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Visitenkarte erstrahlt in neuem Glanz

In Freiberg wird der runderneuerte Bahnhofsvorplatz eingeweiht – Stadt muss 1,3 Millionen Euro tragen – Bahnhofstraße freigegeben

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Bürgermeister Dirk Schaible (rechts) und der Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen enthüllen die Hinweistafel auf die Erneuerung des Bahnhofsvorplatzes. Fotos: Oliver Bürkle
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Die Kinder mussten gegen Motorengeheul ansingen.

Ludwigsburg. Als der Bahnhofsvorplatz am Samstagnachmittag beim bundesweiten „Tag der Städtebauförderung“ offiziell eingeweiht wird, ist der Andrang gewaltig. Weit über 100 Schaulustige drängeln sich vor dem nördlichen Eingang zum S-Bahn-Bahnhof, als die Kinder des Käthe-Kollwitz-Kindergartens das Volkslied „Auf der schwäb’schen Eisenbahn“ anstimmen.

Etwa 21 Hektar umfasst das Stadtumbaugebiet „Bahnhof“. Der Gemeinderat hatte das Areal, in dem rund 700 Menschen leben, vor gut zehn Jahren festgelegt. Im Zuge des Stadtumbaus West sollen Substanz- und Funktionsmängel beseitigt, die Gewerbestruktur erhalten und gefördert, Brach- und Entwicklungsflächen aktiviert, Parksituation sowie Wohn- und Arbeitsumfeld verbessert, der öffentliche Raum aufgewertet werden. Bund und Länder stellen 60 Prozent des Förderrahmens zur Verfügung, die restlichen 1,3 Millionen Euro trägt die Stadt Freiberg. Bei der Umsetzung arbeitet die Kommune mit der Wüstenrot Haus- und Städtebau zusammen. „Es handelt sich um eine komplexe Thematik“, meint Bürgermeister Dirk Schaible, als er die Besucher begrüßt. „Da braucht man Partner mit Fachwissen und guten Kontakten, um an Fördertöpfe ranzukommen.“

Ein zentrales Projekt ist die in vier Phasen untergliederte Neugestaltung des Bahnhofsumfelds. Die Bauarbeiten im ersten Abschnitt, dem Bahnhofsvorplatz Nord, sind bereits weit vorangeschritten. Rechtzeitig zum „Tag der Städtebauförderung ist auch die lange gesperrte Bahnhofstraße für den Verkehr freigegeben worden. „Damit ist eine wichtige Ost-West-Verbindung wieder offen“, sagt Schaible und erntet erleichterten Applaus des Publikums.

Die Fahrbahn wurde verengt, um PKW, Busse und Schwerlastverkehr an dieser neuralgischen Stelle abzubremsen. Dass einige Freiberger immer noch gerne Gas geben, wird aber schon bei der Feierstunde deutlich: Immer wieder werden die singenden Kinder und die Gastredner von Motorengeheul unterbrochen - auch am Freiberger Bahnhof protzt so mancher Zeitgenosse gerne mit den Pferdestärken seines Vehikels.

Wird Bahnhofsvorplatz zur Partymeile?

Laut Schaible, der den Bahnhof als Visitenkarte der Stadt Freiberg bezeichnet, wurde der Förderzeitraum für das Stadtumbaugebiet „Bahnhof“ zuletzt um zwei Jahre verlängert. Die Bauarbeiten des ersten Abschnitts dauern noch einige Monate an. Derzeit werden die Bordsteine an den Bushaltestellen erhöht, um einen barrierefreien Zugang zu den Bussen zu ermöglichen. Eine Überdachung mit Kiosk und öffentlichen Toiletten muss noch gebaut, der Platz mit Fahrradboxen und Pedelec-Station möbliert, neue Laternen aufgestellt werden. Für Radler stehen künftig 40 überdachte Stellplätze zur Verfügung.

Nicht nur auf dem Bahnhofsvorplatz selbst tut sich viel. Im nördlichen Bahnhofsbereich werden in weiteren Bauabschnitten die Parkplätze neu geordnet und die Buswendeschleife in Richtung Ludwigsburger Straße verlegt, anschließend der Bereich zwischen der neuen Volksbank und dem Güterschuppen gestaltet. Der Güterschuppen wird gastronomisch genutzt, auch ein Hotel zieht ein. Auf der Südseite sind zusätzliche Parkplätze vorgesehen, von der Kleiststraße aus ist der Bahnhof künftig barrierefrei zu erreichen.

Architekt Ruprecht Neulinger vom Stuttgarter Büro Zoll muss auch kritische Fragen beantworten. Die Neugestaltung sei gelungen, lobt eine Freibergerin, geht aber davon aus, dass sich der Bahnhofsvorplatz zu einer nächtlichen „Partymeile“ entwickelt. Dies ist nicht auszuschließen, liegt aber außerhalb der Einflussmöglichkeiten des Architekten. Immerhin, versichert Neulinger der Bürgerin, werde die Platzmöblierung mit einem Graffitischutz versehen.