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Weiterverwendung von Rund ist vom Tisch

Blaue Tonne und blaue Box bleiben ein Aufreger-Thema im Kreis. Foto: privat
Blaue Tonne und blaue Box bleiben ein Aufreger-Thema im Kreis. Foto: privat
Aus Grün mach Blau? Der Vorschlag vieler LKZ-Leser, die bisherige Rund-Tonne durch eine einfache Kennzeichnung als Glastonne weiter zu benutzen, ist vom Tisch. Nach Aussagen des Landratsamts wird er von den Entsorgern des Dualen Systems abgelehnt und auch vom Landkreis nicht weiterverfolgt. Ein einfacher Austausch der umstrittenen blauen Glasbox könnte damit noch weiter in die Ferne rücken. Landrat Dietmar Allgaier will aber versuchen, den Streit mit dem Duale-Dienste-Anbieter Interseroh und seinen Partner am Wochenende bei einer Videokonferenz zu lösen.

Kreis Ludwigsburg. Ein Leser aus Hohenhaslach hat es einfach probiert: Er hat den Deckel seiner bisherige Rundtonne blau lackiert und sie, mit Altglas gefüllt, an die Straße gestellt: „Hat tadellos funktioniert und ist eine preisgünstige Lösung“, freut er sich. Auch etliche andere Leser haben gute Erfahrungen mit einem weithin pragmatischen Verhalten der beiden Entsorgerfirmen Kurz und Prezero bei ihrer ersten Altglasabholung gemacht: Ob Flaschen und Gläser in Körben, Schachteln oder Säcken neben die überquellenden Boxen gestellt wurden, abgeholt wurde in der Regel alles.

Doch bei solchem Pragmatismus wird es, so ist derzeit zu befürchten, kaum bleiben: Sowohl die Entsorger der Dualen Systeme als auch der Landkreis und seine Abfallverwertungs-GmbH AVL sind auf Distanz zum Vorschlag einer Weiternutzung der bisherigen Rund- als neue Glastonne gegangen. Das liegt vor allem daran, dass die beiden Entsorger diesen Teil der alten grünen Tonnen – Flach wird bekanntlich für Papier und Kartons weiter benutzt – längst zur Verwertung vergeben haben, außerdem hat die Abholung der alten Rund-Tonnen bereits begonnen: Nach Bietigheim-Bissingen in dieser kommt in der nächsten Woche Ludwigsburg an die Reihe. Bedenken hat auch der Landkreis: Er fürchtet eine weniger konsequente Mülltrennung, wenn die alten Tonnen beibehalten würden.

Damit wird eine rasche Lösung des Streits um die Bedingungen des Austauschs der bisher ausgelieferten Glasbehälter eigentlich um so dringlicher. Landkreis und AVL beharren, wie berichtet, darauf, dass die Behälter „auf Wunsch des Kunden“ auszutauschen seien. Die Entsorger dagegen interpretieren die von beiden Seiten unterzeichnete Abstimmungsvereinbarung dahingehend, dass nicht „Gefallen oder Nichtgefallen des Erfassungsbehälters“, sondern der tatsächliche „Bedarf“ der Haushalte für einen möglichen Behältertausch maßgeblich sei und lehnen eine großzügige und unkomplizierte Ersetzung der Box durch Tonnen ab – nicht zuletzt aus Kostengründen.

Der tatsächliche Bedarf bleibt vorerst unklar

Die Gespräche über eine mögliche Beilegung dieses Konflikts liefen auch in dieser Woche „auf der Fachebene“ weiter, heißt es aus dem Landratsamt. Am Wochenende sei ein Spitzengespräch mit Landrat Dietmar Allgaier im Videoformat vorgesehen. Der Landrat hat Interseroh bereits mehrfach mit einer Klage gedroht, sofern die Dualen Dienste den Forderungen des Landkreises nach einem bedingungs- und kostenlosen Behältertausch nicht nachkommen sollten.

Unterdessen bleibt unklar, wie groß der Bedarf danach überhaupt ist. Weder Prezero noch Kurz haben die am Dienstag mündlich und schriftlich vorgetragne LKZ-Anfrage, wie viele Haushalte bei ihnen bisher einen anderen Behälter beantragt haben, bis Mittwochabend beantwortet. Das Landratsamt nannte die Zahl von 5000 Haushalten und berief sich dabei auf Angaben der beiden Entsorger mit dem Stand letzter Woche.

Indessen scheinen erhebliche Zweifel an dieser Größenordnung angebracht. Wenn sie zuträfe und Kurz und Prezero nur etwa 5000 Tonnen nachliefern müssten, so bewegte sich diese Zahl nämlich noch innerhalb der Margen, die der Kreis und Interseroh in ihrer „Abstimmungsvereinbarung“ festgesetzt haben. Damit aber entfiele rein sachlich das Fundament für die Verweigerungshaltung der Entsorger. Dass der tatsächliche Bedarf deutlich größer sein dürfte, legt neben einer Flut von Leserzuschriften an die LKZ auch die Umfrage einer Facebook-Gruppe in Oberriexingen nahe: Von 180 Abstimmenden wollten 104 eine Tonne erhalten, nur acht die Glasbox behalten. Der Rest entsorgt sein Glas ohnehin über größere Behälter, etwa Container.

Der Kreistag hielt am Freitag, wie berichtet, gleichwohl an seiner Auffassung fest, sich mit der Box für den richtigen Standardbehälter entschieden zu haben. Kreispolitiker aus dem Enzkreis, die sich für die Tonne entschieden haben, berichten, sie seien bei gemeinsamen Verhandlungen deswegen von der Ludwigsburger Seite belächelt worden. Auch am Freitag wurde im Kreistag weiter damit argumentiert, dass der Kreis Ludwigsburg urbaner sei als der Enzkreis – wegen des damit oft geringeren Platzes seien die kleinen Boxen für das Gros der Haushalte daher passender als Tonnen. Allerdings spielt die Box in großen Wohnanlagen ohnehin keine Rolle – dort stehen vierrädrige Container. Ob sich der Raumbedarf – abgesehen von eigentlichen Innenstädten – etwa in typischen Wohngebieten oder in den Stadtteilen der Großen Kreisstädte wie Ditzingen oder Remseck – im Kreis Ludwigsburg wirklich markant von dem im Enzkreis unterscheidet, sei dahingestellt.

Privater Behältertausch im „kleinen Grenzverkehr“

Klar ist immerhin, dass Bürger im „kleinen Grenzverkehr“ von den unterschiedlichen Standardgrößen profitieren können – wenn sie denn zur eigentlich unstatthaften Selbsthilfe schreiten, statt aufs Einlenken der Entsorger oder das Einschreiten der Behörden zu warten. So haben etwa zwei Arbeitskollegen aus Nachbarorten ihre Behälter privat über die Kreisgrenze hinweg getauscht: Eine blaue Tonne aus dem Enzkreis landete so auf der „Ludwigsburger Seite“, und von dort trat aus eine Box postwendend den Weg nach Osten an.