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Weg für Neugestaltung im Ortskern geebnet

Dass sich die WIR-Fraktion im Ingersheimer Gemeinderat gegen ein Neubaugebiet am Ortsrand stellt, ist hinlänglich bekannt. In der jüngsten Sitzung kam nun eine weitere Variante hinzu: Die Fraktion lehnt den Abriss dreier Häuser für eine Neubebauung in der Ortsmitte, dem sogenannten Inneren Ei zwischen Tiefengasse und Kirchgasse, ab.

Die Zukunft der Gebäude Tiefengasse 2, 4 und 8 beschäftigt den Gemeinderat. Foto: Holm Wolschendorf
Die Zukunft der Gebäude Tiefengasse 2, 4 und 8 beschäftigt den Gemeinderat. Foto: Holm Wolschendorf

Ingersheim. Karin Zimmer von der Wählergemeinschaft WIR forderte eine Prüfung durch das Landesdenkmalamt und ließ auch den Einwand von Bürgermeisterin Simone Lehnert nicht gelten, dass die Gebäude Tiefengasse 2, 4 und 8, die die Gemeinde erworben hat, gar nicht unter Denkmalschutz stehen. Erwartungsgemäß wurde der Antrag von Karin Zimmer, den Schutzstatus des Gebäudes Tiefengasse 8 zu prüfen, mit großer Mehrheit abgelehnt. Des Votums enthielt sich die MIT-Fraktion, doch die Stellungnahme von Martina Spahlinger machte deutlich, dass MIT die Ortsinnenentwicklung ebenfalls kritisch sieht. Dass hier 35 Wohnungen entstehen sollen, mache ihr Angst, so Spahlinger.

„Es ist doch noch gar nichts beschlossen, es gab lediglich eine Machbarkeitsstudie“, entgegnete die Bürgermeisterin und rief außerdem in Erinnerung, dass die Gemeinde diese drei Gebäude erworben habe, um sie abzureißen und Platz für eine Neugestaltung zu machen. Die Ausgaben für den Abriss seien im Haushaltsplan eingestellt. Die Kosten könnten im Rahmen der 2007 gestarteten, mehrmals erweiterten und noch bis 2022 laufenden Ortskernsanierung finanziert werden; ansonsten müsse die Kommune im nächsten Jahr ein Minus von 800000 Euro ausgleichen. Das Programm könnte als integriertes Gemeindeentwicklungskonzept mit Bürgerbeteiligung fortgesetzt werden.

Kernpunkt einer solchen von der Wüstenrot Haus- und Städtebau im November vorgestellten städtebaulichen Konzeption ist das „Innere Ei“. Die wesentlichen Ziele: Neuordnung und Revitalisierung des Ortskerns, die Schaffung eines Dorfplatzes beim Rathaus, eine angemessene Nachverdichtung mit Mehrfamilien- und Reihenhäusern, die Verbesserung der Parkplatzsituation und Grünbereiche. Es handelte sich seinerzeit lediglich um eine erste Präsentation, die der Gemeinderat zur Kenntnis nahm. Der jetzt getroffene Beschluss zum Abriss mache den Weg frei für etwas Neues, die Kosten seien eine sinnvolle Investition, so die Bürgermeisterin.

Karin Zimmer zweifelte hingegen nicht nur an, dass die Tiefengasse 8 abbruchreif ist, auch das Gebäude Tiefengasse 2 erachtete sie als erhaltungswürdig und geeignet für sozialen Wohnungsbau. Zimmer kündigte an, beim Landesdenkmalamt zu beantragen, die Schutzwürdigkeit des Gebäudes Tiefengasse 8 zu überprüfen. Solche Verfahren könnten lange dauern, merkte die Bürgermeisterin an. Der von der Verwaltung vorgestellte Zeitplan sieht aber einen Start der Abbrucharbeiten Ende August vor, so dass im nächsten Jahr, wenn die Sanierung der Ortsdurchfahrt ansteht, die freie Fläche für die Baustelleneinrichtung genutzt werden kann.

Die anderen Gemeinderäte kommentierten den Vorstoß Zimmers mit deutlichen Worten. Hanne Hallmann (Freie Wähler) sprach von Wichtigtuerei und warnte vor den Folgen verzögerter Abbrucharbeiten. Dann müsse die Kommune Fördermittel zurückzahlen. Carmen Buchgraber (Freie Wähler) sprach von einer Verhinderungspolitik. Wie das „Innere Ei“ später aussehen soll, sei noch gar nicht entschieden, darauf machte Jürgen Fleischmann (Freie Wähler) aufmerksam und verwies auf die Bürgerbeteiligung im Rahmen des Entwicklungskonzepts.

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