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Vom Kaufhaus zum neuen Marbacher Rathaus

Die Stadtkapelle spielte auf, es gab Bewirtung mit Speisen und Getränken und natürlich stehen die Räume zur Besichtigung offen.Fotos: Andreas Becker
Die Stadtkapelle spielte auf, es gab Bewirtung mit Speisen und Getränken und natürlich stehen die Räume zur Besichtigung offen.Fotos: Andreas Becker
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Wenn ein Architekt emotional wird, dann muss es sich schon um ein besonderes Bauprojekt handeln. So geschehen am Samstag, als anlässlich des Tages der Städtebauförderung das neue Rathaus am Marktplatz der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

Marbach. Er sei in Marbach geboren und aufgewachsen, für ihn habe es deshalb keine bessere Aufgabe gegeben als diese im Herzen der Altstadt, so Architekt Peter Ludwig. „Ich kann mich noch gut an die Zeit des Kaufhauses Pfund erinnern“ , ergänzte er. Der Gebäudekomplex der einstigen Eisen- und Haushaltswarenhandlung wurde 2001 von der Stadt erworben und ein Teil vorübergehend auch als Obdachlosen- sowie Flüchtlingsunterkunft genutzt. Jetzt konnten die Bürgerinnen und Bürger den sanierten Altbau sowie einen sich in die Altstadt einfügenden Neubaukomplex besichtigen. Das Interesse war groß, gleich nach der offiziellen Eröffnung strömten die Besucher in das Gebäude und zeigten sich angetan von dem klaren Bekenntnis zur Historie und dem Mut, Neues in sachlicher aber gleichzeitig hochwertiger Formensprache hinzuzufügen. Der gebürtige Marbacher Peter Ludwig hat hier eben eine ganz persönliche Handschrift hinterlassen. 6,5 Millionen Euro gab die Stadt Marbach für dieses Projekt aus, das Bürgermeister Jan Trost als sehr wichtig bezeichnete. Zum einen gebe es jetzt seit dem Umzug im März einen barrierefreien Zugang für alle, die Bürger- und Ordnungsamt sowie Stadtbauamt aufsuchen sowie deutlich bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. „Das zählt in Zeiten des gravierenden Fachkräftemangels“, sagte Trost.

Archäologische Grabungen

Beim Rundgang durch das Gebäude lobten die Mitarbeiter jedenfalls einmütig die gute Arbeitsatmosphäre im neuen Rathauskomplex. „Das Selbstverständliche muss oft besonders hart erarbeitet werden“, sagte der für die Hochbauprojekte der Schillerstadt zuständige stellvertretende Bauamtsleiter Markus Kaiser zur klaren Linienführung, die sich nicht aufdrängt. Er erinnerte aber auch an die Hürden beim 2019 mit einem Teilabbruch begonnene Bau, der wegen archäologischer Grabungen dann auch gleich unterbrochen werden musste. Schließlich kam auch noch Corona und damit einhergehend erkrankte Baubeschäftigte und Materialengpässe hinzu. „Bis auf den Terminplan haben wir alles geschafft“ resümierte Kaiser.

Manuel Steuer von der Kommunalentwicklung stellte zwei bedeutende Projekte der Städtebauförderung für Marbach vor. Zum einen das erfolgreiche abgeschlossene Sanierungsgebiet in Rielingshausen und zum anderen die ebenfalls vom Land geförderte aktuelle Umgestaltung der Marktstraße. Das neue Rathaus bezeichnete er als beeindruckendes Ergebnis. Er informierte am Samstag außerdem zur Förderung von privaten Maßnahmen im Rahmen der Sanierung.

Geburtshäuser Friedrich Schiller und Tobias Mayer offen

Die Besichtigung des neuen Rathauses war nur eine Facette des sonnigen Tages in der Altstadt. Die Stadtkapelle spielte auf, es gab Bewirtung mit Speisen und Getränken und die fünf Altstadtmuseen präsentierten sich. Die Geburtshäuser von Friedrich Schiller und Tobias-Mayer, das Fritz-Genkinger-Kunsthaus, der Obere Torturm und die Ölmühle Jäger konnten ebenfalls besucht werden. Und schließlich war Friedrich Schiller auch selbst gekommen, um die Altstadt im Wandel der Zeiten zu erleben. Stadtarchivar Albrecht Gühring war in das historische Kostüm geschlüpft und beantwortete Fragen der Besucher zur Marbacher Geschichte. Ein rundum gelungener Tag, der zuversichtlich stimmte, dass die Sanierung der Fußgängerzone weiter gut vorankommt. Im Herbst 2023 soll sie sich laut Bürgermeister Jan Trost im neuen Gewand präsentieren.