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Virtuelle Suche nach dem Ausbildungsplatz

Die Ausbildungsmesse „Bane“ kann wegen Corona in diesem Jahr nicht wie gewohnt in Besigheim stattfinden. Deshalb haben sich die Veranstalter ein neues Konzept überlegt und wollen die Messe ins Internet verlegen. Schüler und Unternehmen sollen davon profitieren.

Kaum Abstand möglich: Hunderte Schüler informieren sich jedes Jahr auf der Ausbildungsmesse „Bane“ in der Stadthalle Alte Kelter. Aufgrund der Coronapandemie ist das diesmal nicht möglich. Archivfoto: Ramona Theiss
Kaum Abstand möglich: Hunderte Schüler informieren sich jedes Jahr auf der Ausbildungsmesse „Bane“ in der Stadthalle Alte Kelter. Aufgrund der Coronapandemie ist das diesmal nicht möglich. Foto: Ramona Theiss

Besigheim. Jugendliche rechtzeitig vor dem Schulabschluss mit Ausbildungsbetrieben aus ihrer Region in Kontakt zu bringen – das ist Ziel der Messe „Bane“, die seit 2016 in Besigheim stattfindet. Zahlreiche Betriebe aus der Region stellen dabei an zwei Tagen im Oktober Berufsperspektiven für junge Leute im nördlichen Landkreis vor. Viele Praktika und Ausbildungsplätze sind so schon vermittelt worden (wir berichteten mehrfach).

Normalerweise findet die Messe „Berufsausbildung Neckar-Enz“ in der Stadthalle Alte Kelter statt, doch aufgrund der Coronapandemie ist das in diesem Jahr nicht möglich. Abstands- und Hygieneregeln könnten bei einer Messe – wo es auf den persönlichen Kontakt ankommt – wohl kaum eingehalten werden, sagte Besigheims Bürgermeister Steffen Bühler am Mittwoch bei einer Sitzung des „Bane“-Steuerungskreises. Zumal auch zahlreiche andere größere Veranstaltungen nicht stattfinden würden.

Ganz abgesagt werden soll die Ausbildungsmesse aber nicht. Auch weil sich das Format gut etabliert habe und die Gefahr bestehe, dass einige Firmen im nächsten Jahr nicht mehr mit dabei wären, sagte Jochen Faber vom Organisationsteam von Info-Idee. Die „Bane“ soll stattdessen online stattfinden – sie wird verlegt von der Stadthalle Alte Kelter ins Internet. An virtuellen Messeständen können sich die Nutzer über Unternehmen, Berufsgruppen und Ausbildungsmöglichkeiten im nördlichen Landkreis informieren. Jeder Betrieb bekommt einen eigenen Messestand, der nach individuellen Wünschen gestaltet wird. So soll es zum Beispiel Infos zum Unternehmen, zu Ausbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen geben; ebenso wie Kontaktmöglichkeiten und Ansprechpartner. Denkbar wären auch eine Chat-Funktion, Grafiken, Fotos oder Filme, erläuterte Faber. Alle Aussteller erhalten zudem vorab einen Fragebogen, auf dem sie die wichtigsten Infos zu ihrem Unternehmen notieren können. Diese stehen dann den Nutzern zur Verfügung. Stattfinden soll die virtuelle „Bane“ zwei Wochen vom 9. bis zum 23. Oktober – vorausgesetzt, es nehmen mindestens 20 Unternehmen daran teil.

Auch wenn die persönlichen Kontakte zwischen Schülern und Ausbildungsbetrieben in diesem Jahr fehlen würden, so sei die Onlinemesse doch ein guter Ersatz für das Original. „Es ist viel mehr als nur eine Krücke, es ist ein ziemlich gut gepolsterter Rollstuhl“, formulierte es Jochen Faber. Die Teilnehmer des Steuerungskreises sahen im neuen Format sogar noch größeres Potenzial: Sie waren sich einig, dass es ein zukunftsweisendes Konzept sein könnte mit Vorteilen für Schüler und Unternehmen. So könne man die Messe beispielsweise online im Unterricht besuchen, auch schon mit jüngeren Kindern ab der sechsten Klasse. Vorausgesetzt, die Schulen sind im Herbst nicht wegen Corona geschlossen. Deshalb sei es wichtig, auch die Eltern umfassend über das Angebot zu informieren und einzubinden.

Für manche Schüler könne die virtuelle „Bane“ sogar größere Vorteile mit sich bringen, weil die Hemmschwelle falle, jemanden persönlich anzusprechen. In den vergangenen Jahren waren stets viele Schulklassen zu Gast auf der Ausbildungsmesse. Und auch die Unternehmen könnten profitieren: Aus Platzgründen mussten die Organisatoren bisher immer wieder Firmen absagen, die sich gerne beteiligt hätten. Das Problem gibt es nun nicht mehr. Deshalb sollen diesmal auch mehr Unternehmen aus dem Bietigheimer Raum teilnehmen dürfen. Die Vorsitzende des „Bane“-Vereins, Rita Haller, kam auf die Bedenken einiger Betriebe zu sprechen, die auf ihre eigenen Homepages verwiesen hatten. Dort gebe es bereits alle wichtigen Infos rund um die Ausbildung. Jedoch: „Die Schüler sind zwar online unterwegs, aber nicht auf diesen Seiten“, ist sich Rita Haller sicher. Und es sei wesentlich einfacher, sich auf einer Seite gebündelt über alle Firmen zu informieren, als sich durch 20 verschiedene Webseiten zu klicken, ergänzte Bürgermeister Bühler.

Die Vertreter des Steuerungskreises waren sich deshalb einig, dass die virtuelle „Bane“ auf jeden Fall stattfinden soll. Sie sei ein Alleinstellungsmerkmal, das es in dieser Form noch nicht gebe – und möglicherweise sogar ein zukunftsweisendes Konzept, das sich parallel zur realen Messe etablieren könnte.

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