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Weiter Weg zur Barrierefreiheit

Die Bahn kommt nach Ansicht des Stuttgarter Regionalverbandes mit dem barrierefreien Ausbau der S-Bahn-Stationen nicht schnell genug vorwärts. Manche sprechen gar von einem Trauerspiel.

Hoch das Bein: S-Bahn-Fahrgäste am Ludwigsburger Bahnhof müssen einen Höhenunterschied von 20 Zentimetern überwinden – für Menschen mit Handicap wird das zu einem Problem. Foto: Holm Wolschendorf
Hoch das Bein: S-Bahn-Fahrgäste am Ludwigsburger Bahnhof müssen einen Höhenunterschied von 20 Zentimetern überwinden – für Menschen mit Handicap wird das zu einem Problem. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Mit dem legendären Satz „Mind the Gap“ warnt Londons U-Bahn die Fahrgäste vor der Lücke zwischen Bahnsteig und Zug. In Ludwigsburg müssen die Reisenden, die in die S-Bahn wollen, einen Höhenunterschied von satten 20 Zentimetern überwinden – Barrierefreiheit sieht anders aus.

Fast noch schlimmer ist, dass sich an diesem Zustand wohl auf Jahre hinaus nichts ändern wird, auch wenn die Barrierefreiheit im ÖPNV bereits in einer UN-Konvention verankert ist. In Ludwigsburg will die Bahn nach eigenen Angaben erst den Fahrplan für Stuttgart.21 abwarten, bevor sie an den hiesigen S-Bahnsteigen tätig wird. Der Bereichsleiter der Bahntochter DB Station & Service für den Südwesten, Michael Groh, rechnet dann von der Planung bis zur Inbetriebnahme mit rund acht Jahren.

Im regionalen Verkehrsausschuss hat das Tempo, mit dem das Unternehmen für höhere Bahnsteige entlang der S-Bahn sorgen will, jetzt für Irritationen gesorgt – euphemistisch ausgedrückt. „Der Zeitplan ist wenig ambitioniert“, sagte die Ludwigsburger CDU-Politikerin und stellvertretende Kreisvorsitzende Elke Kreiser. „Wir haben den Eindruck, dass das Thema Barrierefreiheit nachrangig behandelt wird.“ Ihre Fraktion wirft der DB Station & Service vor, so breite Bevölkerungsschichten vom ÖPNV abzukoppeln. Mit dieser Ansicht ist die CDU in der Region nicht alleine. „Es ist ein Trauerspiel“, sagte auch der Stuttgarter Grüne Michael Lateier.

Vor rund einem Jahr hatte der Regionalverband entschieden, bis 2025 zehn S-Bahn-Stationen barrierefrei ausbauen zu lassen. In der Liste tauchen unter anderem Kornwestheim, Ditzingen, Korntal und Zuffenhausen auf. Der Bahnmanager Groh sagte nun im Ausschuss: „Sofern pro Jahr vier Stationen in den Planungsprozess aufgenommen werden, ist mit einer Fertigstellung bis 2030 zu rechnen.“ Bei weiteren Haltestellen, die noch festzulegen wären, geht die Bahn von 2035 aus. „Wir bräuchten also mehr als eine Generation, um die S-Bahnhöfe umzustellen“, so der Grüne Lateier empört.

Tatsächlich sieht es so aus, als habe die Bahn die Geschwindigkeit in den vergangenen Jahren gar verschleppt. Nach Rechnung der Regio-SPD wurden zwischen 2000 und 2009 knapp 20 Stationen umgerüstet – in diesem Jahrzehnt waren es laut dem Regionalrat Harald Raß aber nur noch neun Stopps. „Das kann so nicht hingenommen werden“, sagte der Fellbacher Verkehrsexperte.

An der Finanzierung hakt es offenbar nicht. „Die Region ist bereit, die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen“, so der Freie Wähler und ehemalige Böblinger Landrat Bernhard Maier im Ausschuss. Er nannte einen hohen zweistelligen Millionenbetrag, der investiert werden soll. „Wir erwarten von der Bahn jetzt, dass das Programm auch umgesetzt wird.“ Kommentar

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