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Vom Sofa aus zum Elternabend

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. Dazu gehören auch die Elternabende, die in der Pandemie nur digital stattfinden.

Unterricht, Konferenzen und Elternabende: In den Schulen ist mittlerweile alles auch digital möglich. Foto: as-artmedia /stock.adobe.com
Unterricht, Konferenzen und Elternabende: In den Schulen ist mittlerweile alles auch digital möglich. Foto: as-artmedia /stock.adobe.com

Freiberg. Elternabende gehören nicht gerade zu den beliebtesten Veranstaltungen. Oft ziehen sie sich in die Länge, und der Informationsgehalt bleibt mitunter dürftig, weil die meisten Infos bereits über Elternbriefe und aktuelle Mitteilungen weitergeleitet wurden. Zweimal im Jahr laden die Elternbeiräte der Oscar-Paret-Schule dazu ein – einmal im Herbst nach Schuljahresbeginn und einmal im Frühjahr, wenn das zweite Halbjahr begonnen hat. Die Eltern legen die Tagesordnung dazu fest und die Schule stellt die Räume zur Verfügung. Es war kurz vor dem ersten Lockdown, als der letzte „normale“ Elternabend vor Ort in der OPS stattgefunden hatte. Somit konnte Schulleiter René Coels erst danach alle Informationen zum Umgang mit der Pandemie und den damit zusammenhängenden Verordnungen per Elternbrief weitergeben. „Allerdings hatten wir danach ein halbes Jahr Zeit zu überlegen, wie wir den Elternabend im Herbst durchführen“, sagt Coels. Schnell war klar, dass dies nur virtuell funktionieren konnte. Die Schule übernahm dafür die Organisation und verschickte per E-Mails die Links für die Videokonferenzen. Gleichzeitig musste die Frage geklärt werden, wie die Elternbeiräte gewählt werden können. Das geschah am Ende auf zweierlei Arten: per Online-Abstimmung mit Code auf dem Smartphone und per Briefwahl. Schulleiter Coels ist immer noch froh über die Bereitschaft vieler Eltern, sich in dem Amt einzubringen. „Schließlich waren die Elternvertreter von Beginn an aufgrund der Übermittlung einer Vielzahl an Informationen deutlich mehr gefordert.“

Standen vor Corona bei Elternabenden noch Fragen nach der Einführung des Taschenrechners, dem Schullandheim oder der zu lesenden Lektüre im Vordergrund, geht es mittlerweile eher um die Umsetzung der Hygieneregeln und die Gestaltung des Präsenz- und Fernlernunterrichts. Außerdem ist die Resonanz besser. „Wir waren schon neugierig, wie viele Eltern teilnehmen“, räumt Coels im Rückblick auf die beiden Sitzungen im vergangenen Herbst und vergangener Woche ein. Vor Corona sei vor allem bei den Elternabenden der Fünfer und Sechser eine gute Teilnahme zu verzeichnen gewesen. An den digitalen Veranstaltungen sei die Resonanz dagegen auch bei den älteren Jahrgangsstufen gut. Coels sieht dafür zwei Gründe: In Krisenzeiten sei das Informationsbedürfnis der Eltern deutlich größer. Außerdem sei mit der digitalen Teilnahmemöglichkeit die Hemmschwelle gesunken. „Es ist eben einfacher, sich vom Sofa aus schnell einzuklinken, wenn man eben erst von der Arbeit nach Hause gekommen ist oder noch einen Folgetermin hat“, vermutet der OPS-Schulleiter. Die virtuellen Sitzungen seien zudem schneller vorbei, weil sie sehr fokussiert abliefen. Das gelte auch für die Wortmeldungen. In der jüngsten Elternabendrunde hat die Schule den Teilnehmern unter anderem mitgeteilt, wie das Modell des Wechselunterrichts aussieht, wer wann zur Schule kommt und wie es mit den Selbsttests läuft.

Da es seit Beginn der Pandemie viele Dinge gibt, welche die Schulleitung den Eltern mitteilen muss – dabei geht es größtenteils um die Umsetzung der aktuellsten Coronaverordnungen an der Schule –, kann Coels nicht auf den nächsten Elternabend warten und verfasst daher viele Elternbriefe. Vor Corona waren es etwa vier bis fünf pro Jahr. Mittlerweile sind es fünf bis sechs Mal so viele. Und weil es viele Dinge sind, die die Eltern wissen müssen, kann so ein Brief schon mal 28 Seiten umfassen. Dabei muss Coels darauf achten, dass die jeweils neu geltenden Regelungen für alle drei Schularten Gymnasium, Realschule und Gemeinschaftsschule passen und dass die Eltern nur die Infos erhalten, die sie auch benötigen. „Wir versuchen, tagesaktuell zu informieren“, so Coels. Deshalb streicht er alle Termine, um den Brief zu verfassen, wenn das Kultusministerium mit einer neuen Verordnung kommt. Dass kann schnell mehrere Stunden dauern. Schließlich muss er sich zumeist vorher noch mit seiner Stellvertreterin Diana Hoffmann und den Abteilungsleitern Timo Kuschnier (Realschule) und Petra Schwinghammer (Gemeinschaftsschule) abstimmen.

Wer übrigens einen der vielen Elternbriefe aus Versehen gelöscht hat, muss nur auf die Internetseite der Schule www.ops-freiberg.de schauen, denn da sind alle abrufbar.

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