ursachen nannte die Expertin Baur-Fewson am Montag zu wenig Personal in den Behörden, nötige Abstimmungen in Sachen Lärmschutz und die Überprüfung von Bauwerken auf dem Abschnitt.

Klar ist, dass es sich bei der temporären Seitenstreifenfreigabe laut Baur-Fewson nur um eine „Zwischenlösung“ handeln soll – auf dem Weg zum achtspurigen Ausbau der A81. Den führt der Bund in seinem Verkehrswegeplan allerdings nur unter „weiterem Bedarf“. Der Staatssekretär Bilger ruft als Ziel aus, den Ausbau wenigstens bis zum Jahr 2030 zu beginnen. Die Voraussetzungen scheinen günstig. „Wir wollen weiter in den Straßenausbau investieren“, so der Ludwigsburger Abgeordnete. Dafür würden allein im kommenden Jahr bundesweit Rekordmittel in Höhe von rund acht Milliarden Euro bereitstehen. Für die Schiene sei es sogar noch ein bisschen mehr.

Die Möglinger Bürgermeisterin Schwaderer wird das an ihrem Ehrentag gerne gehört haben. Sie verfolgt die Zeremonie am Montag gemeinsam mit ihrem Asperger Amtskollegen Eiberger. „Wir sind die Leidtragenden, wenn es auf der A81 mal wieder stockt“, sagt Schwaderer. Für Eiberger ist die Autobahn „unsere Umgehungsstraße“. Wenn der Verkehr künftig wieder fließe, statt zu stehen, werde das nicht nur Aspergs überlasteten Durchgangsstraßen zugutekommen.

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