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Von der bemerkenswerten Reife eines Dorfkinds

Mit „Natural Energy“ hat der erst 18-jährige Saxofonist und Bandleader Jakob Manz sein Debütalbum auf dem Label Act veröffentlicht

Jakob Manz. Foto: privat
Jakob Manz. Foto: privat

Dettingen/Köln. „Vom erst 15-jährigen Altisten Jakob Manz wird man noch hören“, schrieben wir vor gut drei Jahren anlässlich der Interpretation des stilprägenden Miles-Davis-Albums „Birth of the Cool“ durch ein vom Dozenten Bastian Stein angeführtes Ensemble der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart (HMDK). Übertrieben war das nicht: Dass nun mit „Natural Energy“ das Debütalbum seines Quartetts bei Act, einer der führenden deutschen Jazzschallplattenfirmen erschienen ist, kommt einem frühen Ritterschlag gleich – schließlich haben auch Größen wie Michael Wollny oder die Brüder Roman und Julian Wasserfuhr ihre ersten Alben in der „Young German Jazz“-Reihe auf Siggi Lochs Label vorgelegt.

Das seien zwar echte Vorbilder für ihn; eingeschüchtert davon zu sein, hier in große Fußstapfen zu treten, liegt Manz trotzdem fern: „Das ist doch toll!“, freut sich der Senkrechtstarter. Das Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr: Dreimal war der Sohn des Musiklehrers Michael Manz und der Opernsängerin Christina Reges-Manz Bundessieger bei „Jugend musiziert“, ebenso oft hat er den Bundeswettbewerb von „Jugend jazzt“ für sich entschieden. Begonnen hat diese steile Laufbahn in Dettingen, einer Gemeinde am nördlichen Rand des Landkreises Reutlingen. Auch wenn die Musik ihm in die Wiege gelegt zu sein scheint, war der Weg zum Saxofon doch keineswegs vorgezeichnet. Denn es war zunächst das Schlagzeug, das er im Alter von fünf Jahren für sich entdeckte. Drei Jahre später kam die Blockflöte hinzu.

Erst mit zehn Jahren, also vergleichsweise spät, wandte er sich dem Instrument zu, das ihn seitdem zur zweiten Natur wurde: Hört man Manz auf dem Alto-Saxofon, glaubt man häufig, einem der alten Meister zu lauschen, manchmal sogar allen auf einmal – die Geschmeidigkeit eines Johnny Hodges, die verblüffende Beweglichkeit und noch in den unwahrscheinlichsten Intervallsprüngen schlüssige Melodik eines Charlie Parker, die expressive Kühnheit eines Eric Dolphy, das Volumen eines Cannonball Adderley, vereint in einer Stimme, der in den Beobachtungen vieler Rezensenten übereinstimmend eine bemerkenswerte Reife attestiert wird.

Doch der akustische Eindruck täuscht: Wann hielt man je ein derart überzeugendes Debütalbum eines 18-jährigen Leaders in der Hand? Auch wenn das Spektrum auf „Natural Energy“ vom groovenden Hard Bop bis zur lyrischen Ballade reicht, pulsiert der vom Soul Jazz zur Fusion führende Soundpfad der Siebziger als Herzlinie im Panorama des Longplayers, wodurch sich trotz der darauf angebotenen Vielfalt der Eindruck von kontrollierter Geschlossenheit einstellt.

Die hier waltende Souveränität des Jakob Manz Projects prägte bereits ihre erste Veröffentlichung, die in den Ludwigsburger Bauer Studios aufgenommene EP „Je suis Paris“. Maßgeblichen Anteil daran haben neben Manz, der mit 16 Jahren ins Bundesjazzorchester (BuJazzO) aufgenommen wurde und bereits mit Musikern wie Randy Brecker, Ack Van Rooyen oder Wolfgang Dauner konzertierte, auch die weiteren Mitglieder des Quartetts: Der in Möglingen aufgewachsene Drummer Paul Albrecht, seit Jahresbeginn ebenfalls in den Reihen des BuJazzO zu finden, gehört zu den vielversprechendsten Nachwuchsschlagzeugern der Republik, auch Pianist Hannes Stollsteimer, in Enzweihingen beheimatet, und Bassist Frieder Klein, ursprünglich aus Nussdorf, stehen Manz in Sachen Kreativität und Spielfreude in nichts nach. Dementsprechend hat jeder von ihnen auch Eigenkompositionen beigesteuert. Und welche Rolle spielt die Natur dabei? „Eine sehr wichtige, für jeden von für uns“, sagt Manz, der aktuell an der Musikhochschule Köln studiert, „schließlich sind wir alle vier Dorfkinder“.

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