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Wengerter fördern Artenvielfalt

Wengerter zwischen Heilbronn und Bad Cannstatt pflanzen am Samstag Weinberglilien, Weinraute und Färberkamille in ihren Weinbergen. Gestern war Start der landesweiten Aktion „Lebendiger Weinberg“.

Die ersten Pflanzen werden gesetzt. Foto: Alfred Drossel
Die ersten Pflanzen werden gesetzt. Foto: Alfred Drossel
Christian Seybold pflanzt Salbei.
Christian Seybold pflanzt Salbei.

Lauffen/Besigheim. Insgesamt werden von Heilbronn über Lauffen, Ingersheim, Besigheim, Hessigheim, Gemmrigheim, Walheim, Bietigheim-Bissingen bis Benningen und Bad Cannstatt rund 1500 weinbergtypische Pflanzen im Rahmen der großangelegten Aktion „Lebendiger Weinberg“ gesetzt. Teilnehmende Weingüter sind neben den Jungwinzern von „Wein im Puls“ aus Heilbronn die Felsengartenkellerei Besigheim, die Initiative „Wengerter auf Probe“ aus Benningen sowie zahlreiche Privatweingüter. Weingutbesitzer Christian Seybold hat gestern zusammen mit dem Leiter der Akademie für Natur- und Umweltschutz, Claus-Peter Hutter, in Lauffen die ersten Pflanzen in den Boden gebracht.

Weinberge sind uralte Bindeglieder von Natur und Kultur. Mit ihrer Strukturvielfalt, den Trockenmauern, den Steinriegeln und sonnenverwöhnten Hängen sind sie ein wichtiger Lebensraum für wärmeliebende Tiere und Pflanzen, so die Initiatoren. Doch die einstige Tier- und Pflanzenvielfalt und damit auch ein unersetzliches Natur- und Kulturerbe der Weinberge sei vielerorts selten geworden. Als Flurneuordnungen die nischenreichen Weinberge mit den Trockenmauern und Gehölzen ausräumten, verloren seltene Wildtiere und -pflanzen ihren Lebensraum, heißt es weiter.

„Man kann das Rad der Geschichte zwar nicht zurückdrehen, aber verantwortungsvoll nach vorne bewegen“, betonte Claus-Peter Hutter gestern in Lauffen. Viele kleine Aktionen in den Weinbaugebieten des Landes ergäben ein großes Ganzes und könnten verlorene Vielfalt neu begründen.

Außerdem stärkten die Weinbauern mit der Pflanzaktion die Identifikation des Konsumenten mit der Landschaft. Die Aktion „Lebendiger Weinberg“ zeige erprobte Wege, wie ein nachhaltiger Weinbau bei gleichzeitigem Schutz der heimischen Fauna und Flora erfolgreich umgesetzt werden könne. Es gebe dabei vielerlei Ansatzpunkte, ohne Erschwernis bei der Bewirtschaftung einer vielgestaltigen Pflanzen- und Tierwelt wieder mehr Platz einzuräumen, die Weinbaulandschaften lebendiger zu gestalten und damit auch das Landschaftsbild aufzuwerten. „Das hat mit Naturbewahrung ebenso viel zu tun wie mit dem Marketing der hochwertigen Produkte aus den Weinbergen, dem Tourismus, wie überhaupt mit der Umwelt, sowie die terrassierten Hänge zu erhalten“, sagte Hutter.

Michael Pfeiffer, Agrarfachberater der Sparkasse Heilbronn, einer der Sponsoren der Aktion und selbst Wengerter in Hessigheim, lobte das Engagement. Es zeige einen deutlich sichtbaren Erfolg in der Landschaft. Initiiert wurde die Aktion „Lebendiger Weinberg“ vor mehr als zehn Jahren von der Umweltakademie Baden-Württemberg gemeinsam mit der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg sowie unter anderem dem Württembergischen Weinbauverband. Insgesamt wurden bereits über 30000 Pflanzen in ganz Baden-Württemberg im Laufe der Jahre bei unterschiedlichen Aktionen angepflanzt. Geschaffen werden dabei auch neue ökologische Nischen für Lebensraumspezialisten wie Schwalbenschwanz-Falter, Zaun- und Mauereidechse sowie die typische Weinbergbegleitflora.

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