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Von der Schönheit der Zerstörung

Filmakademie-Absolvent Pascal Schelbli gewinnt mit seinem grandiosen Abschlussfilm „The Beauty“ über die Vermüllung der Ozeane den begehrten Studentenoscar.

Fisch oder Autoreifen? In Pascal Schelblis „The Beauty“ verschwimmen die Grenzen zwischen Tier und Müll, zwischen Realem und Fiktivem.Fotos: Pascal Schelbli/p
Fisch oder Autoreifen? In Pascal Schelblis „The Beauty“ verschwimmen die Grenzen zwischen Tier und Müll, zwischen Realem und Fiktivem. Foto: Pascal Schelbli/p
Fisch oder Autoreifen? In Pascal Schelblis „The Beauty“ verschwimmen die Grenzen zwischen Tier und Müll, zwischen Realem und Fiktivem.Fotos: Pascal Schelbli/p
Fisch oder Autoreifen? In Pascal Schelblis „The Beauty“ verschwimmen die Grenzen zwischen Tier und Müll, zwischen Realem und Fiktivem. Foto: Pascal Schelbli/p
Fisch oder Autoreifen? In Pascal Schelblis „The Beauty“ verschwimmen die Grenzen zwischen Tier und Müll, zwischen Realem und Fiktivem.Fotos: Pascal Schelbli/p
Fisch oder Autoreifen? In Pascal Schelblis „The Beauty“ verschwimmen die Grenzen zwischen Tier und Müll, zwischen Realem und Fiktivem. Foto: Pascal Schelbli/p
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Ludwigsburg. Dass er nominiert war, wusste er schon seit ein paar Wochen – doch gestern ging dann plötzlich alles ganz schnell: Pascal Schelbli, Absolvent des Animationsinstituts der Filmakademie in Ludwigsburg, gewinnt mit seinem kritisch-augenzwinkernden Abschlussfilm „The Beauty“ (Die Schönheit) den diesjährigen Studentenoscar in Gold in der Kategorie Animation. Seitdem steht sein Handy nicht mehr still – und der 33-Jährige kann sein Glück kaum fassen. „Man arbeitet so lange alleine mit seinem Team an so einem Film“, erklärt er. Dennoch wisse man danach gar nicht mehr, wo man damit stehe. „Ich hätte damals nie gedacht, dass der Film so durch die Decke geht.“ Nachdem er bei verschiedenen Festivals lief, viel positive Resonanz erfuhr und auch schon mehrere Preise gewann, nun also der Oscar – der Schelbli noch vor kurzem „so weit weg wie die Nasa“ schien, sprich: unerreichbar.

Geholfen hat ihm bei seinem Erfolg sicherlich, dass sein vierminütiger Kurzfilm einerseits mit vielen starken Bildern voll eigentümlicher Poesie aufwartet, aber zugleich ein hochaktuelles Thema aufgreift: die Vermüllung der Ozeane. Die Unterwasserwelt bei Pascal Schelbli ist auf den ersten Blick ganz idyllisch, doch rasch beginnt der Zuschauer sich zu wundern: Die Muräne hat das Profil eines alten Autoreifens, der vermeintliche Fischschwarm besteht aus anmutig dahingleitenden Flip-Flops, die Korallen aus Wegwerfgeschirr; die Quallen sind schnöde Plastiktüten und die Wale seltsame Mischwesen, lebende Plastikflaschen mit Flossen.

Der Film vermittele scheinbar die Botschaft, dass alles in Ordnung so sei, so Schelbli, dass die Natur die menschgemachten Probleme schon selbst löse, sich arrangiere – doch natürlich trieft dieser Gedanke nur so vor Ironie. Die Idee zu seinem Abschlusswerk kam dem Schweizer, der nach seinem Diplom im vergangenen Jahr mittlerweile wieder in Zürich lebt, bei einer seiner Bergwanderungen. Verpackungsmüll fernab der Zivilisation stört ihn seit jeher, auf den Berggipfeln wie am Strand – das Thema war dann also schnell klar. „Ich bin kein Umweltaktivist“, sagt er, „aber vielleicht kann mein Film ja doch ein Beitrag zur Debatte sein.“

Technisch ist der Kurzfilm eine elegante Mischung aus realem Film und Animation. Gedreht wurde in Ägypten, dazu gesellten sich dann im Nachgang die eigentümlichen Meeresbewohner, die sich frappierend harmonisch in die Umwelt einfügen. 18 Monate dauerte die Arbeit am Projekt insgesamt, die Liebe fürs Detail kostete viel Zeit. „Ich dachte, dass es sogar noch länger dauern würde“, sagt Schelbli und lacht. Etwa Fragen wie: Welcher Flaschentyp passt am besten zum Wal?

Für seine Mühen befindet sich der 33-Jährige, der während seines Studiums in Marbach lebte, jetzt in einer illustren Runde, die am 21. Oktober in Los Angeles in einer – wegen Corona – virtuellen Zeremonie gewürdigt werden soll. 207 US-amerikanische und 121 internationale Hochschulen hatten in diesem Jahr knapp 1500 Beiträge eingereicht. 18 Studenten wurden als Preisträger in sieben Film-Kategorien ausgewählt worden. Diese können ihre Filme im Übrigen auch für den Oscar-Wettbewerb 2021 einreichen.

Die Nische zwischen Realem und Animation möchte Pascal Schelbli künftig zu seinem Markenzeichen machen, dafür fehlt ihm noch mehr Erfahrung als Regisseur. Bislang, sagt er, habe es beim Start ins Berufsleben noch an guten Referenzen gehapert. Das dürfte sich nun ändern.

Info: Der Film „The Beauty“ soll zeitnah öffentlich bei Youtube verfügbar sein.

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