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Vorbild für andere Fachwerkstädte

Fachwerkhäuser gibt es vielerorts. Doch in Besigheim ist es besonders gut gelungen, die jahrhundertealte Bausubstanz mit einer modernen Nutzung zu verbinden – ohne dass der historische Charme dabei verloren geht. Besigheim könne damit Vorbild sein für viele andere Kommunen, finden die Verantwortlichen der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte.

Vielfältig genutzt: In den Fachwerkhäusern der Besigheimer Innenstadt sind unter anderem Geschäfte, Gastronomie und Wohnungen untergebracht. Archivfoto: Ramona Theiss
Vielfältig genutzt: In den Fachwerkhäusern der Besigheimer Innenstadt sind unter anderem Geschäfte, Gastronomie und Wohnungen untergebracht. Foto: Ramona Theiss

Besigheim. Zahlreiche Vertreter aus deutschen Fachwerkstädten waren diese Woche zu Gast in der Stadt. Angereist waren sie für die Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte, die zum ersten Mal hier stattgefunden hatte. Besigheim ist seit 19 Jahren Mitglied in diesem Verein und auch Teil der „Deutschen Fachwerkstraße“ (siehe Historie). Neben den Formalien einer Mitgliederversammlung – dabei ging es unter anderem auch um neue Projekte wie „Klimaanpassung in Fachwerkstädten“ und „Wohnen im baukulturellen Erbe“ – konnten sich die Gäste auch ein Bild davon machen, wie Besigheim mit seiner historischen Bausubstanz umgeht. Und das offenbar vorbildlich: „Wir haben sehr viel Lob bekommen“, freut sich Bürgermeister Steffen Bühler. Das sei umso schöner, da man als Einheimischer ja oft eher die Baustellen in der Stadt im Blick habe.

Doch was macht den hiesigen Umgang mit dem Fachwerk so besonders? Die Besigheimer hätten es geschafft, ihre Fachwerkhäuser sehr gut zu sanieren und sie gleichzeitig mit unterschiedlichen Funktionen auszustatten, sagt Geschäftsführerin Maren Sommer-Frohms beim Pressegespräch in der Stadthalle und zeigt zum Beleg auf die großen Holzbalken unter der Decke. Die Alte Kelter ist aber nur ein Beispiel für eine gelungene Sanierung – die Fachwerkhäuser in Besigheim werden vielfältig genutzt: von Geschäftsleuten und der Stadtverwaltung, für die Gastronomie, als Hotel oder Wohnung. Besigheim verfüge über eine herausragende historische Fachwerksubstanz; alles sei sehr stimmig und heimelig, ergänzt Vorsitzender Hans Benner und bescheinigt der Stadt eine hohe Aufenthaltsqualität.

Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es nicht, Fachwerkhäuser bloß zu sanieren und als leere Hülle stehen zu lassen. „Es geht darum, das Leben im Fachwerk zu erhalten und mit der Zukunft zu gehen“, sagt Hans Benner. Man leiste deshalb sehr viel Projektarbeit. Wie können Leerstände vermieden, der Klimawandel berücksichtigt sowie Umwelt- und Denkmalschutzaspekte beachtet werden?, nennt er einige Fragen. Man sehe sich deshalb auch als Netzwerk, um Erfahrungen und aktuelle Entwicklungen auszutauschen, ergänzt Maren Sommer-Frohms. Denn der Erhalt der Bausubstanz in Fachwerkstädten sei mit besonderen Herausforderungen verbunden. „Wir wollen voneinander lernen und helfen uns gegenseitig.“ Der Wert des Kulturgutes solle für Bürger und Gäste herausgestellt werden.

Der Tourismus war auch ein Grund dafür, dass Besigheim 2002 der Arbeitsgemeinschaft beigetreten ist. „Wir wollten in dem Bereich mehr tun und uns mit einem größeren Kreis Gleichgesinnter austauschen“, erinnert sich Bürgermeister Bühler. So sei auch die Mitgliedschaft in der Deutschen Fachwerkstraße ein Baustein des städtischen Tourismuskonzepts: Vor allem Wohnmobilisten würden die Strecke gezielt abfahren und so nach Besigheim kommen. Aber auch anderweitig profitiert die Stadt. Über die Arbeitsgemeinschaft werden beispielsweise Fachwerk-Gästeführer ausgebildet. Ein Angebot, das bereits auch einige Besigheimer angenommen haben (wir berichteten).

Besigheim ist außerdem über den 3B-Tourismusverband mit Bietigheim-Bissingen und Bönnigheim in der Arbeitsgemeinschaft vertreten. Vorteile habe das beispielsweise beim gemeinsamen Marketing oder der Ausweisung von Rad- und Wanderwegen, sagt Anette Hochmuth, Pressesprecherin der Stadt Bietigheim-Bissingen und stellvertretende Vorsitzende des Vereins.

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