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Von der Quadratur des Leibes

Martin Schröder-Berlin präsentiert in der Eberhard-Ludwig-Kaserne seine aktuelle Schau „aus der Vorstellung heraus“

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Vater, Sohn und Mutter: Martin Schröder-Berlin denkt künstlerisch in abstrakten Formen und setzt sich dabei mit grundsätzlichen Themen des Lebens auseinander.Foto: Oliver Bürkle

Ludwigsburg. Wer es mit dem Abstrakten nicht so hat, ist in Martin Schröder-Berlins Galerie in der Weststadt, direkt neben den Hallen der Firma Lotter, möglicherweise am falschen Ort. Denn dass das als Tryptichon angepriesene dreiteilige Gemälde „aus der Verstrickung heraus“ eine klassische Kernfamilie darstellt, erschließt sich dem Betrachter kaum auf den ersten Blick. Die drei Leinwände sind in Weiß, Grün und Rot gehalten, in der Mitte jeweils ein Quadrat nicht bemalter Fläche, das dem hochformatigen Werk etwas Figürliches verleiht – eine Art Kopf. Vater, Sohn, Mutter. Doch warum die Farben? „Das Weiß steht für Unschuld – vielleicht“, erklärt der Künstler schmunzelnd. „Das Rot zeigt auf jeden Fall die Vitalität der Mutter.“

 

Für seine neue Ausstellung „aus der Vorstellung heraus“ hat Schröder-Berlin Bilder und Collagen in seinem Schauraum in der Eberhard-Ludwig-Kaserne gebündelt, die verschiedene Facetten seines aktuellen Schaffens zeigen. Das „ungemalte Quadrat“ ist und bleibt dabei sein zentrales Arbeitsthema, sein Erkennungszeichen als Künstler, aber streng genommen auch ein „Unmotiv“, wie Schröder-Berlin sagt. Weil ein Quadrat am Ende eben immer ein Quadrat bleibt. Und weil es erst durch die freibleibende Fläche auf der Leinwand entsteht. „Ich beschäftige mich gern mit einfachen Themen und bleibe dabei“, erklärt der 52-jährige Künstler. Seine Quadrat-Bilder, von denen er über die Jahre unzählige gemalt hat, folgen dem gleichen Muster: Sie entstehen aus vier Farbflächen, die sich im Ton oft nur um Nuancen unterscheiden.

 

„Das sind Einlass-Arbeiten, also Werke, auf die man sich einlassen muss, weil sie irgendwann mit einem sprechen.“ Das gilt auch für das große, querformatige Bild, in dem das Quadrat von Flächen in der „Unfarbe“ Braun umgeben ist. Natürlich ist es für ihn als Künstler eine Form der Koketterie, wenn er über sich selbst sagt: „Ich kann gar nicht malen – ich tu es nur.“ Was er meint: Figürliche Skizzen sind nicht sein Stil, er geht lieber in die Fläche, wirft Fragen auf, die der Werktitel eher zusätzlich aufwirft als beantwortet.

 

In der Schau werden aber auch an zweidimensionale Stühle erinnernde Gebilde gezeigt. Schröder-Berlin spricht von „Personifizierungen“, weil jedes dieser klassischen zivilisatorischen Möbelstücke für eine Person steht, eine reale oder imaginäre, die eines in jedem einzelnen Fall hat: eine Haltung. Je nach Titel steht er stramm in kräftigem Baumarkt-Holz („Bauarbeiter“), verneigt sich respektvoll nach vorne oder aber scheu nach hinten.

 

Eine andere Werkreihe, die in der Schau im Atelierhaus zu sehen ist, dürfte manch schwäbischem Sparer die Sorgenfalten auf die Stirn treiben: Geldscheine, die auf eine Holzplatte geklebt wurden, nachdem auch sie ein Quadrat erhalten haben – als Ausschnitt. Die Werke aus der Reihe „relativ“ haben zu allem Überfluss eine progressive Preisliste. Die Exemplare sind nummeriert, mit der fortlaufenden Nummer steigt auch der Preis. „Die Frage ist: Was ist wie viel wert?“, sagt Schröder-Berlin, um dann hinterherzuschieben: „Natürlich hat das auch einen humoristischen Aspekt.“

 

Info: Die Ausstellung „aus der Vorstellung heraus“ ist bis zum 21. Oktober in der Galerie „neben Lotter“, Grönerstraße 34, zu sehen. Geöffnet ist die Schau am Sonntag, Montag und Dienstag von 14 bis 17 Uhr.