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Wechselbetrieb für ältere Schüler

Die SPD fordert die Rückkehr zum rollierenden System aus Fernlernen und Präsenzunterricht für Schüler ab Klasse acht – ein Praktiker aus Ditzingen unterstützt den Vorschlag.

Unterricht in der Theodor-Heuglin-Schule in Hirschlanden: Die Landes-SPD ist für eine Rückkehr zum rollierenden System, bei dem ein Teil der Klassen zu Hause bleibt und der andere Teil in der Schule ist. Foto: Christoph Schmidt/dpa
Unterricht in der Theodor-Heuglin-Schule in Hirschlanden: Die Landes-SPD ist für eine Rückkehr zum rollierenden System, bei dem ein Teil der Klassen zu Hause bleibt und der andere Teil in der Schule ist. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Ditzingen/Stuttgart. Als die Schulen vor den Sommerferien in den Wechselbetrieb schalten und die Klassen halbieren, erzielt die Theodor-Heuglin-Gemeinschaftsschule im Ditzinger Ortsteil Hirschlanden nach Ansicht des Rektors Jörg Fröscher „gute Erfolge“. Er erlebt intensiven Unterricht, motivierte Schüler im Homelearning und im Unterricht, entspannte Pausen auf dem Schulhof und kaum Gedränge in den Schulbussen. „Wir konnten alle Hygieneregeln einhalten“, sagt Fröscher.

Der Praktiker stellte sich am Mittwoch in einer gemeinsamen Online-Pressekonferenz mit dem SPD-Landesvorsitzenden Andreas Stoch hinter die Forderung der Sozialdemokraten, einen differenzierten Plan für die Schulen zu erstellen, der auf die verschiedenen Infektionslagen reagiert. „Es gibt mehr Varianten als komplette Öffnung oder komplette Schließung“, sagte Stoch in Stuttgart.

Konkret spricht sich die SPD für einen Wechselbetrieb für Schüler ab der achten Klasse aus. „Die Altersgruppe der 14- bis 34-Jährigen verzeichnet auch im Land die höchsten Inzidenzen. Das lässt sich nicht mehr allein mit Coronapartys erklären“, so Stoch. „Gerade für Schüler über 14 ist Fernunterricht deutlich sinnvoller als bei jüngeren Jahrgängen.“ Zudem könnten Schüler über 14 auch ohne durchgängige Betreuung der Eltern zu Hause bleiben.

Heftige Kritik übte der oberste Genosse im Land an der Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). „Sie betreibt eine bipolare Politik. Wenn ihr nicht endlich mehr einfällt, kommt nach der Öffnung um jeden Preis bald wieder die komplette Schließung“, so Stoch. Die Schulen im Südwesten bräuchten aber deutlich mehr Möglichkeiten.

Er sprach sich am Mittwoch dafür aus, dass das Land Theater, Hotels und Museen, aber auch Gemeindehallen anmietet, damit der Unterricht in einem sicheren Umfeld über die Bühne gehen könne. „Das würde gleichzeitig die so gebeutelten Kultureinrichtungen, Vereine und Kirchen unterstützen“, so Stoch. Auch für die dringend notwendige Anschaffung von Luftfiltergeräten müsse es ein fest zugewiesenes Budget geben. „Im Winter können die Klassenzimmer nicht ständig durchgelüftet werden.“

Einen besseren Schutz der Lehrer und die Rückkehr zum Wechselunterricht verlangt neben der SPD auch die neue GEW-Landeschefin Monika Stein. Sie verwies darauf, dass die Kultusministerin im Sommer zugesagt habe, dass es hochwirksame FFP2-Masken zumindest für Lehrkräfte geben solle, die zur Risikogruppe gehören. „Dieses Versprechen ist bis heute nicht eingehalten worden“, sagt Stein.

An der Theodor-Heuglin-Schule in Hirschlanden, die rund 640 Kinder besuchen, verbringen die Lehrer derzeit bis zu acht Stunden am Tag mit fast 30 Schülern in einem Zimmer. „Eine komplette Schulschließung wie im Frühjahr müssen wir unbedingt vermeiden“, sagt Rektor Fröscher. Er hält es in diesen Zeiten auch nicht für sinnvoll, in jedem Fach den Lernplan durchzupauken. Der Experte: „Wir brauchen eine Debatte darüber, wo die Schwerpunkte liegen sollen – und was man weglassen kann.“

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