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Von Hürden und Chancen

Ludwigsburg. Viele Unternehmen würden Flüchtlingen gerne eine berufliche Chance geben. Welche Aspekte sie dabei beachten sollten, darüber hat der Bund der Selbstständigen (BdS) in Ludwigsburg bei einer Veranstaltung im Kulturzentrum informiert. Der Impuls kam von Vorstandsmitglied Klaus Haldan, der sich ehrenamtlich im Arbeitskreis Asyl in Remseck engagiert.

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BdS-Vorsitzender Stephan Wolf begrüßte im Kulturzentrum viele Interessierte. Foto: Fotos: Karin Rebstock
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Mit Informationen rund um das Thema berufliche Integration von Flüchtlingen konnten sich die Besucher eindecken.

Ludwigsburg. Referenten aus verschiedenen Bereichen beleuchteten in Kurzvorträgen mehr als zwei Stunden lang verschiedene Aspekte. Dabei ging es um rechtliche Fragen ebenso wie um kulturelle Unterschiede. „Einbindung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt – Chancen und Möglichkeiten für Selbstständige“, so hatten die beiden Organisatoren Stephan Wolf, BdS-Vorsitzender, und sein Vorstandskollege Klaus Haldan die Veranstaltung betitelt, die Klarheit in ein bislang noch diffuses Thema bringen sollte.

 

Unterstützung für Unternehmer

Was Begriffe wie Erlaubnis, Duldung oder Gestattung bedeuten und über den Status der Asylbewerber aussagen, erläuterte Jasmine Finckh, Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Kornwestheim. Sebastian Schick beschäftigt sich bei der Agentur für Arbeit in Ludwigsburg mit Projekten zur Eingliederung von geflüchteten Menschen in den Arbeitsmarkt. Seine vorrangige Aufgabe besteht darin, Unternehmer dabei zu unterstützen, Flüchtlinge in ihrem Betrieb zu beschäftigen. Von ihm erfuhren die Zuhörer, welches Projekt sich hinter der Abkürzung Stelle verbirgt, und dass ein Praktikum Arbeitgebern die Möglichkeit bietet, einen möglichen Mitarbeiter auf seine Fähigkeiten und Kompetenzen zu prüfen, ohne dass diese Form der Beschäftigung der Zustimmung durch die Arbeitsagentur bedarf. Wie es um Zuschüsse und Fördermöglichkeiten bestellt ist, erläuterte Christine Weber vom Jobcenter im Landkreis Ludwigsburg. Aktuell gebe es 1342 Flüchtlinge, die Arbeitslosengeld II beziehen. Sie berichtete auch von der Schwierigkeit, ausländische Qualifikationen in Deutschland anzuerkennen.

 

„Die duale Ausbildung ist der Königsweg, um beruflich Fuß zu fassen“, zeigte sich Juliane Lechner überzeugt, die bei der Bezirkskammer Ludwigsburg der Industrie- und Handelskammer (IHK) für den Bereich der Aus- und Weiterbildung zuständig ist. Dort hat man das Projekt „Integration durch Ausbildung – Perspektiven für Flüchtlinge“ ins Leben gerufen, das von Lechner als Kümmerprojekt beschrieben wurde.

 

Betreut werden Flüchtlinge zwischen 16 und 35 Jahren, die über eine gute Bleibeperspektive verfügen, gute Deutschkenntnisse haben und an einer Ausbildung interessiert sind. Die beiden zuständigen Mitarbeiterinnen sehen ihre Aufgabe darin, Ausbildung zu vermitteln.

 

Kreishandwerksmeister Albrecht Lang beleuchtete das Thema aus der Perspektive des Handwerks und warb bei seinen Zuhörern für das Projekt „3 + 2“. Das bedeutet, dass ausgebildete Flüchtlinge sich dazu verpflichten, nach ihrer dreijährigen Ausbildungszeit zwei weitere Jahre in dem Unternehmen tätig zu sein. „Wir suchen dynamische Leute. Da spielt es keine Rolle, ob jemand nach Mekka betet, evangelisch ist oder welche Hautfarbe er hat“, betonte Lang. Die Bäckerei Lutz, das Sanitärunternehmen Münster in Remseck sowie den Raumausstatter Wahlenmaier, ebenfalls in Remseck, nannte der Kreishandwerksmeister als Beispiele, in denen Flüchtlinge eingestellt worden seien.

 

„Sprechen Sie nicht zu Schwäbisch“

Um Sozialversicherungen ging es in dem Vortrag von Andreas Klink von der AOK in Waiblingen. Er warnte davor, Praktikanten als normale Arbeitskräfte einzusetzen, da dies aus Sicht der Sozialversicherer als normales Beschäftigungsverhältnis gelte. „Das Projekt Laura will Brücken bauen, um einen ganz normalen Einstieg ins Arbeitsleben zu ermöglichen“, präsentierte Manfred Kazenmaier von der BBQ (Berufliche Bildung gGmbH) ein Projekt, das den Flüchtlingen Orientierung in einem für sie ganz neuen Umfeld vermittelt. Der persönliche Tipp von Kazenmaier: „Sprechen Sie langsam und nicht zu Schwäbisch.“

 

„Was jetzt gut gelingt, hilft in der Zukunft“, zeigte sich Siegfried Rapp von der Likom GmbH überzeugt, der Fortbildungen für Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit anbietet. Jürgen Nenz, der als Mentor mehrere Flüchtlinge betreut, berichtete, wie er die Menschen durch den „Dschungel der Bürokratie“ begleitet. Für andere Menschen, die sich engagieren, hat er einen Werkzeugkasten mit viel Wissenswertem rund um das Engagement für Flüchtlinge entwickelt. „Geben Sie Flüchtlingen eine Chance“, appellierte er an seine Zuhörer. Zum Schluss berichtete Katrin Wolf (Carl Duisberg gGmbH) von kulturellen Hürden und wie diese bewältigt werden können.