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Wenig zu tun für Corona-Streifen

In Ludwigsburg ist Ruhe eingekehrt: Stadt und Polizei müssen viele Fragen beantworten, aber nur selten eingreifen

Entspannter Rundgang: Auch auf der Bärenwiese sind Radler und Spaziergänger einzeln oder im Tandem unterwegs.Foto: Holm Wolschendorf
Entspannter Rundgang: Auch auf der Bärenwiese sind Radler und Spaziergänger einzeln oder im Tandem unterwegs. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Die Sonne am strahlend blauen Himmel täuscht, ein kalter Wind pfeift durch die Straßen. Es ist Dienstag, 12 Uhr mittags. Der Verkäufer der Trottoir-Straßenzeitung läuft an seinem Stammplatz an der Ecke Wilhelm-/Kirchstraße auf und ab und reibt seine behandschuhten Hände zusammen. Wo sonst zahlreiche Passanten die Fußgängerzone bevölkern, tröpfeln die Menschen alleine oder in Pärchen vorbei. Nicht umsonst warnen die Verbände derzeit davor, dass die Obdachlosen ihren Verkauf bald einstellen müssen. In Zeiten von Corona ist auf der Straße kein Geschäft zu machen.

Aus nachvollziehbaren Gründen ist Heinz Mayer, Fachbereichsleiter Sicherheit und Ordnung bei der Stadt, dagegen froh, dass sich die Ludwigsburger an die sogenannte Corona-Verordnung des Landes halten: Nicht mehr als zwei Leute dürfen sich zusammen im öffentlichen Raum aufhalten, ausgenommen Familien oder im selben Haushalt lebende Menschen. Seit Sonntag kontrolliert die Stadt mit Kommunalem Ordnungsdienst und dem Straßenvollzugsdienst (33 Vollzeitstellen), hinzu kommen 30 Angestellte der Stadtverwaltung, die des Notbetriebs wegen für Kontrollgänge abgeordnet werden konnten. Das erste Fazit Mayers: „Bisher hat es erstaunlich gut funktioniert. Wir haben keinen einzigen Verstoß festgestellt.“

Ergänzt werden die städtischen Streifen durch die Polizei, die ihr Personal aber nicht extra aufgestockt hat. „Wir machen den ganz normalen Streifendienst“, sagt Pressesprecher Peter Widenhorn. Die vorläufige Bilanz lässt hoffen, dass es auch ohne Ausgangssperre geht. „Wir haben den Eindruck, dass sich die Regelung in den meisten Köpfen verankert hat.“ Auch seine Kollegin Yvonne Schächtele hat für den gestrigen Dienstag Positives zu berichten: „Die Kontrollen stoßen nahezu ausnahmslos auf Verständnis.“ Die Verstöße hielten sich in Grenzen, sagt sie. Berichtet Widenhorn von Ansammlungen am Bahnhof, deren Teilnehmer nun mit einer Anzeige rechnen müssen, gab es gestern nur einen, der schmunzeln lässt. „Es handelte sich um mehrere Jugendliche, die sich in Eglosheim gemeinsam auf einer Parkbank niedergelassen hatten. Als sie die Streifenwagenbesatzung heranfahren sahen, nahmen sie allerdings Reißaus und verstreuten sich in verschiedene Richtungen.“

Der Sicherheitschef Heinz Mayer glaubt, dass die allgemeine Gelassenheit auch etwas mit der mittlerweile zwei Tage dauernden Rechtssicherheit zu tun hat, eine Seltenheit in Corona-Zeiten. Die Leute seien verunsichert gewesen, jetzt sei erst mal Ruhe eingekehrt. „Das Wichtigste ist eine klare Ansage.“ Bei der Polizei berichtet Widenhorn von einer „unglaublichen Zahl von Anrufen“, auch im Internet werden Fragen gestellt (siehe rechts). Auch bei der Stadt laufen Anfragen ein. „Ein Riesenaufwand“, sagt Meyer, „aber es bedeutet ein Stück Freiheit.“

Die Freiheit ist auch für die Geschäfte begrenzt, die noch geöffnet haben dürfen. Bei Müller in der Wilhelmgalerie sind, wie auch in der Bäckerei Luckscheiter oder im Kaufland in der Schwieberdinger Straße, Plexiglasscheiben zwischen Kassierern und Kunden aufgehängt worden, Handschuhe gehören mittlerweile zur Grundausstattung der Mitarbeiter. Das Kaufland an der Friedrichstraße hatte noch Nachholbedarf, jetzt wird auch hier aufgerüstet, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilt. Durchsagen, Plakate und Bodenmarkierungen mache die Kunden aufmerksam, Kartenzahlung sei erwünscht.

Was Positives hat das Ganze bei allen Daseinssorgen auch. Zwar wurde ihm gestern nun auch noch die Confiserie geschlossen, aber wie Felix Remmele vom Luckscheiter sagt, sorgen die lockeren Schlangen und Vorschriften für seltene Ruhe vor der Theke. „Es ist viel ruhiger und angenehmer.“ Auch beim DM am Bahnhof gibt es keine Hektik mehr, die Kunden packen in Ruhe ein, ohne gedrängt zu werden. Im Bahnhof selbst warnen weder Schilder noch Aufkleber – aber im engen Foyer gibt es auch nur wenig Reisende. Einzig am Busbahnhof wird es schwierig. Die Steige sind so eng, dass Abrücken schwierig ist, vor allem, wenn es um Sitzplätze geht. Auf einer Bank sitzen vier Männer gestikulierend beieinander und unterhalten sich. Bei einer Anzeige könnte es teuer werden: Laut Heinz Mayer von der Stadt wurde das kommunale Bußgeld auf 500 Euro festgesetzt.

In der Wilhelmstraße sitzt wie seit Monaten ein Mann mit roter Wollmütze auf seinem einsamen Bettlerplatz. Die Hoffnung stirbt zuletzt. In Zeiten von Corona ist auf der Straße kein Geschäft zu machen.

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