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Wann löst sich bloß der Stücke-Stau auf?

Die Eberdinger Regisseurin und Theaterpädagogin Ina Wernstedt produziert und probt auf Halde

Mut zur Albernheit, auf der Bühne wie im Leben: Die Regisseurin Ina Wernstedt. Foto: privat
Mut zur Albernheit, auf der Bühne wie im Leben: Die Regisseurin Ina Wernstedt. Foto: privat

Eberdingen. Normalerweise arbeitet Ina Wernstedt mit hohem Tempo: Drei bis vier Theaterstücke produziert sie jedes Jahr für das „Eberdinger Sommertheater“ und das 2017 gegründete „Theater in der Nussschale“. Doch seit März letzten Jahres ist eben nichts mehr normal. Und so fühlt sie sich, wie sie selbst erzählt, derzeit eher wie in Becketts absurdem Theater „Warten auf Godot“: Ihr neues Stück „Elf Frauen“, das eigentlich im Januar Premiere gefeiert hätte, wartet weiterhin auf seine Feuertaufe und wurde nun bereits zum zweiten Mal pandemiebedingt verschoben – auf einen derzeit noch unbestimmten Termin im Sommer.

Der Arbeitsalltag von Ina Wernstedt im Lockdown ist speziell und auch etwas einsam: Statt mit dem Schauspiel-Ensemble des „Eberdinger Sommertheaters“ auf der Bühne zu proben, sammelt sie vor allem Ideen für künftige Theaterstücke und feilt an corona-konformen Aufführungsformaten. So hat sich bei ihr mittlerweile ein regelrechter Stücke-Stau angesammelt, der mit Macht Richtung Bühne drängt. Neben „Elf Frauen“ stehen drei weitere Produktionen quasi in den Startlöchern: Da ist zum einen „Jane Eyre“, ein Theaterklassiker, den sie bewusst klassisch inszeniert habe, „denn passenderweise war ‚social distancing‘ im 19.Jahrhundert gang und gäbe“.

Daneben ist mit „Gut gegen Nordwind“ ein Zwei-Personen-Stück geplant, das sich aufgrund des Briefroman-Charakters schon jetzt relativ gut virtuell proben lässt. Und auch das dritte Bühnenwerk hat die 1986 geborene Theaterschaffende an die Pandemie-Situation angepasst: „Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes“, uraufgeführt an der Württembergischen Landesbühne Esslingen, ist vor allem für Kinder gedacht und kommt sogar mit nur einem Akteur – in diesem Fall ihr Zwillingsbruder Jens Wernstedt – auf der Bühne aus.

Digitale Theaterformate, wie sie derzeit an manchen größeren Bühnen erprobt werden, kommen für die Eberdinger Truppe eher nicht in Frage, meint Ina Wernstedt, die auf dem Markgröninger Helene-Lange-Gymnasium ihr Abitur machte und schon in der dortigen Theater-AG mitspielte und Stücke inszenierte. Letztendlich muss für sie „Theater im Raum oder draußen stattfinden, jedenfalls gleichzeitig am gleichen Ort.“

Wie wichtig ihr das reale Miteinander ist, wird nicht zuletzt im Gespräch über die Schauspiel-Workshops deutlich, die sie normalerweise jedes Jahr für ihr Ensemble veranstaltet – immer angepasst an die jeweils geplanten Stücke, mal in Aussprache, mal in Gesang oder Tanz.

So verwundert es wenig, dass Ina Wernstedt, die Theater-, Film- und Medienwissenschaft in Frankfurt am Main studierte und als Regie-Assistentin an der Badischen Landesbühne in Bruchsal und am Pforzheimer Theater ihr Handwerk lernte, in ihrem Herz vor allem Theaterpädagogin ist. Will heißen, ihr Steckenpferd ist die Arbeit mit den Schauspielern, die allesamt Amateure sind und oft schon den eigenen Nachwuchs zum Theaterspielen mitbringen. Da ist bei den Proben auch mal „Mut zur Albernheit“ gefragt: Immer wieder versucht Ina Wernstedt ihrem Bühnenensemble zu vermitteln, wie wichtig es ist, die eigene Scheu zu überwinden. Das habe ihr selbst schon in jungen Jahren mehr Selbstbewusstsein gegeben – nicht nur auf der Bühne, sondern für das ganze Leben.

Glück im Unglück in der Coronakrise haben Ina Wernstedt und ihr Ensemble übrigens, da sie alle nicht oder nur teilweise vom Theaterspielen leben müssen. So ist die Regisseurin selbst, derzeit noch in Babypause, beruflich breit aufgestellt und arbeitet neben ihrer Theatertätigkeit in verschiedenen Projekten im Kulturmanagement. Dennoch fehlen Ina Wernstedt und dem Verein die Einnahmen, die sie normalerweise über ihre Vorstellungen einspielen. Und das trotz Fördergeldern, die zum Beispiel in eine professionellere Licht- und Tontechnik investiert werden sollen.

Bleibt zu hoffen, dass das ewige Warten für Ina Wernstedt nun bald ein Ende hat – und der Stücke-Stau sich Richtung Bühne auflöst.

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