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Wasser wird zum Streitfall zwischen Markgröningen und Sachsenheim

Blick von Unterriexingen auf den Gewerbepark Eichwald über der Enz: Die Menschen hier leiden seit Jahren unter der Ansiedlung. Archivfoto: Alfred Drossel
Blick von Unterriexingen auf den Gewerbepark Eichwald über der Enz: Die Menschen hier leiden seit Jahren unter der Ansiedlung. Archivfoto: Alfred Drossel
Eine alte Quelle, die Entwässerung und der Verkehr: In Markgröningen ist der Frust über den Gewerbepark Eichwald weiter groß.

Markgröningen/Sachsenheim. Rund um die Entenquelle zwischen Sachsenheim und dem Markgröninger Ortsteil Unterriexingen hat sich eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt entwickelt. Wengerter füllen sich an der Quellfassung frisches Wasser ab, um ihre Stückle zu gießen, Landwirte tränken damit ihre Tiere. Früher versorgte die Entenquelle Unterriexingen mit Trinkwasser, doch das ist mehr als 50 Jahre her. Dennoch hält die Stadt Markgröningen an der Entenquelle immer noch ein Wasserrecht – und denkt nicht daran, darauf zu verzichten, wie es die Stadt Sachsenheim gerne hätte.

Hintergrund ist die neuerliche Erweiterung des Gewerbeparks Eichwald im Süden, wo unter anderem die Modefirma Breuninger und der Sportwagenhersteller Porsche expandieren. „Durch das Gewerbegebiet wird allerdings auch die Entenquelle beeinträchtigt“, sagte der Markgröninger Bürgermeister Rudolf Kürner am Dienstagabend im Gemeinderat. Er befürchtet, dass sich die Expansion negativ auf den Wasseraustritt der Quelle auswirken könnte – aber nicht nur. Sorgen bereitet ihm zudem das Entwässerungskonzept des Eichwalds, an dem neben Sachsenheim auch Bietigheim-Bissingen, Oberriexingen und Sersheim beteiligt sind.

„Es funktioniert nicht“, sagt der Markgröninger CDU-Ratsherr Simeon Fleckhammer, der in Unterriexingen Gemüse anbaut. „Bei Starkregen läuft das Wasser in unsere Richtung.“ Als es vor knapp einer Woche zwei Tage lang kräftig schüttete, flutete das ein Feld mit Ackersalat. Fleckhammer vermutete, dass als Ursache der Baustart der Neckarenztalleitung infrage kommen könnte – einer Gaspipeline, die von Wiernsheim im Enzkreis über 28 Kilometer bis Löchgau geführt werden soll. Ein Berater des Bauherrn teilte Fleckhammer per E-Mail allerdings mit: „Der Ihnen entstandene Schaden ist nicht durch unser Bauvorhaben verschuldet.“

Die Spur führt offenbar zum Zweckverband des Gewerbeparks Eichwald. „Dort ist das Problem schon länger bekannt“, so der Berater nach Rücksprache – und es wiederhole sich jedes Mal bei starkem Regen. Der Zweckverband suche noch nach einer Lösung und Abhilfe.

Die Quelle droht zu versiegen

In Markgröningen lässt das die Alarmglocken schrillen. In den vergangenen Jahren litt die Stadt bereits zweimal unter sogenannten 100-jährigen Regenereignissen – und nicht bloß unter Starkregen, wie am vergangenen Wochenende. Sie will den Eichwald-Zweckverband nun vergattern, ein Konzept darzulegen, wie Unterriexingen vor möglichen Flutwellen geschützt werde. Darüber hinaus verlangt Kürner vor der neuerlichen Süderweiterung des Gewerbeparks eine Umweltprüfung.

„Wir stehen hinter diesen Forderungen“, sagte der Freie Wähler Hans Bader am Dienstagabend im Gemeinderat. Der FDP-Stadtrat Joachim Blank fand, dass die „Kritik an diesen Missständen berechtigt ist“. Für die Unterriexinger Sozialdemokratin Karin Rosswog ist das Wasser der Entenquelle „ein hohes Gut“. Das Vertrauen in die Stadt Sachsenheim und den Gewerbepark Eichwald sei im Ort gestört. Bei Kürner bedankte sie sich für seine „klaren Worte“.

Denn der Markgröninger Ortsteil leidet seit Jahren auch unter dem Verkehr, der sich zu Stoßzeiten über die enge Hauptstraße quält – ohne dass die Kommune anders als die Zweckverbandsmitglieder von fetten Gewerbesteuereinnahmen profitiert, für die der Eichwald ebenfalls steht. „Für uns sind die Auswirkungen negativ“, sagte der GAL-Ratsherr Arndt Zwicker am Dienstagabend im Gemeinderat. Der Unterriexinger Christdemokrat und Gärtnermeister Fleckhammer fasst die Lage so zusammen: „Wir sind am Eichwald nicht beteiligt und haben das Übel zu ertragen.“

Der Entenquelle und ihrem Wasser, das er ebenfalls dann und wann nutzt, prophezeit Fleckhammer: „Wenn es so weitergeht, wird es irgendwann versiegen.“