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Weniger Kontakte, mehr Aufgaben für die Sozialarbeiter

Die Beschäftigten des Hemminger Kinder- und Jugendhauses und der Grundschule haben ihre traditionelle Jahresbilanz gezogen. Sie sehen sich auch künftig vor großen Herausforderungen.

30 Jahre Astergarten wurde 2011 mit viel Musik gefeiert – doch wie viele Angebote kann es dieses Jahr geben? Archivfoto: Holm Wolschendorf
30 Jahre Astergarten wurde 2011 mit viel Musik gefeiert – doch wie viele Angebote kann es dieses Jahr geben? Foto: Holm Wolschendorf

Hemmingen. Es gibt Tagesordnungspunkte von Gemeinderatssitzungen, die sind derzeit einfach deprimierend, unter anderem dann, wenn es um Tätigkeitsberichte von Kinder- und Jugendbetreuungseinrichtungen über das vergangene Jahr geht. Und noch viel mehr, wenn es um den Ausblick geht – so wie beim Kinder- und Jugendhaus Asterngarten in Hemmingen, aber auch bei der Schulsozialarbeit.

Denn nicht nur, dass die Betreuer im Astergarten – Jens Konnerth (75 Prozent), Gregor Adam (50 Prozent), Madline Gerhardt (25 Prozent) und der DH-Student Benjamin Link – seit März 2020 aufgrund vieler Unsicherheiten und oft kurzfristiger Änderungen gefordert waren – und weiter sind – wie noch nie, und gerade die Beschränkungen wie Anmeldepflicht und Höchstteilnehmerzahl ein Widerspruch zum Grundprinzip der offenen Arbeit sind. „Das ganze Spontane ist verloren gegangen“, fasste Konnerth das in der Sitzung des Verwaltungsausschusses zusammen. Und es gab auch weniger Hilfsmöglichkeiten, etwa für Bewerbungen – dabei sei der Bedarf nach wie vor hoch, heißt es in dem Bericht, gerade mit Blick auf die weniger zur Verfügung stehenden Ausbildungs- und Praktikaplätze. Zudem habe Corona bei einzelnen intensiveren Fällen „wie eine Art Brandbeschleuniger“ gewirkt. Das Team bot zwar Gespräche auch über das Internet an, oft seien diese aber nicht von selbst angefragt worden, sondern hätten sich etwa beim Videogaming ergeben. Doch weil manche die Onlinemöglichkeiten dafür nicht nutzen wollten, oder eben auch gar nicht die Ausstattung besitzen, will das Team nun verstärkt mit Streetwork in Hemmingen unterwegs sein.

Aber auch nach der Pandemie kann der Betrieb – wenngleich das Team die Lockdowns fleißig für Reparaturen nutzte – nicht einfach so wieder loslegen, erläuterte Adam anhand der Besucherstatistik. Der Trend, dass weniger Mädchen als Jungs kämen, habe sich an den wenigen Öffnungstagen 2020 nochmals deutlich verstärkt, auch seien fast alle Älteren weggebrochen. Ein neues Konzept müsse deshalb her, und eine neue Generation erst mal an die Einrichtung herangeführt werden, sagte er. Ein Umbruch alle acht bis zehn Jahre sei zwar üblich, aber der sei nun durch Corona deutlicher und habe gerade erst dazugestoßenen Kindern den Einstieg erschwert – dabei sitzt Adam quasi an der Quelle, schließlich ist er mit den anderen 50 Prozent Schulsozialarbeiter.

Notbetreuung und Heimbesuche statt Projekte mit Grundschülern

Doch auch an der Grundschule konnte er 2020 und nun im ersten Quartal 2021 nicht alle Projekte wie geplant durchführen, eines scheiterte lockdownbedingt bislang gar drei Mal, erzählte er. Überhaupt habe die Zeit ohne Präsenzunterricht viel Schaden angerichtet, das sei ab dem Frühsommer schon spürbar gewesen, zu den psychischen Folgen und Ängste um die Gesundheit sei dazugekommen, dass Durchhaltevermögen und ein normales Miteinander zurückgegangen seien. „Die Kinder verlernen das“, berichtete er – auch CDU-Rat Walter Bauer pflichtete ihm bei, sprach von irreversiblen Schäden und kritisierte die große Politik für ihren Umgang mit den Schulen und die ständigen Änderungen, die oft nicht lange anhielten.

Zumindest im Kleinen kann Adam helfen, und Teile seines Deputats vom Astergarten auf die Schüler und seine neu dazugekommene Hilfe in der Notbetreuung umschichten, beziehungsweise flexibel Zeiten einteilen, weil die vielen kurzfristigen Änderungen die Planung von Angeboten erschwere. Denn die fokussieren immer stärker nicht nur auf die Kinder, bei denen sich die Summe der Kontakte halbierte, sondern auf die Eltern. Dazu machte er auch – aufwändigere – Hausbesuche, 57 in 17 Familien, bei denen sich Probleme im Homeschooling zeigten, vor allem im ersten Lockdown. „Einige sind in größere Krisen geraten, aus denen sie erst herauskamen, als die Kinder wieder in die Schule gingen“, sagte er. Aber gerade dieses Angebot sei wichtig gewesen, um den Familien zu zeigen, dass sie nicht alleingelassen würden. Und Beziehungsarbeit wird, so sein Fazit, auch künftig wichtiger, denn viele Kinder werden nicht nur Defizite beim Stoff aufweisen, sondern auch bei der persönlichen Entwicklung.

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