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Volle Präsenz nicht vor Freitag

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. Nach den Pfingstferien ist dort – wie in den anderen weiterführenden Schulen – erst mal wieder Wechselunterricht angesagt.

Inzidenz nicht stabil unter 50: Ab Montag ist in den weiterführenden Schulen im Kreis erstmal Wechselunterricht angesagt. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Inzidenz nicht stabil unter 50: Ab Montag ist in den weiterführenden Schulen im Kreis erstmal Wechselunterricht angesagt. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Freiberg. Während in vielen Landkreisen in Baden-Württemberg die Sieben-Tage-Inzidenzwerte stabil unter 50 liegen und dort nach den Pfingstferien wieder Präsenzunterricht möglich ist, wird es damit im Landkreis Ludwigsburg vorerst nichts. Lediglich die Grundschüler dürfen sich darauf freuen, ab Montag wieder in die Schule gehen zu können. Denn: Für die Grundschulen und die Grundstufen der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) gilt, dass diese bereits ab einer Inzidenz im Landkreis unter 100 in den Präsenzunterricht zurückkehren können. So auch in Freiberg. „Ab Montag gehen alle Grundschüler in den Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen, aber ohne Abstandsgebot“, sagt René Coels, geschäftsführender Schulleiter aller Freiberger Schulen.

Das Tragen von Masken bleibt unabhängig von den Inzidenzen für alle Schüler Pflicht, ebenso wie die Einhaltung der Hygienevorgaben. Auch die Testpflicht für Lehrer und diejenigen Schüler, die in den Präsenzunterricht gehen, bleibt bestehen. Für Eltern von Freiberger Grundschülern, welche die Selbsttests ihrer Kinder zuhause überwachen wollen, wurden laut René Coels bereits genügend Testkits ausgegeben.

In den weiterführenden Schulen wie der OPS müssen sich die Kinder und Jugendlichen noch etwas gedulden, bis sie wieder komplett erscheinen dürfen. Es gilt zu warten, bis der Schwellenwert an fünf Werktagen in Folge unterschritten wird. Nach Bekanntgabe durch das Gesundheitsamt treten die Lockerungen dann am übernächsten Tag in Kraft. Am Freitagabend lag die Inzidenz bei 40. Der erste mögliche Tag für eine Rückkehr wäre somit der kommende Freitag. Also ist in den weiterführenden Schulen auch nächste Woche erst mal noch Wechselbetrieb angesagt. „Bei uns kommt am Montag die Gruppe 1 wieder zurück, nachdem die Gruppe 2 vor den Ferien vor Ort war“, sagt der OPS-Schulleiter. Ob bei einer stabilen Inzidenz unter 50 in der OPS am kommenden Freitag Präsenzunterricht für alle Schüler stattfinden wird, ist noch offen. Darüber möchte sich Schulleiter René Coels am Montag mit den Abteilungsleitern Timo Kuschnier (Realschule) und Petra Schwinghammer (Gemeinschaftsschule sowie mit den Eltern- und Schülervertretern abstimmen.

Ob es mittelfristig tatsächlich bei diesen Schwellenwerten bleibt, hängt davon ab, wie sich Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) festlegt. Sie möchte sich laut Auskunft des Kultusministeriums die Regelung bezüglich der Inzidenzen zwischen 50 und 100 für die weiterführenden Schulen in der Zeit nach den Pfingstferien noch einmal anschauen und entscheiden, ob nicht auch an den weiterführenden und beruflichen Schulen bei einer Unterschreitung des Inzidenzwertes von 100 Präsenzunterricht möglich ist. „Für die Landesregierung gilt, dass eine Öffnung angesichts der niedrigen Inzidenzlage erfolgen soll, um Freiheiten zurückzugeben“, teilt Benedikt Reinhard, Pressesprecher des Kultusministeriums, auf Anfrage unserer Zeitung mit. „Öffnung mit Vorsicht“ laute dabei die Devise. Deswegen würden vorsichtige Schritte der Öffnung unternommen, die von Sicherheitsmaßnahmen begleitet werden.

Dass das Kultusministerium die Regelungen, die nach den Pfingstferien gelten, bereits Mitte Mai an die Schulen kommuniziert hat, begrüßt Schulleiter Coels ausdrücklich, zumal kommende Woche die Prüfungen an der Realschule sowie an der Gemeinschaftsschule anstehen. Weil der Personalbedarf hinsichtlich der Prüfungsaufsicht besonders hoch ist – getestete Schüler müssen von nicht getesteten getrennt werden –, falle ohnehin Präsenzunterricht aus. Deshalb sei eine Übergangsfrist bis zu neuen Regelungen wichtig.

Dass die Impfangebote auch für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ausgedehnt werden sollen, begrüßt der Schulleiter, legt allerdings großen Wert darauf, dass es keine Impfpflicht für Schüler geben darf. „Gleichzeitig sollen keine Schüler von der schulischen Bildung ausgeschlossen werden“, ergänzt Coels.

Der Schulleiter der Freiberger Oscar-Paret-Schule hofft unterdessen, dass im Kultusministerium bereits die Weichen für das nächste Schuljahr gestellt werden. Insbesondere ist ihm wichtig, „dass die Schulen personell so gut ausgestattet werden, dass den Lerndefiziten begegnet, das soziale Miteinander verbessert und die psychologische Begleitung der Schüler verbessert werden kann“. Dass Schulen entsprechend des Landesprogramms „Bridge the Gap“ nach den Pfingstferien bis zu den Sommerferien auf Lehramtsstudierende zurückgreifen können, um Rückstände bei den Kindern aufzuarbeiten, sei gut gemeint. „Ich hielte es aber für besser, wenn die Ressourcen direkt in Richtung Schulen fließen“, sagt Coels.

Wie er auf Nachfrage unserer Zeitung verrät, sind an der Oscar-Paret-Schule inzwischen die Erstkorrekturen der schriftlichen Abiturprüfungen abgeschlossen. „Es sieht bisher alles ordentlich aus“, sagt er. Wenn sich das bisherige Ergebnis nach der Zweitkorrektur bestätige, „muss sich der Jahrgang keine Sorgen machen“.

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