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Wengerter mit fast 90 Jahren

Kurt Dokkenwadel liefert seine Trauben in der Lembergkellerei ab – In seiner Freizeit tanzt er mit Begeisterung

Kurt Dokkenwadel in seinem Steillagenweinberg am Mühlberg. Foto: Alfred Drossel
Kurt Dokkenwadel in seinem Steillagenweinberg am Mühlberg. Foto: Alfred Drossel

Markgröningen. Heute erntet Kurt Dokkenwadel die Früchte seiner Arbeit. Das sind prächtige Lemberger-Trauben, die er seit 70 Jahren aus seinem Steillagenweinberg am Markgröninger Mühlberg holt. In zehn Tagen wird Kurt Dokkenwadel 90 Jahre alt. Damit ist er vermutlich nicht nur der älteste aktive Wengerter in Markgröningen, sondern im Landkreis und weit darüber hinaus.

Mit Leichtigkeit steigt er die steilen Stäffele vom Glemstal an der Spitalmühle den Mühlberg hinauf zu seinem Wengerthäusle und blickt zufrieden auf seinen neun Ar großen Weinberg. Seine Frau Irmgard hat ihn als Mitgift von ihrem Vater Alfred Günzler in die Ehe gebracht. Seit 70 Jahren bewirtschaftet der aus Möglingen stammende Dokkenwadel den Schrannenweinberg, erneuert die steilen Stäffele und setzt die Muschelkalksteinmauern wieder neu auf, wenn sie wackelig werden. Das mache er mit großen Kraftanstrengungen, so dass sein Enkel zu ihm schon gesagt habe: „Opa, du bist ein Herkules.“

Kurt Dokkenwadel hat sich in all den Jahren ganz schön krummgemacht in seinem Weinberg. Und er tut es bis heute. Geholfen hat ihm dabei früher seine Frau Irmgard. Sie ist vor fünf Jahren gestorben. Jetzt helfen die beiden Töchter mit ihren Familien, den drei Enkeln und fünf Urenkeln bei der Weinlese.

Früher ist Kurt Dokkenwadel, der mehr als 40 Jahre bei Bosch gearbeitet hat, davon 22 Jahre im Werk Schwieberdingen, mit dem Fahrrad fast jeden Tag in seinen Weinberg geradelt. Jetzt sei er doch etwas wackeliger geworden, sagt er, deshalb nehme er das Auto. Auf den unteren Schrannen des Weinbergs hat der rüstige Wengerter einen Gemüsegarten angelegt. Seine Gemüsebrühe macht er selbst, weil er sie am gesündesten findet. An den Weinbergmauern stehen auch in Töpfen die Weinreben, die den Schäferlaufwagen der Wengerter schmücken. Dieses Jahr allerdings nicht.

Früher hat Kurt Dokkenwadel seinen Wein selbst ausgebaut. Jetzt liefert er, wie die meisten Markgröninger Wengerter, bei der Lembergkellerei in Roßwag ab. Dort werden seine Lemberger-Trauben zum bekannten Sankt Johännser. Für dieses Jahr erwartet er gute Ergebnisse, wenn es auch sehr trocken war.

Mit Sorge beobachtet Kurt Dokkenwadel die Klimaveränderung. Nicht nur die Hitze macht ihm zu schaffen, sondern die sehr aggressiven Sonnenstrahlen. Das sei früher nicht so gewesen. In den Weinberg ist er deshalb erst am späten Nachmittag gegangen.

Kurt Dokkenwadel fühlt sich mit seinen fast 90 Jahren gesund und fit. „Wer rastet, der rostet“, sagt er. Deshalb ist nach dem Weinberg seine zweite Leidenschaft das Tanzen. Mit seiner Frau sei er mindestens zweimal die Woche in Clubs und Vereinen zum Tanzen gegangen. Jetzt habe er wieder eine Partnerin gefunden, die so gerne tanze wie er. Der fast 90-Jährige reist auch gerne. Fast keine LKZ-Leserreise lässt er dabei aus.

Den Tag beginnt Kurt Dokkenwadel morgens um 6 Uhr mit dem Frühstück. Dann erledige er seinen Haushalt, mache seine Besorgungen und gehe dann in den Weinberg. Für ihn sei es schon immer wichtig gewesen, sich in der Natur zu beschäftigen.

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