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Theater Q-rage spielt für Blankenstein-Schüler interaktives Theaterstück über (sexuelle) Übergriffe in Beziehungen

Vom Küssen und vom Nein-Sagen

Ein Erlebnis der besonderen Art für die Schüler der 7. und 8. Klasse der Blankensteinschule: Das interaktive Theaterstück „Grenzbereiche“ zur Prävention von (sexuellen) Übergriffen in Teenagerbeziehungen mit dem Ludwigsburger Theater Q-rage wurde erstmals aufgeführt.

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„Ihr sollt anfangen!“ Diese Aufforderung lässt zwei junge Menschen auf der Bühne erst einmal ziemlich kalt. Er hängt ausdauernd an seinem Handy, sie sucht im Jugendmagazin nach den neuesten Trends. Dabei finden sich die beiden durchaus sympathisch. Doch hier beginnt das Problem: Wie kriegt der andere das auch mit? Und wer soll den Anfang machen?Von solchen Situationen und was sich daraus entwickeln kann, handelt das Theaterstück, das in der Blankensteinhalle seine Premiere feierte.Schulsozialarbeiterin Uta Kiesl kennt die Aktualität solcher Teenagerprobleme und hatte das Stück in Zusammenarbeit mit der Ludwigsburger Fachberatungsstelle „Silberdistel“ an die Blankensteinschule geholt. Auf Anfrage von Christa Wenzelburger, Mitarbeiterin der Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen, entwickelten Jörg Pollinger und Sandra Hehrlein von dem Theater Q-rage das Präventionstheater „Grenzbereiche“. Mit Kati Schweitzer und Daniel Neumann konnten sie zwei junge Schauspieler gewinnen, die den Schülern ihr Anliegen auch ohne moralischen Zeigefinger überzeugend vor Augen führten.Dem Vorschlag der klaren Mehrheit der Zuschauer folgend wagt Lars schließlich doch, seinen Schwarm Franzi vorsichtig anzusprechen und ist happy, dass diese einem abendlichen Treff im Jugendhaus nicht abgeneigt ist. Damit auch gar nichts schief läuft, trinkt er sich vorsichtshalber erst mal etwas Mut an, während Franzi gestresst feststellt, dass sie für dieses Date nichts Passendes anzuziehen hat.Als Lars dann doch lieber den Rückzieher macht, zitiert ihn der Moderator (Jörg Pollinger) zurück und befragt die Zuschauer, wie sie sich in dieser Lage verhalten würden. Weil die nicht wollen, dass das junge Glück so früh endet, finden sich die beiden auf einer Couch wieder, necken sich gegenseitig und haben Spaß, bis sich Lars wie von der Tarantel gestochen von Franzi abwendet.Diese ist sich nicht im Klaren, ob sie dabei gerade einen Schritt zu weit gegangen ist. Die Zuschauer finden, sie solle sich bei Lars entschuldigen, die peinlichen Berührungen seien schließlich versehentlich passiert.Franzi und Lars einigen sich auf eine Partie „Vier gewinnt“. Lars besteht als Gewinner auf den versprochenen Kuss, nach mehreren Versuchen allerdings auf einen richtigen, was Franzi zu aufdringlich findet und auf Distanz gehen lässt. Sie fühlt sich dennoch weiter zu Lars hingezogen und überlässt ihm gar ein Urlaubsfoto im Bikini.Die folgende Neckerei läuft aus dem Ruder und unvermittelt hat der Spaß für Franzi ein Ende: „Der hat mir voll an den Busen gefasst!“ Hier greift der Moderator wieder ein und da die Zuschauer ziemlich ratlos scheinen, weist Andrea Glück von der Kripo Ludwigsburg die Schüler auf die rechtliche Lage hin. Sexuelle Handlungen mit Kindern unter 14 Jahren werden generell bestraft. Die Zuschauer möchten, dass Franzi dem verdutzten Lars klar sagt, er sei zu weit gegangen. Diesem Wunsch kommt sie nach und sie küsst ihren neuen Freund leidenschaftlich. Als Lars seinem Kumpel Franzis Foto zuschicken will, um mit seiner neuen Eroberung zu prahlen, greift der Moderator wieder ein. Kann diese Beziehung eine Zukunft haben?Wer Fotos ohne Zustimmung weiterschickt, macht sich strafbar. Casey (7a) findet die Erklärungen der Polizistin interessant, denn „das war neu für mich“. „Das Stück hat mich nachdenklich gemacht“, meint Dejana (7b) und Ignazio (7b) hat gelernt, „dass man vorsichtig sein soll und nicht gleich anfängt zu grapschen“. „Man soll keinen Alkohol trinken, um seine Nervosität zu bekämpfen“, gibt Laurie (7a) zu bedenken. Alle Schüler sind sich einig, dass die Schauspieler toll gespielt haben und für Michael (7a) war es eine spannende Erfahrung, „unterschiedliche Gefühle zu verspüren, wenn man sich in die zwei Personen reinversetzt“.Im Anschluss an die Aufführung wurde das Stück nachbesprochen – Christa Wenzelburger von der Beratungsstelle „Silberdistel“ diskutierte mit den Mädchen, Herbert Wolf von der Schulpsychologischen Beratungsstelle mit den Jungen Fazit: Niemand hat das Recht Gefühle anderer zu verletzen oder deren Körper zu benutzen. Grenzverletzungen sind kein Spaß, sondern Demütigung und Gewalt. (red)