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Weinbau und Natur im Einklang

Nach zwölf Jahren Vorlauf mit reichlich Streit brachte der damalige Ministerpräsident Günter Oettinger im November 2009 die Rettung des Weinbaus auf dem Hohenasperg auf den Weg. Weitere zwölf Jahre später geht jetzt eine der schwierigsten und aufwendigsten Rebflurneuordnungen im Land endlich auf die Zielgerade.

Meilenstein: Die Stadt übernahm am Montag offiziell die Zuständigkeit für die Landschaftspflege am Hohenasperg. Foto Ramona Theiss
Meilenstein: Die Stadt übernahm am Montag offiziell die Zuständigkeit für die Landschaftspflege am Hohenasperg. Foto Ramona Theiss

Asperg. Verfallende Trockenmauern, wuchernde Brombeerhecken, ein marodes Wegenetz, massiver Mehltaubefall in aufgegebenen Rebanlagen – als die Rebflurbereinigung am Hohenasperg nach jahrelangem Tauziehen 2012 endlich in die Gänge kam, war es höchste Zeit für die renommierte Lage Asperger Berg: Der Weinbau, der den Demokratenbuckel über Jahrhunderte ebenso prägte wie die schwäbische Bastille, stand auf der Kippe. Zwölf Jahre später steht die Flurneuordnung, deren Zentrum der Interessensausgleich zwischen Wengertern und Naturschutz bildete, vor dem Abschluss. „Ein einmaliges Projekt, das es so in Baden-Württemberg nicht noch einmal geben wird“, resümierte Aspergs Bürgermeister Christian Eiberger heute Nachmittag die Fortschritte der letzten Jahre, durch die das historisch gewachsene Erscheinungsbild der Landmarke Hohenasperg langfristig gesichert scheint: Die Stadt übernahm bei einem Vor-Ort-Termin von der Teilnehmergemeinschaft der beteiligten Wengerter offiziell die Zuständigkeit für die Landschaftspflege in den Ausgleichflächen am Hohenasperg.

Denn der ist nicht nur ein Kulturdenkmal von landesweitem Rang, sondern auch ein wertvolles Biotop für Mauereidechsen oder Wildbienen und standorttypische Pflanzen wie den Natternkopf, den Goldlack und den Mauerpfeffer, die Golddistel, die Königskerze, den Färberwaid, die Edelgarbe und die Traubenhyazinthe. Allein im Zuge des Ökoausgleichs sind auf gut 2100 Quadratmetern neue Biotope entstanden – von der Trockenmauer über die Magerwiese bis zur – am Fuß des Bergs Richtung Gefangenenfriedhof gelegenen – Streuobstwiese. Rainer Steidl vom Flurneuordnungsamt Heilbronn und Sebastian Schmid vom Geschäftsteil Flurneuordnung im Landratsamt stellten bei der Übergabe die neuen Anlagen und einen detaillierten Pflegeplan vor, der unter anderem die zu fördernden Arten definiert und genaue Vorgaben für die Mahd in den einzelnen Bereichen macht.

Schmuckstück unter den realisierten Ökoprojekten ist das vom Land finanzierte Wildbienenparadies, das westlich des zentralen Pavillons die einstige Rebfläche abgelöst hat. Peter Pfisterer, der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft der Wengerter am Asperger Hausberg, hofft, dieses Stück Natur zu einem Markenzeichen der Lage zu machen, nachdem sich die Hoffnung, auch die einst von der Hofkammer bewirtschafteten, zentralen Terrassen wieder zu bestocken, teilweise zerschlagen hat. Pfisterer bedankte sich aus Anlass der Übergabe der Landschaftspflegebereiche für das inhaltliche und finanzielle Engagement der Stadt, des Landkreises, des Landes und vor allem seiner Wengerterkollegen, voran Max Maier, dem größten Grundbesitzer am Berg. Allein der Unternehmer hat einen siebenstelligen Betrag in die Rebflurneuordnung gesteckt.

Insgesamt sind in den letzten zwölf Jahren knapp sechs Millionen Euro in die Erhaltung der terrassierten Steillagen mit einer Gesamtfläche von 6,6 Hektar geflossen. 5450 Quadratmeter Trockenmauern wurden saniert, was einem Anteil von 42 Prozent der insgesamt 12900 Quadratmeter Mauerflächen am Asperger Berg entspricht. Nur in 35Prozent der Trockenmauern wurde durch die Sanierung überhaupt nicht eingegriffen, während 21Prozent neue Trockenmauern erstellt und zwei Prozent Mauerfläche entfernt wurden. Allein der Wegebau kostete 830000 Euro. Darin sind auch die Kosten für die Herstellung der Standsicherheit, die Sanierung der Stützmauern sowie für Rampen und Ausweichstellen enthalten.

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