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Wasser wird trotz Pools nicht knapp

Corona und heiße Sommer beflügeln Wunsch nach Badespaß im eigenen Garten – Trinkwasserversorgung nicht gefährdet

In Zeiten von Corona und langen, heißen Sommern werden Swimmingpools im eigenen Garten immer beliebter. Foto: picture alliance/dpa/KEYSTONE
In Zeiten von Corona und langen, heißen Sommern werden Swimmingpools im eigenen Garten immer beliebter. Foto: picture alliance/dpa/KEYSTONE
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Kreis Ludwigsburg. Es war offenbar eine Mischung aus Hitze und Corona, die im vergangenen Jahr zu einer verstärkten Nachfrage nach Pools geführt hat. So mancher Hersteller und Baumarkt vermeldete: „Ausverkauft!“ Doch hat der Badespaß im eigenen Garten angesichts der trockenen Sommer Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung? Diese Frage warf kurz vor dem Jahreswechsel die Pleidelsheimer Gemeinderätin Brigitte Faaß (SPD) auf.

So mancher Hausbesitzer mag sich daran erinnern, als es vergangenen Sommer in Nachbars Garten plötzlich planschte und kreischte. Schnell war klar, dass sich die Familie nebenan als Trendsetter bewies, denn insbesondere Aufstellpools sind mittlerweile sehr gefragt. Neben den heißen Sommern der vergangenen Jahre hat Corona den Trend offenbar noch verstärkt. „Wir bei Hornbach haben noch nie zuvor solch eine hohe und frühzeitige Nachfrage nach Pools verzeichnet wie im vergangenen Jahr“, teilt Pressesprecher Florian Preuß auf Anfrage mit. Schon Ende März sei es losgegangen. Ab Mitte April, als in den Medien verstärkt die Frage thematisiert wurde, ob Freibäder und Badeseen überhaupt öffnen können, habe die Nachfrage nach den kompakten Pools einen starken Auftrieb erfahren. „So waren wir tatsächlich Mitte Mai bei vielen Modellen deutschlandweit ausverkauft“, so Preuß. Nachbestellte Modelle seien einen Monat später ebenso vergriffen gewesen. Vom Einsteigermodell für 30 Euro über Stahlwandbecken für mehrere Hundert Euro bis hin zu Einbaupools im Wert von mehreren Tausend Euro habe sich die Nachfrage erstreckt. Deshalb bereite sich die Baumarktkette auf einen erneuten Ansturm vor. Wer aktuell mit dem Gedanken spielt, sich dieses Jahr einen Pool anzuschaffen, habe jetzt die Zeit, sich über die verschiedenen Modelle zu informieren.

Auch in Pleidelsheim und Tamm gibt es Menschen, die im kommenden Sommer im eigenen Garten ihrem Badevergnügen nachgehen wollen. Zwar sind Schwimmbecken bis zu einem Beckeninhalt von 100 Kubikmetern Wasser genehmigungsfrei, bei größeren Anlagen ist jedoch ein Verfahren notwendig. So hatte sich der Pleidelsheimer Gemeinderat zum Jahresende gleich mit der Genehmigung von zwei Swimmingpools zu beschäftigen, weil sie mehr als 100 Kubikmeter Fassungsvermögen haben. In Tamm benötigte ein Bürger eine Genehmigung, weil der Pool außerhalb der überbaubaren Grundstücksfläche errichtet werden soll. Weil die meisten Swimmingpools kleineren Ausmaßes und somit genehmigungsfrei sind, können weder der Pleidelsheimer Bürgermeister Ralf Trettner noch sein Tammer Amtskollege Martin Bernhard von einem Trend sprechen. „Wir bekommen das schlichtweg nicht mit, wenn jemand einen kleineren Swimmingpool in seinen Garten baut“, sagt Trettner. Bezüglich etwaiger Folgen auf den Trinkwasserverbrauch haben die beiden Verwaltungschefs keine Bedenken. Auch wenn in heißen Sommern erfahrungsgemäß mehr Wasser verbraucht würde, betrachtet Trettner das Thema eher humoristisch: „Bei den einen hat der Lockdown zu einem höheren Klopapierverbrauch geführt, die anderen haben einen höheren Wasserbedarf.“ Als der Pleidelsheimer Gemeinderat zum Jahresende die beiden Pools genehmigte, warf SPD-Gemeinderätin Brigitte Faaß die Frage auf, ob Swimmingpools zu einer Wasserknappheit führen können.

Wie das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg auf Anfrage mitteilt, „trägt die Befüllung privater Swimmingpools in trockenen Sommermonaten zur Erhöhung des Spitzentagesbedarfs an Wasser bei“. Eine direkte Gefährdung der Trinkwasserversorgung könne daraus jedoch nicht abgeleitet werden. Zumal dann auch die Bewässerung von Gärten und landwirtschaftlichen Flächen zum vermehrten Verbrauch von Trinkwasser beitragen würden. Es hänge auch davon ab, wie der jeweilige Versorgungsbetrieb aufgestellt und wie verlässlich sein Wasservorkommen ist. Von einer Knappheit seien eher sehr kleine öffentliche Wasserversorgungen zum Beispiel für Teilorte betroffen, die ausschließlich das Wasser einer Quelle nutzen. „Auf den mittleren Jahresverbrauch bezogen, dürfte die Befüllung privater Pools eine untergeordnete Rolle spielen“, heißt es aus dem Ministerium. Sollte es tatsächlich zu einer Knappheit kommen, wäre es möglich, zu Spitzenverbrauchszeiten den Trinkwasserverbrauch per Anordnung einzuschränken. Dafür könnte die Befüllung von Pools oder die Bewässerung von Gärten für einen bestimmten Zeitraum untersagt werden.

Laut Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser beim Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft (BDEW), ist die Trinkwasserversorgung – bis auf vereinzelte lokale Fälle – flächendeckend gewährleistet. Der häufigste Grund für Engpässe in der Trinkwasserversorgung sei nicht Wassermangel, sondern der Umstand, dass zu viel Wasser auf einmal angefordert werde. Bei großer Hitze steige der Bedarf der Haushalte um bis zu 60 Prozent. „Die Menschen bewässern ihren Garten, duschen häufiger, und immer mehr Haushalte besitzen Pools, die mit mehreren Tausend Litern Wasser befüllt werden“, so Weyand. So habe ein durchschnittlicher Aufstellpool von 3,66 Metern Durchmesser ein Volumen von 6500 Litern. Dies entspreche dem 52-fachen des Tagesbedarfs einer Person. „Das kann die Systeme überfordern, deren Leistung und Kapazitäten auf einen niedrigeren Bedarf zugeschnitten sind“, weiß Weyand. Können diese Systeme nicht mehr genügend Wasser pro Zeiteinheit weiterleiten, müssten Gemeinden kurzfristig Gartenbewässerung und Poolbefüllungen untersagen. Das gebe den Speichern Zeit, sich wieder zu füllen und die Trinkwasserversorgung zu sichern. Denn die habe absolute Priorität.

Deshalb rät Martin Weyand: „Um das Versorgungssystem zu entlasten, ist es sinnvoll, die Gartenbewässerung nicht während der Tageshitze durchzuführen und Swimmingpools nicht zu den Hauptverbrauchszeiten am Vormittag oder frühen Abend zu befüllen.“

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